Duplizität der Ereignisse – Neuer Pfeil im Köcher

von Donald Becker

Just zu dem Zeitpunkt, an jenen Freitag, an  dem Jörg Schröder hier bei WURZELSPITZE von seinen positiven Erfahrungen  mit den Hyflex CM – Feilen berichtete, saß ich an einem Zahn 36, der mir bei der WF – Revision große Schwierigkeiten bereitete.

Vermutlich die härteste Nuss des Jahres bislang.

Und dieser Umstand war nur am Rande der Tatsache geschuldet, dass zunächst die vorhandene ThermaFil -Wurzelfüllung mit ihren in den Kanal gerammten Kunststoffstiften entfernt werden musste, sondern lag vielmehr in den massiven Stufenbildungen und Verblockungen in allen 4 Kanälen begründet.

Nach 2 Stunden Arbeitszeit hatte ich immerhin in 3 von 4 Kanälen apikale Durchgängigkeit hergestellt. Es fehlte nun noch der mesiobukkale Kanal. Mesiolingual hatte sich eine Wurzelkanallänge von 21 mm herausgestellt, mesiobukkal lag die Stufe bei 15 mm. 6 weitere Millimeter fehlten demnach.

Als ich endlich, nachdem ich fast schon nicht mehr daran geglaubt hatte, den Kanaleingang fand und mit vorgebogenen Handinstrumenten ISO 006 – 015 die Arbeitslänge erreicht hatte, versuchte ich, mit vorgebogenen Hyflex CM – Feilen, die ja für eine solche Situation besonders geeignet erscheinen, den Wurzelkanal aufzubereiten.

Mein Plan war es, das vorgebogene 15.04er Hyflex CM- Instrument über die Stufe hinweg in den Kanal einzuführen, dann das Endo- Winkelstück anzuklipsen und maschinell die weitere Kanalaufbereitung durchzuführen.

Wider Erwarten jedoch gelang es mir nicht , das Hyflex CM – Instrument auch nur ein einziges Mal über die Stufe hinwegzuführen. Auch nicht nach noch so viel vergeblichen Versuchen. Letztendlich ging ich dazu über, wie gewohnt in solchen Fällen Zug um Zug größer werdend konventionelle Greater Taper NiTi – Instrumente vom Typ ProFile und MTwo vorgebogen einzusetzen.  Mit denen war es mir, wie gewohnt in solchen Fällen, ohne Probleme möglich, die Stufe zu überwinden, um danach in mühevoller vorsichtiger Sisyphus – Arbeit von Hand die Kanäle zu erweitern, bis endlich das erste gerade Niti -Instrument eingeführt werden konnte. Zwischen den einzelnen NItI – Instrumenten immer wieder durchgeführte Checks mit dem Hyflex CM ergaben ausnahmslos  das niederschmetternde Ergebnis, dass dieses Instrument nicht seinen Weg über die Stufe hinweg fand.

Fazit: Auch beim nächsten Mal werde ich zunächst die Hyflex CM – Feile zum Einsatz bringen, wohlwissend, dass das Instrument funktionieren kann, aber nicht muss. Hyflex CM – die Wunderwaffe ?
Offensichtlich nicht. Zumindest nicht in diesem Fall, im Gegenteil.

14 Gedanken zu „Duplizität der Ereignisse – Neuer Pfeil im Köcher

  1. Tolle Leistung,

    vor allem bei den gebogenen mesialen Kanälen.
    Mir wäre wahrscheinlich bei der maschinellen Aufbereitung an der Krümmung eine Feile abgebrochen.
    Das Vorbiegen von Feilen kenne ich von dünnen Handinstrumenten. Wie funktioniert das bei vollrotierenden Instrumenten?

    Beste Grüße

    Richard Krause

    • Das Vorbiegen von Niti – Instrumenten gelingt sehr gut mit einem Endobender, indem man den apikalen Teil des Instrumentes um mehr als 180 Grad umbiegt. Zurück bleibt dann eine leichte irreversible Biegung im Bereich der Instrumentenspitze, die aber ausreicht, um damit vorhandene Stufen im Sinne des „Rosenbergschen Endo Dance“ den ich als „5 Minuten- Rotation“ eingedeutscht habe, zu überwinden.

  2. Hallo, schöner Erfolg. Ich verstehe aber nicht, wie man vorgebogene Mtwo-Instrumente einführen kann und vorgebogene Hyflex CM – Instrumente nicht. Sind die denn an der Spitze elastischer oder woran scheiterte das dann? Viele Grüße J.

    • Ich bin zwar nicht Donald Becker, aber ich könnte mit vorstellen, dass das Instrument im Wurzelkanal von der Stufe selbst geradegebogen wurde. Man merkt an dieser Stelle auch immer wieder, das etwas mit dem Instrument passiert bzw. das Instrument einen Widerstand erfährt. Die irreversibel verbogenen Niti – Instrumente hingegen bewahren ihre Form und können so die Stufe überwinden.

  3. Glückwunsch!!
    Mich würde ein Tip zur Entfernung der „vorhandene ThermaFil -Wurzelfüllung mit ihren in den Kanal gerammten Kunststoffstiften“ interessieren. Besonders die in den Kanal gerammten Stifte machen mir häufig Probleme. Danke.
    Schönen Gruß

  4. Sehr schönes Ergebnis! Bin auch auf die Antwort zum Vorbiegen gespannt. Die Thermafil- Füllung des Vorbehandlers war aber auch wirklich klasse! Solche WF kenne ich aus der Ära vor Röntgen!

  5. Hallo Ha-Wi,
    was war die kleinste Hyflex Feile, die Du versucht hast (eine nach Herstellerbezeichnung 0415?)? Und was hatten dagegen im Vergleich die Profile und die Mtwo für eine Größe?
    Danke für Infos hierzu.
    Andreas

    • Ich vermute, die kleinste Hyflex – Feile war eine 15.04.
      Die anderen gebogenen NiTi – Feilen waren Profile 15.04,20.04,25.04, MTtwo 15.05,20.06, 25.06. Selbst nach der gebogenen MTwo 25.06 liess sich, wie ich gehört habe, die Hyflex 15.04 nicht einführen.

  6. Das hyflex wird die Biegung nicht behalten können weil es zu weich ist und sich beim vorschieben zurückstellt, vielleicht mit kältespray runterkühlen, weiß aber nicht ob das dem Material guttut oder überhaupt was bringt, hab auch keines hier

  7. Die Hyflex SIND so weich, dass sie in Kanälen, die oberhalb der Stufe relativ eng sind ihre Vorbiegung auf dem Weg nach apikal wieder verlieren. „Absichtlich kaputtgebogene“ Instrumente aus klassischem NiTi oder Stahl wollen sich weiter zur Vorbiegung zurückstellen.
    Ich hatte die Hyflex speziell für „Vorbiegefälle“ gekauft … aus der Traum.
    In Kanälen, die oberhalb der Stufe relativ weit sind und wo es deswegen nicht zur Rückverformung vor dem Erreichen der Stufe kommt, funktionieren vorgebogene Hyflex sehr gut: das Risiko, die vorgebogene Spitze zu verlieren, scheint mir deutlich geringer. Leider sind solche Fälle selten.
    Ansonsten eignen sie sich gut zum „bügeln“ der abrupten Biegung, wenn sie sich erst mal einfädeln lassen…

  8. Interessant das scheinbar alle die Hyflex für diese „Stufenüberwindung“ erworben haben – und ähnlich unbefriedigende Ergebnisse hatten. Die Feilen bleiben bei der „normalen“ Aufbereitung des Wurzelkanals schön zentriert und erhalten den vorherigen Kanalverlauft, aber die Stufenüberwindung – ich kenne persönlich keinen wo das funktionert hat (schade eigentlich).

    Als Alternative zum Endobender die vielleicht jeder schon in der Praxis hat: die Birdbeak-Zange hat bis jetzt in den Fällen gut funktioniert, ich Erinnere gerne an die entsprechenden Semester in der Uni wo wir doch alle in KFO nette Figuren biegen durften :D…

    Hier sieht man übrigens den Einsatz des Endobenders im Video. Die Feilen sind zwar nur im Handgebrauch gezeigt, ist aber vom Prinzip das selbe.

    • da muss ich aber leicht widersprechen: die Stufenüberwindung funktioniert, aber eben nicht immer. Das ist bei Hyflex nicht anders als mit anderen Instrumenten/ Materialien.

      Und wenn die Feile um die Ecke gekommen ist, kann man sie ohne große Sorge vor Frakturen voll rotieren lassen. Das traue ich mich mit anderen NiTi-Instrumenten nicht.

      Herzliche Grüße

      Jörg Schröder

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