Der Schein trügt

von Ronald Wecker

Das präoperative Bild zeigt neben einer resizierten Wurzelspitze und zwei kleinen röntgenopaken periapikal gelegenen Fremdkörpern  eine mehr oder weniger homogene Wurzelfüllung.

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Im mittleren Wurzeldrittel fällt ein Bereich mit etwas geringerer Röntgenopazität auf, der sich klinisch als adhäsiv befestigter Glasfaserstift herausstellte.

Nach Anlegen der Zugangskavität und initialem Entfernen der koronalen Füllungsanteile kam es zu einer unerwartet starken Geruchsbelästigung, die von dem massiv kontaminiertem Komposit-Glasfaserstift-Verbund herrührte.

Die Ursache dafür trat wenig später zu Tage: Es löste sich die vollständig aus Schmelz bestehende palatinale Rückwand kurz nach der ultraschallunterstützten Spülung. Über dieses koronale Leakage war es zu einer  Konatmination der im Kanal befindlichen Materialien gekommen, die letztlich die apikale Parodontitis verursacht hat.

Nach vollständiger Entfernung aller Obturationsmaterialien und intensiver Irrigation konnte das apikal gelegene Neo-Foramen eingesehen werden. In der zweiten Behandlungssitzung erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers die Wurzelfüllung mit MTA, sowie der adhäsive Verschluss. Die periapikal gelegenen Fremdmaterialien konnten nicht visualisiert werden und wurden daher belassen.

Was mich besonders erstaunte war der schwarze, geradezu teerige Film, der sich entlang der gesamten Grenzfläche Komposite/Wurzelkanal nach apikal ausdehnte. Ein ungewöhnliches koronales Leakage machte es möglich.

Ein Gedanke zu „Der Schein trügt

  1. Sehr schön dokumentiert und endodontisch durchgeführt!
    Ich bin skeptisch, daß der Zahn noch lange durchhält, weil aufgrund des koronalen Zerstörungsgrades und notorisch unzuverlässiger Compositedentinklebung sich vermutlich wieder Leakage einstellen wird.
    Zum schwarzen Film im Kanal: Wenn das nicht verfärbter Sealer war, sollte klar sein, daß Kleber wie die meisten Kunststoffe hervorragend bakteriell besiedelt und von Bakterien verstoffwechselt werden. Ich ziehe die Kombination Para Post Titan mit Harvardzement daher nach wie vor vor, meist mit Amalgamaufbau, weil der noch stabiler u. biologisch inerter ist als Komposit.

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