Perforierende interne Resorption

von Ronald Wecker

Nach der alleinigen Betrachtung des präoperativen Röntgenbildes dieses oberen seitlichen Schneidezahnes wäre dem 30-jährigen Patienten die Empfehlung gegeben worden, sich den Zahn entfernen zu lassen und eine implantologische Versorgung anzustreben.

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Bei der klinischen Untersuchung ergaben sich einige positive Aspekte: Die Beweglichkeit war nur gering erhöht, die Sondierungstiefen lagen innerhalb physiologischer Grenzen. Anamnestisch war weder eine chirurgische Intervention noch ein Trauma zu erheben. Auffällig war eine deutliche palpatorische Druckdolenz im mittleren Wurzeldrittel. Eine Fistelöffnung war nicht vorhanden. Der Zahn reagierte negativ auf Kälte- und elektrischen Reiz. Der Patient weist einen dünnen Gingivatyp auf und wollte nach eingehender Aufklärung einen Erhaltungsversuch unternehmen.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt. In der ersten Sitzung kam es kurz nach der Trepanation zu einer spontanen und deutlichen putriden Exsudation. Nach großvolumiger Irrigation mit erwärmter NaOCl-Lösung konnte das in der Resorptionslakune gelegene Weichgewebe soweit reduziert werden, dass eine direkte Sicht auf den apikalen Kanalanteil möglich war.

Nach endometrischer Längenbestimmung – eine perfekte Hämostase war conditio sine qua non -wurde eine Messaufnahme durchgeführt, der apikale Kanalanteil instrumentiert und CaOH2 als medikamentöse Einlage eingebracht. Die ultraschallunterstützte Irrigation mit erwärmten NaOCl wurde dabei nur solange durchgeführt, bis der Randbereich der einsehbaren Resorptionlakune noch von etwas Weichgewebe bedeckt war. Da der großflächige Kontakt mit CaOH2 eine weitere Reduktion des im Resorptionsbereich befindlichen Weichgewebes erwarten ließ, kam der nicht vollständigen Reduktion des Weichgewebes in der ersten Sitzung eine große Bedeutung zu. Um eine massive Extrusion des MTA während der Obturation zu vermeiden, sollte das lateral gelegene Weichgewebe in der Obturationssitzung als Widerlager dienen.

2 Wochen nach der medikamentösen Einlage, zeigte sich die intrakanaläre Situation als unauffällig. Eine Exsudation war nicht zu erkennen, die Trockenlegung des apikalen Kanalanteiles gelang mühelos. Um das versehentliche Einbringen von Sealer in das umgebende Weichgewebe zu verhindern, wurde nach Einprobe des Mssterpoints die apikalen 4,5 mm des Masterpoints mit einem Skalpell abgetrennt, mit etwas Sealer bestrichen und mit einem Microopener in den apikalen Kanalabschnitt eingebracht. Die Obturation der Resorptionslakune wurde mit MTA durchgeführt. Der koronale Verschluss erfolgte in Adhäsivtechnik.

Die Recalls werden zeigen, ob es ein erfolgreicher Erhaltungsversuch werden wird.

 

 

6 Gedanken zu „Perforierende interne Resorption

  1. Hallo Herr Wecker ,

    ein wirklich beeindruckender Fall , mit einem Befund , den ich so noch nie gesehen habe.
    Die Lösung des Falls ringt einem unglaublichen Respekt ab. Ich hoffe die behandelten “ Gewebe “
    sehen das genauso. Bitte zukünftig unbedingt die Kontrollen hier zeigen!!
    Es bleibt für mich aber die Frage , was sich Herr Wecker als mögliche Ursache für diesen
    seltenen Befund vorstellen kann ?

    LG Nils

    • Die Ursache der internen Resorption kann durch eine langanhaltende Kontamination via Dentintubuli verursacht worden sein. Sobald der koronale Teil der Pulpa dann neurotisch wurde, stoppt das Resorptionsgeschehen. Da ein chirurgischer Eingriff nicht stattgefunden hat, muss es eine nicht-iatrogen Ursache gehabt haben.

      LGJ

    • Ja so sieht es Ronald auch. Allerdings gibt es hier nichts zu verlieren. Hinsichtlich des Substanzverlustes ist es mit einer Horizontalfraktur im mittleren Drittel vergleichbar.

      LGJ

  2. Hallo zusammen,

    wie ist denn die Aufhellung zirkulär um das MTA zu werten? Ist jetzt der erste Fall, den ich in dieser Größe zu Gesicht bekomme :)

    Viele Grüße
    Gregor

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