saving hopeless teeth – Folge 29

von Bodald Necker

Auch hier wieder: Der Patient wollte partout diesen (stark angeschlagenen) Zahn nicht mit einer Implantatversorgung ersetzen lassen. Die Wurzel war bereits resiziert und mit einer retrograden WF versorgt, aber der Zustand der klinischen Krone war bedenklich.
Da aber die Wurzelspitze kein apikales Geschehen (zumindest im 2D-Röntgen) erkennen liess, wurde die Sache mit entsprechender Aufklärung (Gefahr der Längsfraktur, Notwendigkeit der chir. Kronenevrlängerung vor Kronenversorgung) angegangen.

Die bereits über den Wurzelrest eingewachsene Gingiva wurde mit dem hier empfohlenen CeraTip entfernt.
Nach Kariesexcavation war wahrlich nicht mehr viel von der Krone übrig.

Der obere Rand der Kavität wurde mit G-Bond von Morita beschickt und ein Aufbau mit Venus Flow Baseliner (zur optischen Abgrenzung) und mit Gradia Flow von Hand geschichtet, um eine Kofferdamklammer anbringen zu können.

Die WF war relativ schnell entfernt und die Retro-WF war in Sicht, diese war dem entströmenden Geruch nach aus Jodoromzement. Da diese röntgenologisch und klinisch (Sichtkontrolle unter DM) dicht erschien, wurde auf deren Entfernung von orthograd verzichtet.
Der ganze Wurzelkanal war bis zur Retro-Füllung einsehbar und liess sich schnell trocknen. Deshalb erfolgte keine klassische WF mit Sealer und Guttapercha. Der Kanal wurde mit Phosphorsäuregel geätzt, Bondig erfolgte mit Syntac Classic. Der unterste Bereich zur Retro-Füllung wurde mit Gradia-Flow abgedeckt und anschliessend zwei GF-Stifte auf die verbleibende Länge des Kanals verklebt. Der Aufbau wurde für ein Provisorium beschliffen.

Bei Beschwerdefreiheit für 12 Wochen wird eine chirurgische Kronenverlängerung angesetzt, um anschliessend das jetzt gefertigte LZ-Provisorium durch eine endgültige Krone ersetzen zu können.

2 Gedanken zu „saving hopeless teeth – Folge 29

  1. Wurzelbehandlung – Ich bin Arzt und Zahnarzt und war 30 Jahre in München als Zahnarzt niedergelassen. Mein Schwerpunkt lag immer auf der Zahnerhaltung, insbesondere durch erfolgreiche Wurzelkanalbehandlungen auch in sehr schwierigen Fällen. Zu diesem Thema habe ich laufend auch Vorträge vor Zahnärzten gehalten und zahllose Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.
    Rüediger Osswald sagte am :

    Mit Blick auf den Langzeiterhalt, Herr Necker, würde ich in diesem Fall – sehr schwacher Pfeiler – gleichzeitig entweder den Zahn 14 oder den 16 neu versorgen (die schlechtere der beiden Kronen opfern) und anschließend parodontalfreundlich verblocken (sekundär verlöten), um stabile Verhältnisse zu schaffen. Das Risisko, dass die ganze Mühe umsonst war, wäre mir (und dem Patienten nach meinem Rat) zu hoch. Ich denke dabei an die nächsten 20 Jahre. Ein weiterer Vorteil ist, dass man dem Patienten so die chirurgische Kronenverlängerung ersparen kann. Es genügt vielmehr in aller Regel, bis auf Knochenniveau zu beschleifen (rasierklingenartig auslaufende Kronenränder), bzw. nur eine kleine Rille in den Knochen zu fräsen, um die Wurzel sicher zu fassen. Um es gleich vorwegzunehmen: Um die „biologische Breite“ muss man sich bei dieser Art der Versorgung übrigens keine Sorgen machen. Sie stellt sich – was soll sie auch sonst machen? – von selbst neu ein. Hier ein Fallbeispiel:

    http://www.tarzahn.de/Neue%20Faelle/Anders/Anders1.htm

    Der Fall zeigt noch dazu eine schöne Doublette, die ja eine besonderer Bedeutung bei der Beurteilung von Behandlungsprotokollen hat. Ich schu hier jetzt ja schon lange zu, habe jedoch bisher noch keine entdecken können.

    Herzliche Grüße

    Rüdiger Osswald

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