Dens Invaginatus

von Ronald Wecker

Die präoperativ angefertigten 2- und 3D-Röntgenbilder dieses Behandlungsfalles wurden bereits in der  Rubrik „2D vs. 3D“ vorgestellt. Es handelt sich um eine Invagination Typ 3 nach OEHLERS mit einer direkten Kommunikation ins Parodont. Der Zahn reagiert reproduzierbar positiv auf Kältereiz, was auf vitales Pulpagewebe schliessen lässt.

In der vergangenen Woche konnte die endodontische Behandlung dieses Zahnes durchgeführt werden. Das Behandlungsziel bestand neben der chemomechanischen Desinfektion der Invagination vor allem in der Vitalerhaltung der Pulpa.

Dabei waren neben der durch das Mikroskop gegebenen Vergrößerung vor allem die aus dem DVT gewonnenen Informationen von entscheidender Bedeutung.

Nach Anlegen der Zugangskavität wurde zunächst die Invagination bis zu ihrem tiefsten Punkt dargestellt. Aus der dreidimensionalen Röntgendiagnostik war bekannt, dass die Verbindung zum Parodont durch einem kleinen, an der distalen Wand der Invagination gelegenen, nicht schmelzausgekleideten „Seitenkanal“ gegeben war. Die Invagination verläuft zudem palatinal des eigentlichen Wurzelkanals.

Mittels der in der 3D-Software (iDixel, Morita) enthaltenen Längenmessfunktion konnte die Strecke vom Referenzpunkt (Inzisalkante) bis zum Beginn der Invagination bestimmt werden. Mit einem vorgebogenem Microopener konnte nach den zuvor „errechneten“ 12,5 mm der noch hinter einem Überhang verborgene Eingang ertastet werden. Um eine Überinstrumentierung und eine Irritation des unter Umständen in derselben Region einmündenden Nerv-Gefäss-Bündels zu vermeiden wurde die maximal zu erwartende Strecke vom Referenzpunkt bis zum Endpunkt der Invagination ebenfalls mittels der Längenmessfunktion bestimmt. Das Ergebnis wich mit 16,38 mm nur unwesentlich von den später endometrisch bestimmten 16,5 mm Arbeitslänge ab.

Das 3D-basierte „Navigieren“ in dieser ungewöhnlichen Anatomie vermittelte einem als Behandler eine geradezu beruhigende Zuversicht.

Die Präparation des recht abrupten Abzweiges gestaltete sich aufgrund der dort noch vorhandenen Schmelzauskleidung etwas zäh. Während solche Abzweige im Dentin auch mit Handinstrumenten rasch und vorhersagbar „geschmeidig“ gestaltet werden können, benötigt man im Schmelz deutlich mehr Zeit und vor allem ultraschallbetriebene Ansätze.

Die Obturation erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion, die Zugangskavität wurde dentinadhäsiv verschlossen.

Der erste klinische Nachuntersuchungstermin in drei Monaten wird zeigen, ob die Vitalerhaltung der Pulpa möglich war.

6 Gedanken zu „Dens Invaginatus

  1. interesasnter Fall mit wie immer eindrucksvoller Dokumentation! Wenn aber ohnehin nicht sicher ist, „ob die Vitalerhaltung der Pulpa möglich war“, warum hat man dann nicht gleich das gesamte Zahninnenleben endodontisch behandelt?
    Gruß Philipp Schönwälder

    • weil es eine gute chance gibt, dass das getrennte originalsystem vital bleibt. Es kann keine pathologie nachgewiesen werden. alle diagnostik weist auf eine völlig gesunde pulpa hin. die diagnose lautet: gesunde pulpa, daraus leitet sich für herrn wecker keine therapie ab. patient ist allerdings informiert, dass eine endodontische Therapie noch indiziert sein kann.hellseherisch befähigt ist herr wecker nämlich nicht. ;)

      herzliche grüße von Ronald Wecker

  2. Sehr schöner und interessanter Fall Herr Wecker. Spannend zu sehen,
    daß Endo und Vitalerhaltung am selben Zahn möglich sind.

    VG, Markus Thiele

  3. Wow! Einfach nur WOW!
    Was gibt es beruhigenderes und schöneres, als ein DVT für einen Dens invaginatus III Behandlung zu haben und alles im Vorfeld planen zu können. Wäre das Behandlungsprotokoll ohne DVT ähnlich verlaufen?
    Beste Grüße an Ronald
    Christian

    • Ronald hatte ein ziemlich gutes Gefühl, da sich wirklich alle in 3D geplanten Schritte und Massnahmen live genauso durchzuführen waren.

      Der Abgleich zwischen klinischem Mikroskopbild und 3D-Bild bringt eine große Sicherheit/Gewissheit mit sich.

      Ronald lässt grüßen

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