Temporärer Stiftaufbau

von Ronald Wecker

Nicht immer ist es sinnvoll oder möglich die Revisionsbehandlung resezierter und mit einem Stift- oder Schraubenaufbau versorgter Frontzähne einzeitig durchzuführen.

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Und nicht immer ist es sinnvoll oder möglich die vorhandenen prothetischen Kronen dabei zu belassen.

Um ein unerwünschtes Dezementieren der temporären stuhl- oder laborgefertigten Provisorien und mögliche Frakturen der adhäsiv erstellten Aufbauten mit nachfolgender Kontamination der mühsam gereinigten Kanalsysteme zu verhindern erstellen wir in unserer Praxis temporäre adhäsive Stiftaufbauten. Dazu setzen wir aufgrund der etwas einfacheren Visualisierung die thermosensiblen Quarzfaserstifte DT Illusion von VDW ein.

Diese sind dadurch charakterisiert, dass sie bei Mundtemperatur zahnfarben erscheinen, bei Abkühlung (Wasserkühlung, Luftbläser) einen ihrer Größe entsprechenden Farbumschlag entwickeln.  (z.B. Größe 3 = blau).

Um eine vollständige Konditionierung der Zahnhartsubstanz auch im Wurzelkanal zu ermöglichen ohne dass das zuvor eingebrachte Medikament herausgelöst wird, wird zunächst das CaOH2 mit einem kleinen Stück Schaumstoff und anschließend mit einer kleinen Schicht Cavit abgedeckt.

Nun kann die adhäsive Befestigung eines ausreichend dimensionierten Quarzfaserstiftes in gewohnter Weise durchgeführt werden. Der so erstellte Aufbau wird grob präpariert und ein stuhlgefertigtes Provisorium eingegliedert.

In der zweiten Behandlungssitzung bedarf es dann keines präendodontischen Aufbaus mehr um den Kofferdam zu fixieren. Die Entfernung des Quarzfaserstiftes unter dem Mikroskop erfolgt so, dass der Stift im Inneren durch Beschleifen ausgehöhlt und so nach und nach entfernt werden kann. Nach Abschluss der Wurzelfüllung wird dann ein neuer Quarzfaserstift adhäsiv eingegliedert.

Das gezeigte Verfahren sichert das Ergebnis der Desinfektionsmassnahmen und verringert das Auftreten unerwünschter Komplikationen wie Dezementierung oder Fraktur der Frontzahnaufbauten.

14 Gedanken zu „Temporärer Stiftaufbau

  1. Interessant, ist oft ein großes Problem, das einzeitig abzuschließen..
    Wenn ich das richtig verstehe, nimmst Du einen großen DT Illusion Stift, z.B. den blauen, klebst den 2-3mm in den Kanaleingang, durchbohrst ihn im nächsten Termin (mit dem VDW Revisionsbohrer?) und bereitest durch die „äußere Hülle“ des verbliebenen Stiftes auf, um dessen Retentionswirkung zu erhalten, korrekt?

    LG Bernard

    • Also ich habe mal bei Herrn Wecker nachgefragt. Stift so groß wie möglich, damit dann das Entfernen leichter geht. Kann mitunter auch etwas tiefer als 2-3 mm sein. Je nach Wurzellänge. Er schleift dann in der Tat zunächst mit 6 Grad konischen stirnschneidenden Diamant-Schleifern unter Wasserkühlung (macht Farbumschlag) den Stift hohl. Falls sehr weit verankert auch anschliessend mit Munce-Bohrern in Langschaft. Dabei so viel vom Aufbau stehen lassen wie möglich. Der Stift wird vollständig entfernt.Nach der Obturation dann Insertion eines neuen GF-Stiftes und adhäsive Eingliederung desselben.

      LGJ

  2. Hallo.

    Wie wurde denn der Amalgamplug entfernt? Ich habe dies erst einmal machen müssen und es war kein Vergnügen. Dazu musste ich diesen mit Endosonore US- Feilen der Länge nach teilen und dann in zwei Fragmenten mittels Microdebrider entfernen. Ein großes Problem dabei war, den Amalgamstaub nicht nach periapikal zu verbringen. Das gestaltete sich sehr zeitintensiv.

    Ich bin da für jeden Tipp dankbar.

    LG

    Stefan

    • Hallo Stefan,

      Ronald benutzt ebenfalls Endosonore feilen. Zunächst nach labial am amalgam vorbei. Er kürzt dabei die Feile mittels seitenschneider um ca. O,5 mm um eine scharfe Kante zu generieren. Dann einmal um das Fragment herum sodass dieses gelöst war. Dass Ganze mit mehreren endosonorfeilen bzw. mit mehreren Kürzungen um neue scharfe Kanten zu realisieren. Kleine Schritte mit viel Spülen um die Späne nach orthograd zu entfernen. Dann mit den langen handinstrumenten zum guttapercha entfernen ( haben einen kleinen Haken am Ende ) das amalgam hinterfahren und herausgelöst.

      Lgj

    • Sehr interessant, Herr Klinge.
      Einen Retrofill aus Amalgam derart zu teilen ist mir bislang nicht in den Sinn gekommen, weil ich dies aufgrund der Oszillation des Arbeitsendes der Feile auf so kleinem Raum gar nicht zielgerichtet für möglich gehalten hätte. Bilder kann man hier ja leider nicht einstellen aber sicher können Sie uns zumindest Gerät, verwendete Feilengröße – tatsächlich unbearbeitet? – und Einstellung wissen lassen.
      Besten Dank im voraus
      Marc Semper

      • Lieber Marc, wir können jetzt natürlich zum Sie wechseln, wenn gewünscht… doch aus dem Kindergarten sind wir raus, denke ich.

        Hier die Bilder. Zu der Zeit (2008) hatte ich noch kein Mikroskop, aber eine Lupenbrille mit 5,5facher Vergrößerung. Ich benutzte Endosonore Feilen der Größe 20 (gelb). Ich kam leider nicht auf die Idee, wie sie von Herrn Wecker angewandt wurde um die Feilen schärfer zu machen. Allerdings hatte ich mir damals schon einen Mikrosauger aus einem Ultradent Verbindungsstück gebastelt, welches dann mit dem Speichelsauger verbunden wurde, um den Amalgamstaub abzusaugen.

        ich verbrauchte damals eine ganze Packung dieser Feilen. Es wurde ein EMS Master 400 benutzt und dies auf 50% eingestellt.

        Dieser Fall war für mich ein AHA – Erlebnis. Worauf ich mich entschloss ein Mikroskop zu kaufen.

        https://plus.google.com/photos/108168540417957159252/albums/6118419010790942721?authkey=CM69tvbig6XMsQE

          • Lieber Jörg,
            in der Regel letzteres. Ich kann mich an nur einen Fall erinnern, in dem die Geometrie des Plugs – dünn und kein Unterschnitt – so günstig war, das er mir bereits nach dem Passieren entgegengekommen ist. Wenn es ganz dumm läuft, also sehr stark untersichgehender Retrofill, dann kippt er auch ‚mal ab und das Fischen beginnt oder die Grenzlinie zur chirurgischen Intervention ist überschritten.
            LGM

        • Lieber Herr Kaaden ;-)
          besten Dank, den Artikel kenne ich, er war schon einmal auf roots 1.0 Gegenstand eines threads. Ebenso die Technik, die ja der Vorgehensweise von Ronald entspricht. Neu ist für mich der Ansatz den Retrofill der Länge nach zu teilen.
          LGM

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