von Ronald Wecker
In der vergangenen Woche wurde an dieser Stelle die Ausgangssituation dieses oberen Eckzahnes beschrieben.
Die Behandlung konnte aufgrund des präoperativ angefertigten DVT sehr gut geplant werden. Das DVT ermöglicht dabei eine genaue Bestimmung von Abständen bzw. Längen und das in allen Raumebenen.
Die endometrische Längenmessung ist aufgrund der perforierenden Resorption anfänglich nicht verlässlich durchführbar, da der Mess-Strom über die Perforation Kontakt zum Parodont haben würde. Eine falsch positive Messung wäre das Resultat. Um also den apikal der Perforation verbliebenen Originalkanal verlässlich aufbereiten zu können, muss zunächst das in denn Kanal hineinragende Weichgewebe im Perforationsbereich reduziert werden.
Selbst nach sehr ausgiebiger ultraschallunterststützter Irrigation kam es immer noch zu geringfügigem Blutungen aus dem Perforationsbereich, die aufgrund des kleinen Querschnittes des Wurzekanals eine endometrische Längenbestimmung unmöglich machten.
Nachdem die für die Durchführung der Behandlung bedeutsamen Strecken am DVT ermittelt worden waren, konnten in der Folge die zum Einsatz kommenden Instrumente und Hilfsmittel entsprechend individualisiert werden.
Dazu gehörte das Ablängen und Umbiegen der Anästhesiekanüle (Beginn der Perforation bei ca. 21mm , Tiefe der Perforation etwas weniger als 2 mm) sodass eine für das weitere Vorgehen notwendige Hämostase erzielt werden konnte. Da im Mikroskop durch entsprechende Modifikation der Zugangskavität die koronale, mesiale und apikale Rand der Perforation eingesehen werden konnte, war zu erkennen, dass noch Gewebereste vorhanden waren.
Mittels Endobender wurde eine Endosonore-Feile der Dimension 25 so vorgebogen, dass eine Abknickung über etwas mehr als 1,5 mm entstand. Mit dieser Feile wurde dann im mit NaOCl gefüllten Kanal die Perforation in korono-apikaler Richtung „abgefahren“. Abgelängte und abgeknickte Papierspitzen (auch hier half das DVT) bestätigten die Blutstillung auch in den nicht einsehbaren Bereichen der Perforation (keine Verfärbung der Papierspitzen).
Nun wurde ein auf die am DVT ermittelte Arbeitslänge eingestelltes NiTi-Instrument der Dimension 30/04 eingbracht und die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge duchgeführt.
Nach chemo-mechanischer Aufbereitung das apikalen Kanalanteils war nun noch die Frage nach des in Frage kommenden Obturationsmaterials zu beantworten.
Ich habe mich in diesem Fall für eine Kombination aus modifizierter Schilder-Technik mit Guttapercha und Sealer und anschließendem MTA-Verschluss entschieden.
Nach erfolgter Masterpointeinprobe wurden nur die apikalen 3 mm der Guttaperchaspitze verwendet. Nach Abtrennen derselben unter dem Mikroskop mittels Skalpell wurde ein motivierter (verlängerter) Microopener benutzt um die nun individualisierte Guttaperchaspitze, mit Sealer benetzt) in den apikalen Kanalabschnitt einzubringen. Dies hat den Vorteil, dass bei idealer Sealermenge eine Verunreinigung der Perforationsstelle mit Sealer vermieden werden kann.
Nach radiologischer Kontrolle konnte anschliessend der weiter koronal gelegene Perforationsbereich mit MTA verschlossen werden. Eine reine Warmfülltechnik wurde nicht angewendet, weil hier im Perforationsbereich mit einem Austreten von Sealer und/oder Wurzelfüllmasse in das umliegende Gewebe zu rechnen war.

Respekt für das rein orthograde Vorgehen. Ich hätte den Fall kombiniert chirurgisch therapiert.
Ich drücke für die Nachkontrollen jedenfalls die Daumen.
VG
Herr Wecker hat den Patienten auch entsprechend aufgeklärt. Jetzt drücken schon Zwei die Daumen, dass es auch so geht. ;)
Herzliche Grüße Jörg Schröder
Wie wären Sie genau vorgegangen, Herr Thiele? Hätten Sie den Teil der Wurzel mit dem Originalkanal resiziert?
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Wow. Sehr beeindruckend. Alternativ kann man den Guttaperchastift auch einschneiden und den koronalen Anteil abdrehen.
Danke für das Einstellen des Falles.
Aah. Wieder etwas gelernt. Vielen Dank.
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Guten Morgen Herr Schröder.
Ich hätte den Zahn bis zur Resorption endodontisch therapiert (WF mit MTA, Gutta und Glasfaserstift) und in einer zweiten Sitzung den über der Resorption liegenden Wurzelanteil reseziert unter Dichtigkeitskontrolle des apikalen Verschlusses.
Ein rein orthogrades Vorgehen hätte ich vor diesem Beitrag nicht in Erwägung gezogen, aber dafür ist dieser Blog ja schließlich da und ich erweitere gerne meinen Horizont und mein Behandlungsspektrum.
Herzliche Grüße,
Markus Thiele
Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich hatte zunächst auch an ein solches Vorgehen gedacht. Als ich allerdings ausmessen konnte, dass dafür 6-7mm Wurzellänge verloren gehen, hatte ich ein gewisses Bauchgrummeln. Die Resorption betrifft ja maximal ein Viertel des Umfangs. Oder bin ich da zu „rücksichtsvoll“ hinsichtlich der Restwurzellänge?
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Ich hatte bis jetzt nur einmal so eine interne Resorption auf dem Stuhl und es war sehr anspruchsvoll in der Erschließung des Kanalsystems. Obturationstechnisch werde ich beim nächsten Fall einen dieser „neuen“ biokeramischen Sealer nehmen: entweder der apikale Kanalbereich kann relativ blind getroffen werden dann könnte der komplette Teil durch Injektion aufgefüllt und anschließend der Kanal mit einem Guttapercha auf ganzer Länge verschlossen werden, oder man setzt erst den Guttapercha und injiziert mit der Kanüle den Sealer danach in alle freien Bereiche….
Danke und Gruß,
Gregor S.