Es war einmal… in 1896

von Hans – Willi Herrmann

Die folgenden Textzitate verdanke ich Tomas Lang und dessen Vortrag auf einem Endodontie- Expertenforum am vergangenen Freitag. Sie sind dem Buch von W. D. Miller „Lehrbuch der conservirenden Zahnheilkunde“ von 1896 entnommen, das auch heute noch, fast 120 Jahre später ausgesprochen lesenswert ist und darüber hinaus an vielen Stellen den Leser sehr nachdenklich zurücklässt.

Aber sehen sie selbst – Zunächst das im Vortrag von Tomas Lang angeführte Zitat, das er seinem Vortrag über tatsächliche und vermeintliche Neuerungen in der Endodontie voranstellte:

Miller-6

Im Vorwort habe ich die nachfolgenden Sätze gefunden, den Stellenwert der Konservierenden Zahnheilkunde betreffend im Vergleich zur Prothetik:

Miller-1

Und führt weiter aus:

Miller-2

 

Zum Kofferdam schreibt Miller:

Miller-4

 

Aber auch – nachdenklich:

Miller-3

 

Wenn ich jetzt – so wie Tomas Lang bei mir (dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte für den Literaturhinweis) ihr Interesse an diesem Buch geweckt haben sollte, dann finden sie im Internet an mehreren Stellen wie z.B. hier das Buch als PDF – Download. Abschließend noch ein weiteres Zitat zum Thema „Endodontie“ zur auch aktuell wieder heiß diskutierten Frage „einzeitig oder zweizeitig“, das zeigt, das in der Endodontie nur sehr sehr wenig wirklich neu ist:

Miller-5

Ein Gedanke zu „Es war einmal… in 1896

  1. Es ist ja noch viel schlimmer! Die Missstände sind dem Vertreter des Souveräns vollumfänglich seit mindestens 10 Jahren bekannt (kann man alles öffentlich zugägnlich nachlesen):

    Deutscher Bundestag 14. Wahlperiode
    Drucksache 14/6871
    Gutachten 2000/2001 des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen
    Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit
    Band III.4
    Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten

    „Zwischen 1980/85 und 1997 ist es in Deutschland innerhalb der GKV-Leistungsstrukturen zu einem Anstieg von Überkronungen um fast 30 % gekommen, wohingegen die Zahl von Füllungen um fast 15 % gesunken ist (KZBV 1999; Saekel, R. 2000). Von standespolitischer Seite wurde argumentiert, dass zunehmend äußere Einflüsse die zahnärztlichen Entscheidungen beeinflussten und zu Ausweichstrategien führten: „Wenn das Füllungsbudget am Limit ist, wird offensichtlich die Indikation für die Überkronungen erweitert“ (Beckmann, W. 2000). “

    „71. Auch die Tatsache, dass in Deutschland mehr Zahntechniker als Zahnärzte tätig sind (ein europaweit einmaliges Phänomen) deutet darauf hin, dass auch ein strukturell bedingter Behandlungsdruck in Richtung prothetischer Leistungen existiert (Neumann, T. 1996)“

    „Es existiert eine größere Zahl von Publikationen über Ergebnisqualitäten bestimmter Versorgungsformen. Als Beispiel werden an dieser Stelle Publikationen über die Ergebnisse endodontischer Maßnahmen aufgeführt (Einzelheiten siehe Abschnitt 14.2.4). Danach ist die endodontische Versorgungsqualität in Deutschland mit großen Mängeln behaftet und deshalb verbesserungsbedürftig.“

    „79. Seit einigen Jahren ist in der Zahnmedizin eine steigende Tendenz zu beobachten, die Information, Aufklärung und Beratung über zahnmedizinische Sachfragen mit verdeckter Werbung für bestimmte Produkte/Interventionen oder politischen Botschaften zu verknüpfen. Diese für einen Auflenstehenden nicht immer erkennbaren Verknüpfungen erfolgen auf verschiedenen Ebenen und reichen von Kampagnen in den Massenmedien über Internet-Publika- tionen bis hin zu Patientenbroschüren und Beratungsgesprächen in Zahnarztpraxen. Die aktuell von gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern geforderte Erhöhung der Patientensouveränität eigenverantwortlicher Bürgerinnen und Bürger wird dadurch erschwert (Staehle, H. J. 2000c). Als problematisch anzusehen ist dabei die Tatsache, dass solche Tendenzen nicht nur von privaten Institutionen gefördert werden, sondern auch von Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, also Körperschaften öffentlichen Rechts, ausgehen.“

    usw. und so fort…

    VG, Kevin

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