Apikale „Fixation“

von Bonald Decker

Revisionsbehandlungen halten gerne Überraschungen parat. So, wie auch in dem nachfolgenden Fall.

Die Befragung der Patientin ergab, das an den Zähnen 11 und 21 vor einigen Jahren ein kombiniert endodontisch-chirurgischer Eingriff durchgeführt worden war. Während dieser Operation war ein ortho- und retrogrades Vorgehen gewählt worden, bei dem laut Anamnese u.a. auch zwei Titanstifte „Verwendung“ fanden.

Bei der Betrachtung des alio loco angefertigten Diagnose-Röntgenbildes hatte ich die Vermutung, dass es sich ggf. um (sehr) lange Stifte handeln müsse, die bis weit in die koronalen Wurzelanteile reichen würden. Umso erstaunter war ich festzustellen, dass der Stiftanteil „lediglich“ die unteren ca. 8 mm umfasste. Der koronale Anteil der Wurzelkanalsysteme war in Wirklichkeit mit einer pastenähnlichen (für mich undefinierbaren) Masse gefüllt worden…

Unter Anwendung u.a. von Ultraschallansätzen gelang es neben den koronalen Wurzelkanalfüllungen auch die Titananteile orthograd zu entfernen.

Nach Ca(OH)2-Einlage wurden beide Neoapices dann mit MTA verschlossen und die weiteren Kanalanteile mit Guttapercha und Sealer obturiert.

Unsere weitere Empfehlung bestand in einem Recall nach sechs Monaten und nachfolgender prothetischer Neuversorung bei günstigem Heilungsverlauf.

Obgleich ich mit dem letztendlich erzielten Behandlungsergebnis zufrieden bin wurmt mich, dass ich mich von der Röntgenaufnahme habe täuschen lassen bzw. diese fehlinterpretiert habe. Mit einem „ruhigerem“ Blick hätte ich den Übergang zwischen den unterschiedlichen Materialien im Vorfeld schon erkennen bzw. erahnen können und wäre nicht so überrascht worden…

dieser „Fehler“ passiert mir (so schnell) nicht wieder…

P.S.: Apikale Rissbildungen durch die forcierten Stiftinsertionen konnte ich nicht diagnostizieren

P.P.S.: Warum damals dieses Vorgehen gewählt wurde erschliesst sich mir nicht.

P..P.P.S: Im Zuge der Recherchen für diesen Beitrag bin ich auf diesen Artikel von Naumann et al. gestossen, der die Titanstiftanwendung in einem anderen Zusammenhang postuliert.

7 Gedanken zu „Apikale „Fixation“

  1. An meinem früheren „Standort“ in der Südpfalz hat ein dort praktizierender MKG-Chirurg nahezu jede WSR nach genau der Methode durchgeführt. Dabei dienten die recht kurzen Titanstifte nicht zur Fixation sondern nur zum apikalen Verschluss. Immerhin war Titan sehr gut bioverträglich – auf jeden Fall besser als alles andere in der Vor-MTA-Zeit. Er hat dazu den Apex chirurgisch freigelegt, reseziert und dann mit einem langen, scharfen und relativ dicken (verm. > ISO 80) Bohrer von orthograd in Richtung Apex gebohrt, dann wurde der Stift passiv mit einem WF-Sealer eingeklebt. Die WF wurde dann vom überweisenden ZA je nach Gusto ausgeführt. Immerhin wurden durch die Grösse des Stiftes eventuell vorhandene anatomische Schwierigkeiten in der apikalen Region „erschlagen“. Auch wenn mir diese Vorgehensweise unter heutigen Gesichtspunkten recht brutal vorkommt, war sie in der Mehrzahl Zahl der Fälle, die ich über viele Jahr beobachten konnte, bemerkenswert erfolgreich. Normalerweise kam es nach Ausheilung zu einer guten Adaption des Knochens an die Resektionsfläche.

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