Neue(r) (P)feil(e) im Köcher

von Ronald Wecker

Schon das Betrachten des präoperativ angefertigten Röntgenbildes  verhiess eine spannende Begegnung. Die mesiale Wurzel diese 16 war deutlich nach distal gekrümmt und die nach der Krümmung verbleibende Wurzelkanalstrecke war lang.

Auch werden die Vorzüge der Anfertigung eines eigenen Röntgenbildes bei zur endodontischen Behandlung überwiesenen Patienten deutlich. Im Bereich des distalen Pulpakammerbodens sind deutlich kleine röntgenopake Fremdkörper zu erkennen, die sich in der klinischen Betrachtung als bei der alio loco erfolgten Initialbehandlung dorthin verschleppte Metallpartikel erwiesen. Vor Instrumentierng der Kanleingänge wurden diese unter optischer Kontrolle durch großvolumige Spülung entfernt.

Die zunächst erforderliche Modifikation der Zugangskavität ermöglichte einen geraden Zugang zu allen Kanalsystemen. Der nicht dargestellte MB2 lag deutlich unter der mesialen Randleiste. Während die Aufbereitung von P und DB bis auf die etwas über dem Normalen liegende Arbeitslänge von 24 mm unaufregend war, zierten sich MB2 und vor allem der bereits „anbehandelte“ MB1 deutlich.

Nach koronaler Erweiterung und anschleissendem langem Scouten mit vorgebogenen Handinstrumenten der Größe 006, 008 und 010 konnte mit den in unserer Praxis gerne eingesetzten Path-Files nach einiger Zeit Patency erzielt werden.

Die Messaufnahme zeigt jedoch, dass die wahre Hürde noch vor uns lag: Um die lange Strecke nach der Krümmung in MB1 und das multiplanar gekrümmte und sehr enge MB2-System vorhersagbar obturieren zu können, musste eine ausreichend weite und getaperte Aufbereitung erfolgen.

Welchem Instrument sollte ich vertrauen? Meine über viele Jahre geliebten RaCe- Instrumente gibt es seit der Umbenennung in Bio-RaCenicht mehr in allen Durchmessern.

Auf der letzten DGET-Jahrestagung hatte ich Hyflex-Feilen von Coltene erworben, die ich bisher nur für die Überwindung von Stufen in stark gekrümmten Kanalsystemen verwendet hatte.

Die zur Verfügung stehenden Durchmesser und Konizitäten ermöglichen eine fein abgestimmte Aufbereitung, sodass in diesem Fall die mesialen Kanäle bis 30/06 erweitert werden konnten. Die taktile Rückmeldung ist dabei eine für mich sehr angenehme und ist etwas „weicher“ als bei ProFiles des Tapers 04. Der Abtrag ist sehr effizient und die mittels ProFile 02 endometrisch überprüfte Dimensionsgenauigkeit der Aufbereitungsweite entspricht meinen Erwartungen.

Obwohl nicht mehr ganz neu auf dem Markt möchte ich in Zukunft die Hyflex-Feilen nicht mehr in meinem „Instrumenten“-Köcher missen.

Nicht unerwähnt soll allerdings bleiben, dass ich die Feilen nach Anwendung an einem Patienten verwerfe.

24 Gedanken zu „Neue(r) (P)feil(e) im Köcher

  1. die neuen hyflex sollen sich doch nach wärmeeinwirkung zurückstellen und wenn dies nicht mehr passiert verworfen werden. lohnt sich denn die behandlung wenn man 50 euro an feilen wegwirft?

    • ich verwerfe grundsätzlich alle feilen nach der behandlung. und da die kosten von 50 euro nur einen kleinen teil der kosten einer endodontischen behandlung ausmachen, fällt dies nicht wirklich ins Gewicht. da ist mir die frage wann der ermüdungsbruch einsetzt oder ob es möglich ist die feilen überhaupt nach verwendung wieder sauber und steril zu bekommen wichtiger.

        • soviele feilen kann ich ohnehin nicht brauchen, es dürfen keine gebrauchten instrumente verschenkt werden? steril schickt man auch keine bakterien durch die weltgeschichte, oder welche bestimmungen? goz?

        • Ein Vorfall reicht, um sich z.B. strafbar zu machen. Oder haben Sie schon mal gehört, dass man mit dem Argument „ich fahre doch nicht so oft über die rote Ampel“ aus dem Bußgeld rauskommt?! 😉
          Asdf könnte sich z.B. nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 in Verbindung mit § 14 Satz 2 MPG strafbar machen durch das Verwenden von von anderen gebrauchten Feilen. Ich rate jedenfalls davon ab, und zwar sowohl dem Abgebenden als auch dem Empfänger. Wenn Sie z. B. mit dem 3,3 fachen Satz mit den Kosten nicht hinkommen, denken Sie doch über eine GOZ-konforme Zusatzvereinbarung mit den Patienten nach.

        • Unter §14 steht quasi dass man es sterilisieren müsste, was kein Problem darstellt, muss immer gemacht werden.
          Sie meinen den 3,5 fachen Satz. Das ist richtig, man kann natürlich einfach mehr Geld verlangen, aber auch nur wenn man Aufwand betreibt, entsprechende erfolgsraten hat, Patienten die diese Leistung in Anspruch nehmen und die kosten kein Hindernisse darstellen.
          Wenn man aber jetzt gerne niti feilen verwenden würde weil man ansonsten nicht ans ziel kommt bei einem Kassenpatienten, der nichtmal für eine Zuzahlung Geld hat. Man soll es nicht glauben, aber das ist die Mehrheit der Patienten. Auch ist wohl der Kundenkreis der Hersteller der Instrumente nicht auf endospezialisten beschränkt, obwohl der Autor womöglich 50 einfache Kunden ersetzt.

        • Hallo Flat, ich habe einen verwegenen und vielleicht auch radikal anmutenden Vorschlag für Sie:

          Man könnte auch mal mit den Patienten offen über die Situation sprechen. ;-)

          Dann würde man ihm z.B. erklären, dass man gerne bestimmte, besonders gute Feilen verwenden würde. Diese sind aber teuer und nicht von der Kassenleistung umfasst. Vorliegend würde man aber dazu raten, da man andernfalls vermutet, dass man das Ziel des Zahnerhalts durch eine Wurzelkanalbehandlung nicht oder nicht genauso sicher und gut erreichen könne. Man sähe nun zwei Möglichkeiten: Entweder man versuche es ohne diese Feile oder mit, aber dann eben mit Zuzahlung.

          Wofür die Leute ihr Geld ausgeben ist in den meisten Fällen eine Frage der Priorisierung. Auch Kassenpatienten kaufen sich das neue Samsung SIII, obwohl das alte Handy erst ein Jahr alt ist, neue Felgen für die Sommerreifen für ein paar Hundert Euros, weil’s die gerade günstiger gibt und eben die PS3 oder die Wii bzw. Spiele dafür, die nicht unter 50 EUR das Stück zu haben sind. ;-)

          Natürlich kann es nach dem Gespräch sein, dass der Patient das Ganze nicht versteht und den Zahnarzt wechselt. Vielleicht, weil er es schon nicht gewöhnt ist, dass Mediziner mit ihm sprechen. ;-) Andererseits findet man vielleicht auch damit zu einem Weg, wie man wirtschaftlich und medizinisch sinnvolles Handeln unter einen Hut bekommt. Vielleicht dankt der Patient einem auch die Offenheit und empfiehlt einen deswegen weiter?

          Ich weiß, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere, was die „Soft Skills“ anbelangt und verlangt dem Zahnarzt einiges im Bereich des Verhandlungsgeschicks ab…

          Mir wäre das aber allemal lieber, als gebrauchte Feilen von anderen Zahnärzten zu verwenden… ;-)

          Übrigens ist es nicht so, dass Strafgesetze irgendwen davon abhalten, etwas gesellschaftlich Ungewolltes zu tun. Sie sanktionieren es nur. Tun kann jeder alles, man muss halt nur mit den Konsequenzen leben können, wenn irgendwann zu Tage tritt, dass man sich nicht gesetzeskonform verhält…

  2. Danke für den spannenden Bericht! Ich hoffe, dass der Zahn nun ausheilt und beschwerdefrei bleibt. Darf man fragen, wie lange diese Behandlung gedauert hat?
    Außerdem getraue ich mich, obwohl ich Nicht-ZA bin, noch eine andere Frage zu stellen: Zu einem Röntgenbild und zwar zu einem der Post-OP-Bilder, unten steht 16D.004, dasjenige ganz rechts: Der Wurzelkanal, der in der Mitte zu sehen ist (ich glaube, es ist der MB2, bin mir aber nicht sicher) hat an der Spitze Post-OP eine Art „Ausfransung“ und dann ist abgesetzt Richtung Kieferhöhle nochmals etwas kleines zu sehen: Durch was entsteht diese Ausfransung und warum ist das nur bei diesem Kanal so? Liegt das an der angewandten Fülltechnik? Danke im Voraus für die Erhellung. :-) Ich studiere nämlich inzwischen meine Röntgenbilder auch sehr genau und bin für jeden Wissenszuwachs dankbar.

    Herzliche Grüße

    Hannah Färber

    • sieht mir nach sealer in einem seitenkanal und über den apex hinaus aus,passiert eben weil der mehr oder weniger flüssig eingebracht wird

    • die Behandlung wurde dreizeitig durchgeführt da eine stark eingeschränkte mundöffnung gegeben war. insgesamt 5,5 h.

      die „ausfransung“ entsteht durch das infolge des hydraulischen drucks der verwendeten warmfülltechnik. der wurzelkanalsealer, eine art feiner fugenfüller wird dabei in die zuvor durch ultraschallunterstütze spülung von geweberesten gereinigten hohlräume und feine verästelungen eingepresst. dies ist nicht mit einer überpressung der soliden wurzelfüllmasse zu verwechseln. diese verästelungen sind nicht in allen kanalsystemen eines zahnes zwingend in gleicher größe vorhanden. daher das singuläre auftreten.

      herzliche grüße

      jörg schnöder

      • Vielen Dank, Herr Schröder! Interessant, dass dieser Effekt offensichtlich nur bei diesem einen Kanal auftritt. Wie ist es eigentlich mit diesem Material im Falle einer Revision?
        Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
        Hannah Färber

        • Gern geschehen. Das herausgepresste Material ist in der Regel nach einem bis 2 Jahren radiologisch nicht mehr nachweisbar. Ein intentionelles Entfernen stelle ich mir sehr schwer vor.

          Herzliche Grüße

          Jörg Schröder

  3. Hallo flat,

    es sind aber nicht die aus Ihrer Sicht teuren Feilen, die über den Erfolg einer Behandlung entscheiden, sondern wie immer das Zusammenspiel aus Wissen, Technik und sinnvoller bzw. zielgerichteter Anwendung.

    Wenn Sie also überzeugt sind, etwas überdurchschnittlich gut zu können, bei dem Sie auch entsprechende Spezialinstrumtente anwenden müssen, werden Sie über die Zeit auch Ihre Patienten gewinnen können. Man fängt halt vorsichtig und in geringem Umfang an und erweitert dann nach eigenen Möglichkeiten und gewünschten Zielen. Auf die Feilen angewendet fing es bei mir mit Handinstrumten an, dazu Gates-Glidden-Bohrer. Dann kamen FlexMasterinstrumente und ein Endopilot. Dann kamen Pathfiles und ein Zwischenspiel von BioRace, heute durch Reciproc ersetzt. Nachdem noch der Endopilot um das Co-Pilot-Modul erweitert wurde, überlege ich nun die Anschaffung der HyFlex-Feilen, weil der Bedarf da und sich die Patientenklientel auch dahingehend verändert hat.

    Das ganze ist ein Prozess, der je nach eigenem Bestreben und der Interaktion im eigenen Umfeld mehrere Jahre dauern kann und immer einer regelmässigen Reevaluation bedarf.

    VG,

    KT

    • Wie kann sich denn Bedarf und Patientenklientel in Richtung Hyflex-Feilen verändern? Bevorzugen die Menschen nun, ihre Kanäle eher gekrümmt zu tragen ?? :D

      • Das müssen Sie für Ihre Patientenklientel selbst beantworten. Ich habe aber den Verdacht, dass man HyFlex-Feilen auch in vollkommen geraden Kanälen nutzen könnte… Wie wohl jede Feile ;)

        VG,

        KT

  4. Hallo Jörg,
    schöner Fall wie immer hier auf WS. Grüße an Ronald Wecker.
    Ich arbeite in „vitalen Fällen“ mit SAF und sonst mit Hyflex.
    Die Hyflex Feilen sind zunehmend dabei andere rotierende Feilensysteme in meiner Praxis zu verdrängen. Gerade bei den zugewiesenen Behandlungsfällen von Kollegen möchte ich nicht mehr darauf verzichten, da diese Feilen gerade in diesen „Problemfällen“ zu meinem Lieblingsinstrument geworden sind.
    Für den Gleitpfad greife ich natürlich auch gerne auf Path Files oder die Profile 15/04 zurück.
    Bitte erlaube deshalb folgende Frage.
    Was spricht für Ronald Wecker dagegen, komplett auf Hyflex für die Aufbereitung umzustellen?
    Warum nur in gekrümmten Kanälen oder bei Stufen wie beschrieben?
    Danke für das Weiterleiten der Meinung dazu.
    Grüße
    Andreas

  5. Pingback: Duplizität der Ereignisse – Neuer Pfeil im Köcher | Wurzelspitze

  6. In USA wurden inzwischen Feilen vorgestellt, die in meinen Augen Hyflex CM entspricht, heißen dort Mouncefile CM, kosten nach meiner Suche im Netz 39$ für 6 Stück, also günstiger als Hyflex CM… Klar kommen noch andere Kosten hinzu, aber trotzdem günstiger…

    • Hallo Gregor,
      wie sind die Erfahrungen mit der Feile? Schon bestellt?
      Ich habe einmal nachgeforscht wegen der Mouncefeile CM.
      Im Direktvertrieb sind selbstverständlich ganz andere Preise möglich als für Firmen, die nur über den Handel Produkte auf dem Markt bringen. Ich denke so erklärt sich der Preisunterschied. Außerdem ist bekannt, dass die Feilen keine CE Markierung haben, also auch nicht für die EU zugelassen sind.
      Viele Grüße
      Andreas Habash

Schreibe eine Antwort zu asdfAntwort abbrechen