von Ronald Wecker
Die erste endodontische Erfahrung musste dieser mittlerweile 22- jährige Patient mit 13 Jahren machen. Aufgrund des ausbleibenden Behandlungserfolges und rezidivierender Schwellungen erfolgte dann vor ca. 4 Jahren die chirurgische „Intervention“ im Sinne einer Wurzelspitzenresektion mit retrogradem Verschluss in DB und MB.
Das zweidimensionale präoperative Bild lässt eine ausgedehnte knöcherne Lyse an Zahn 26 erkennen. Klinisch imponiert eine palpatorische Druckdolenz und eine Perkussionsempfindlichkeit. Eine Fistelung lag nicht vor.
Nach Entfernung der Verschlussfüllung zeigten sich im Pulpakavum große Reste nekrotischen Gewebes. Die Guttaperchaspitze in P schwamm in einer Mischung aus Sealerresten und Sekret und war durch einmaliges Spülen zu entfernen. Der apikale Durchmesser des ovalen Foramen in P betrug an der schmalsten Stelle ISO 60.
MB2 war nicht aufbereitet. Die Wurzelfüllmassen in MB und DB deutlich undicht. Nach Entfernung der Guttapercha konnte in DB das retrograde Material , welches leicht ausserhalb der Kanalmitte eingebracht worden war, visualisiert, mittels Microopener, Microdebrider und Endosonore-Feilen mobilisiert und anschliessend entfernt werden.
Aus DB entluden sich daraufhin spontan große Mengen einer klaren, viele kleine Kristalle enthaltende Flüssigkeit. Nach Spülung mit CHX konnten große Mengen einer putriden Flüssigkeit entfernt werden. Da das unter MB gelegene retrograde Material nicht visualisiert werden konnte und die Art der sich aus DB entleerenden auf ein zystische Geschehen schliessen liess wurde ein intraoperatives DVT angefertigt.
Die große Ausdehnung des entzündlichen Prozesses wird erst hier deutlich. Die knöcherne Begrenzung fehlt nach bukkal. Zum Sinus scheint eine, wenn auch nur sehr dünne Begrenzung vorhanden zu sein. Das retrograde Material unter MB liegt distal und palatinal des Foramens von MB1.
Nach großvolumiger CHX-Spülung des Hohlraumes mit vorgebogenen 29 mm langen Navitip-Spülansätzen konnten erneut größere Mengen von putrider Flüssigkeit entfernt werden. Die Spülungen wurden solange durchgeführt, bis weder kristalline noch putride Flüssigkeit austrat. Die Trocknung des Hohlraumes erfolgte ebenfalls mittels Navitip-Kanülen.
Nach einer medikamentösen Einlage mit CaOH2 wurde der Zahn adhäsiv verschlossen.
Über den zweiten Teil der Behandlung wird an dieser Stelle berichtet werden.

Und welche für den Therapieerfolg entscheidenden konkreten Erkenntnisse haben Sie nun durch die dreidimensionale Darstellung gewonnen, Herr Wecker? Dass die Osteolyse größer ist als zunächst angenommen? Das hätten sie im OPT auch gesehen.
Schön, dass Sie nicht Hypochlorid genommen haben, obwohl CHX es ja in vivo nicht wirklich bringt. Da hätten Sie auch Wasser oder NaCl nehmen können. Falls das unter Ca(OH)2 ausheilen sollte, hätte der Patient echt Glück gehabt. In der erdrückenden Mehrzahl der Fälle ist an solchen Infekten ja Faecalis beteiligt.
Danke und Grüße
Rüdiger Osswald
Herr Wecker hat es befürchtet:
Entweder schreibt er für Sie zu ungenau, oder Sie „suchen“ aktiv das Missverständnis und interpretieren und schlussfolgern wie es Ihnen zusagt.
Er hat nirgendwo geschrieben, dass er nicht Hypochlorit genommen hat. Er hat den periapikalen Hohlraum mit CHX gespült. Der intrakanaläre Hohlraum wurde sehr wohl mit Hypochlorit gespült.
Das DVT ermöglicht eine genaue Lageermittlung der retrograden Füllungsmaterialien unter MB, die in der nächsten Sitzung entfernt werden können. Zudem ist es für Herrn Wecker zumindest von Bedeutung zu wissen ob es eine Kommunikation zum Sinus maxillaris gibt oder nicht. Sie mögen mit weniger Information zufrieden sein.
Ich soll Sie ebenfalls von Herrn Wecker schön grüßen.
Hallo Herr Osswald,
Was spricht aus Ihrer Sicht gegen den Erfolg verschiedener Behandlunsstrategien und einer individuellen Auswahl der Methoden und Medikamente? So lang es keine Tests für das vermutete Keimspektrum gibt, sind alle Methoden geeignet, sofern Sie dem Patienten nicht schaden: Primum non nocere, oder?
Vg,
KT
Verzeihen Sie bitte die ggf. laienhafte Frage für deren Beantwortung ich dennoch dankbar wäre: Ist nicht auch die Erkenntnis, dass die knöcherne Begrenzung nach bukkal gänzlich fehlt, eine wertvolle Information, die die weitere Behandlung entscheidend determiniert?
Anscheinend war das auf dem Röntgenbild so nicht erkennbar, zumindest nicht in diesem Ausmaß, oder?
Herrn Wecker sprechen sie aus der Seele.