von Kelban Frock
Frage:
Bei dem Patienten (39 J.) war im Jahr 2008 umfangreicher festsitzender Zahnersatz, vor allem im Oberkiefer geplant. Der im Röntgenbild gezeigte damalige Zustand des 46 bestand seit mehreren Jahren unverändert und praktisch beschwerdefrei (geringe apikale Druckdolenz, sporadisch minimale Ruhebeschwerden). Der Zahn war klinisch fest, kariesfrei und marginal parodontal unauffällig.
Welche Therapie hätten Sie durchgeführt – und warum?
Revision der mesialen Wurzelkanäle ?
Revision aller Wurzelkanäle ?
Hemisektion ?
Entfernung der mesialen Wurzel ?
Extraktion ?
Oder irgend etwas Anderes ?
Auflösung:
Es wurde bei uns zunächst eine Teilrevision nur der beiden mesialen Wurzelkanäle durchgeführt. Nach mehrfacher Spülung und medikamentöser Einlage trat keine Beschwerdefreiheit ein. Nach Absprache mit dem Patienten erfolgte eine Überweisung zum Oralchirurgen zwecks Hemisektion und Entfernung der mesialen Wurzel. Dort wurden auf Wunsch des Patienten jedoch nach erneuter Aufbereitung, Spülung und medikamentöser Einlage und nachfolgender Beschwerdefreiheit mesial Wurzelkanalfüllungen und Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Anschließend wurde – wieder in unserer Praxis – der Zahn mit einem Glasfaserstift und einer Aufbaufüllung versorgt. Nach Begutachtung und Befürwortung der prothetischen Planung erfolgte die Überkronung. Die Röntgenkontrolle nach einem Jahr zeigt eine weitgehende Ausheilung und knöcherne Durchbauung der früheren Knochenkavität. Der Patient befindet sich weiterhin in unserer Kontroll-Behandlung, demnächst soll eine Langzeit-Röntgen-Kontrolle des (beschwerdefreien) 46 erfolgen.
Anschlussfrage:
Unter welchen Voraussetzungen führen Sie eine Teilrevision durch?

Ich hätte ehrlich gesagt alle Kanäle revidiert, weil ich im Regelfall davon ausgehen würde, daß das gesamte Kanalsystem infiziert ist. Es mag Ausnahmen geben, aber will ich mich darauf verlassen und dann nach 1-2 Jahren meine neue Krone trepanieren? Eine Frage: Warum hatten Sie eine Hemisektion beabsichtigt?
Beste Grüße
Bernard Bengs
Ein Endodontie-Spezialist hatte vorher von einer Revision des distalen Kanals eben wegen des massiven Stifts und der Gefahr, die Wurzel dabei zu zerstören, abgeraten
Hallo, ich bin meist geneigt das komplette Kanalsystem zu revidieren (sprich alle Kanäle, auch distal), da ich nie ausschließen kann, dass sich nicht auch Bakterien im distalen Kanalsystem ( von mesial eingewandert) befinden können. Angesichts des massiven Stiftes distal aber sicherlich kein ganz einfaches Unterfangen. Scheint aber zu funktionieren, bin gespannt auf die Nachkontrollbilder. Statisch ist die Revision auch als Teilrevision der Hemisektion in jedem Falle vorzuziehen. Also ein Lob an mitdenkenden überwiesenen Kollegen aus der Chirurgie.
Gruß, Seb