Schwerarbeit

von Ostidald Wucker

Die Wurzelbehandlung wurde nach provisorischer Eingliederung einer definitiven Brücke angefangen. Der Brückenpfeiler 47 reagierte zunehmend schmerzhaft auf Kauen und Belastung. Nach begonnener Wurzelbehandlung verringerten sich die Beschwerden. Die Patientin war jedoch nie schmerzfrei. Deshalb wurde sie in unsere Praxis überwiesen.
Die Patientin wünschte den unbedingten Zahnerhalt.

Nach klinischer Inspektion und Röntgenaufnahmen mussten wir die Prognose des Zahnes als kritisch einstufen. Ferrule von 2mm war nicht zirkumferrend erreichbar.
Die Patientin wünschte trotzdem den Behandlungsversuch.
Nach Gingivektomie und Kariesentfernung wurde der Zahn präendodontisch aufgebaut.

In der Ausgangsaufnahme konnten wir mehrere Instrumentenfragmente nicht erkennen. Lediglich ein Fragment war zu vermuten. Die nach dem präendodontischem Aufbau angefertigte Aufnahme zeigte zwei Fragmente im apikalen und periapikalen Bereich. Die Entfernung der Fragmente 1 und 2 gelang mit individualisierten Mircopener. Zuvor wurde das größere Fragment mit Ultraschall und einer Endosonorefeile#10 dargestellt. Die Spitze dieses Fragmentes war frakturiert und konnte danach mit Ultraschall entfernt werden.

Die Wurzelfüllung gelang mit Proroot MTA weiss und thermischer Obturation der mesialen Kanäle. Auf eine Matrix als Widerlager wurde verzichtet, da der Mandibularkanal nicht eindeutig lokalisierbar war.
Die Brückenversorgung wurde vom Hauszahnarzt erneuert.

Wir werden den Fall im Rahmen unseres endodontischen Recalls beobachten.

4 Gedanken zu „Schwerarbeit

  1. Hallo Frau Hadidi,
    ein DVT hätte mehr Informationen zur Lagebeziehung des Zahnes zum Mandibularkanal gebracht.
    Da am Anfang der Zahnerhalt als kritisch eingestuft wurde und mir durchaus fraglich erschien, sowie die Instrumentenfrakturen nicht bekannt waren, habe ich keinen Grund für ein DVT gesehen. Nach dem gelungenen Aufbau war die Entfernung der sichtbaren Instrumente für uns als Routine anzusehen. Ein DVT hätte auf Grund der Artefaktbildung in der Nähe von röntgenstrahlundurchlässiger Materialien möglicherweise nicht zusätzlich geholfen.
    Herzliche Grüße
    Ostidald Wucker

    • Hallo Herr Wucker,

      danke für Ihre Stellungnahme, kann ich nachvollziehen. Mich bewegt noch eine grundsätzlichere Frage, für deren Beantwortung ich dankbar wäre: Ist die Entfernung von Instrumentenfragmenten wirklich Routine im Sinne eines immer noch häufigen Vorkommens? Die heutzutage verwendeten Instrumente sind doch inzwischen hochbiegsam und weisen eine wesentlich verbesserte Bruchfestigkeit auf, oder? Ist das dann einfach falsche Technik des Vorbehandlers, also leztlich zuviel Druck zum falschen Moment oder werden andere Instrumente verwendet? Und gibt eigentlich irgendjemand dem Hersteller Feedback, dass seine Instrumente im entscheidenden Moment brechen?

      Herzliche Grüße

      H. Hadidi

      • Sehr geehrte Frau Hadidi,
        die Entfernung von einsehbaren Instrumentenfragmenten, wie in diesem Fall ist grundsätzlich (juristische Auslegung) Routine in unserer Praxis. Alternativ könnte auch ein Passieren des Fragmentes in Frage kommen. Die Instrumente sind je nach Material, Durchmesser und Querschnittsform unterschiedlich flexibel. Das heißt aber nicht, daß die flexibelsten Instrumente nicht brechen können. Die dünnsten Instrumentenspitzen sind so dick wie ein Haar und sehr empfindlich. Brüche können verschiedenste Ursachen haben. Im Nachhinein sind die Ursachen nicht verlässlich erkennbar. Es treten Frakturen nicht nur durch Anwendungsfehler auf. Daneben können Herstellungsfehler und verschiedenste Überlastungsprobleme als Ursache gelten.
        Auch in schwerwiegend endodontisch ausgerichteten Praxen brechen Instrumente in der Behandlung.
        In meiner Praxis hat noch kein Hersteller nach Ursachen nachgefragt.
        Herzliche Grüße
        Ostidald Wucker

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