2D vs. 3D (XIX)

von Ronald Wecker

Am Ende einer festsitzenden kieferorthopädischen Behandlung trat bei diesem Patienten ohne äusseren Anlass zwischen den Zähnen 33 und 34 eine Fistelung auf aus der sich putrides Sekret entleerte. Das alio loco angefertigte Einzelbild mit einem in den Fistelgang eingebrachten Guttaperchastift  lässt eine Aufhellung lateral der Wurzelspitze von Zahn 33 erkennen.

Der unversehrte und nicht diskolorierte Zahn 33 reagierte negativ auf thermischen und elektrischen Reiz. Zahn 34 reagierte bei beiden Tests reproduzierbar positiv. Der Klopfschall an 33 ist normal, der Zahn ist kaum erhöht beweglich.

Während das 2D Bild zwar die Aufhellung erkennen lässt wird erst im DVT der starke knöcherne Verlust distal von 33 deutlich. In der scharf abgegrenzten, nach apikal kugeligen Aufhellung ist deutlich ein dentindichter, sichelförmiger Fremdkörper zu erkennen, der nicht mit dem Alveolarknochen verbunden zu sein scheint. Die bukkale knöcherne Lamelle ist auf einer Strecke von ca. 8 mm verloren gegangen.

Form, Röntgenopazität und Lage des Fremdkörpers lassen einen infizierten Milchzahnrest als Ursache in Frage kommen. Da es bei der notwendigen chirurgischen Intervention mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Ruptur der Gefässversorgung des unter Umständen noch vitalen Zahnes 33 kommen würde, eine dann nekrotisch werdende Pulpa die Wundheilung des knöchernen Defektes unter Umständen negativ beeinflussen wird, scheint eine primäre endodontische Versorgung von Zahn 33 unumgänglich.

Für die Meinungen der geneigten Wurzelspitze-Leser welche Ätiologie noch dahinter stehen kann, bin ich mehr als dankbar.

6 Gedanken zu „2D vs. 3D (XIX)

  1. Wurzelbehandlung – Ich bin Arzt und Zahnarzt und war 30 Jahre in München als Zahnarzt niedergelassen. Mein Schwerpunkt lag immer auf der Zahnerhaltung, insbesondere durch erfolgreiche Wurzelkanalbehandlungen auch in sehr schwierigen Fällen. Zu diesem Thema habe ich laufend auch Vorträge vor Zahnärzten gehalten und zahllose Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.
    Osswald sagte am :

    Darf ich – ehe ich eine Diagnose stelle – vorsichtshalber fragen, wie alt der Patient ist, Herr Wecker? Haben Sie zufällig auch noch ein OPT, bzw. eine OPTartige Übersicht? Was ist das (wegen der guten Qualität) für ein DVT?

    Danke und herzliche Grüße

    Rüdiger Osswald

    • Herr Wecker hat mir folgende Infos gegeben: 35 Jahre alt, KFO festsitzend vor 1 Woche beendet (Debracketing). OPG müsste da sein. DVT ist ein Morita VeraViewEpocs 3De.

      Herzliche Grüße

      Jörg Schröder

      • Wurzelbehandlung – Ich bin Arzt und Zahnarzt und war 30 Jahre in München als Zahnarzt niedergelassen. Mein Schwerpunkt lag immer auf der Zahnerhaltung, insbesondere durch erfolgreiche Wurzelkanalbehandlungen auch in sehr schwierigen Fällen. Zu diesem Thema habe ich laufend auch Vorträge vor Zahnärzten gehalten und zahllose Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.
        Osswald sagte am :

        Also dann mal so ins Blaue, Herr Schröder, ohne den Seitenvergleich im OPT zu haben und die Aufnahme vor Beginn der KFO/Par-Behandlung gesehen zu haben, die für eine sichere Diagnose in meinen Augen unabdingbar sind, wenn man schon nicht selbst untersuchen kann:

        Bei dem Patienten handelt es sich bei dem Knochenbefund in dem jugendlichen Alter mit ziemlicher Sicherheit um einen fleißigen Bruxer mit möglicherweise reichlich Früh- und Fehlkontakten und in der Folge auch einer PAR-Anamnese. Ich nehme einmal an, die KFO-behandlung wurde durchgeführt, um die auswandernden Frontzähne wieder in die Reihe zu bekommen (oder einen Tiefbiss zu beseitigen). Das hat dem Dreier, der distal möglicherweise bis wahrscheinlich immer schon einen Knocheneinbruch gehabt hat, dann den Rest gegeben. An einen infizierten Milchzahnrest glaube ich weniger.

        Falls der Knochenbefund vor der KFO-behandlung OB, also im Wesentlichen altersentsprechend gewesen ist, und die KFO-Behandlung allein aufgrund einer lange bestehenden Zahnfehlstellung durchgeführt wurde, dann ist das Knochenmäßig aber mal so richtig in die Hose gegangen. Das passiert ja gerne einmal, wenn forciert wird, weil die Zähne sich im Erwachsenenalter mit üblichen Kräften partout nicht bewegen lassen wollen.

        Für dringlich halte ich eine Untersuchung auf Früh- und Fehlkontakte in entspannter Zentrik, anschließend aber auch insbesondere bei den Lateralbewegungen. Die KFOler stellen die Zähne ja gerne gefällig hin, übersehen jedoch häüfig den unabdingbaren Feineinschliff am Ende der Behandlung. Genau so dringen wie die Wurzelkanalbehandlung braucht der Patient (in meinen Augen) eine adjustierte Aufbissschiene im Oberkiefer, am allerbesten (nach meinem Dafürhalten) eine Doppelschiene (innen weich, außen hart zum adjustieren).

        Da bin ich jetzt mal gespannt, wie meilenweit ich daneben liege…..smile….

        Herzliche Grüße

        Rüdiger Osswald

  2. Wurzelbehandlung – Ich bin Arzt und Zahnarzt und war 30 Jahre in München als Zahnarzt niedergelassen. Mein Schwerpunkt lag immer auf der Zahnerhaltung, insbesondere durch erfolgreiche Wurzelkanalbehandlungen auch in sehr schwierigen Fällen. Zu diesem Thema habe ich laufend auch Vorträge vor Zahnärzten gehalten und zahllose Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.
    Osswald sagte am :

    P.S. Und wann war die KFO-Behandlung?

  3. Als Ergänzung zur primären Verdachtsdiagnose:
    Es fand offensichtlich eine Extraktion eines Prämolaren statt. Aufgrund der Wurzeldistanz zum 3er ist wohl eher der 35 verblieben. IMO also Wurzelrest des 34.
    Wäre der Patient deutlich jünger, hätte auch ein Restzahn nach vorausgegangener Germektomie vor liegen können. So geschehen in meiner chirurgischen Ausbildungsklinik, ich hatte einen oberen 8er ein zweites Mal entfernt. Einmal mein Vorgänger die Krone, nach einigen Jahren ich die Wurzel. Ich hatte mir damals extra die Voraufnahmen, zum Ausschluß eines vorliegenden 9ers, besorgt. Es war der gleiche Zahn und es fehlte ihm der korrespondierende Kronenanteil bei der Entfernung.

    Gruß Titus

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