Made in China (V) Kabellose Endo- Motoren – das Fazit

Die von uns hier und hier besprochenen akkubetriebenen Endo-Motoren kommen seit mindestens einem dreiviertel Jahr (Eighteeth), die anderen seit über 6 Jahren in meiner Praxis tagtäglich zum Einsatz.

Ausreichend Zeit, Erfahrungen zu sammeln und nun abschliessend ein differenziertes vergleichendes Fazit zu ziehen.

Motor 1 Iconnect Drive /XSmart IQ
Nachwievor.
Ich liebe diesen Motor.
Es macht Spass, mit ihm zu arbeiten.
Obwohl der Motor der schwerste der 3 Motoren ist, liegt er sehr gut und vor allem ausgewogen in der Hand. Er hat einen schmalen Kopf. Die geringe Kröpfung des Winkelstückschaftes ermöglicht einen guten Zugang auch in schwierigen Bereichen. Vom Handling her, was das reine Arbeiten angeht, finde ich diesen Motor von allen 3 Motoren am besten.

Nachteilig?
Die Bedienung erfolgt über das Ipad.
Das sieht schick aus und möglicherweise kommt das auch marketingtechnisch als Verkaufsargument gut an, weil es Praxis und Behandler, zumindest in der Eigenwahrnehmung, ein modernes Erscheinungsbild verleiht.

Beim Arbeiten ist es umständlich und darüber hinaus auch hygienisch, will man es richtig machen, eine Herausforderung. Zumindest jedoch eine umständliche Angelegenheit. Gänzlich unbefriedigend wird es, wenn man wie wir mehrere dieser Geräte im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung betreibt. Ganz abgesehen davon, dass hierfür dann auch eine entsprechend Menge an Ipads gleichzeitig in Aktion vorgehalten werden müssen, bei uns wären das 3 Stück, kommt es beim parallelen Betrieb mehrerer solcher Geräte (jeder Referent im Arbeitskurs kann ein Lied davon singen) zu Fehlkommunikation und damit einhergehend zu Verbindungsabbrüchen, welche ein umständliches und zeitintensives Neukoppeln mit sich bringen.

Extrem nervig ist das.
Daher nutzen wir diese Motoren NUR für reziproke Instrumente, konkret für VDW Reciproc und WaveOne Gold. Jedes Instrument bekommt seinen eigenen Motor. Die Motoren sind voreingestellt und das Gute ist, dieser voreingestellte Modus bleibt im Motor eingespeichert. Ein Ipad sehen diese Geräte also nur bei der erstmaligen Programmierung.

Funktioniert hervorragend.
Wenn da nur nicht die zu grosse Defekthäufigkeit wäre.
Immer mal wieder ist einer der Motoren defekt. Aus unterschiedlichen Gründen. So gesehen ist es gut, das wir 4 solcher Motoren haben, da ist es nicht ganz so tragisch, wenn ein Motor zur Reparatur ausser Haus ist. SPASS !!!! WITZ GEMACHT!!! Dennoch – nicht auszudenken, wie unsere Stimmung wäre, wenn ein solcher Motor der einzige in der Praxis wäre.

Mein Fazit: Trotz aller aufgeführten Nachteile (noch immer) unverzichtbar. Neu kaufen würde ich das Gerät aber nicht mehr, selbst wenn er noch im Handel erhältlich wäre. Stichwort Defektanfälligkeit. Finde ich extrem schade. Denn eigentlich (siehe oben) ist das ein ganz toller Motor.

Motor 2 Morita TriAuto ZX 2
Den grössten Nachteil gleich vorweg.
Der Motor kann nur vollrotierend. Er verfügt zwar über einen Reziprok-Modus, aber diese Arbeitsbewegung ist eine klassische reziproke, also eine Hin und Her-Bewegung. Die sogenannte Reziprok-Bewegung der VDW Reciproc und WaveOne Gold-Instrumente ist hingegen eine nicht kontinuierliche teilweise rückgeführte vollrotierende Bewegung. Also nix hin und her. Weshalb ich lieber bei „Reciproc“ von der Ghassan Yared-Technik (GYT) spreche. Der hat es nämlich in die Zahnmedizin eingeführt und populär gemacht.

Aber egal, wie man es nennt, das TriAuto ZX 2 ist für diese Instrumente nicht bestimmungsgerecht einsetzbar. Dafür ist dieser Morita-Motor , wenn es um vollrotierende Instrumente geht, das Gerät der Wahl für mich. Dessen OGP-Modus nutzen wir, wenn es darum geht, bruchrisikofrei ein dünnes Instrumentes auf Arbeitslänge zu bringen. Den OTR-Modus, eine Synthese aus vollrotierend und GYT verwenden wir, wenn es darum geht, Wurzelkanäle aufzubereiten. Wenn man einmal die Vorteile dieser Arbeitsbewegung erkannt hat, dann möchte man nicht mehr darauf verzichten. So geht es mir zumindest.

Zwischen den verschiedenen Modi hin- und herzuwechseln geht im Übrigen blitzschnell. Das TriAuto ZX 2 verfügt über ein gut lesbares Display. Und ermöglicht so sogar die Programmierung bzw. eine fallspezifsch sinnvolle Modifikation der Aufbereitungsparameter direkt am Stuhl. Für dieses Feature nehme ich sogar in Kauf, das der Motor im Vergleich zu den beiden anderen „Musketieren“ deutlich größer ausfällt, sowohl den Batterie-Teil, wie auch den Winkelstückkopf betreffend. Das kann bei schwierigen Platzverhältnissen nervig sein, hat aber bisher noch nie dazu geführt, das ich den Motor beiseite gelegt habe, um mitten in der Behandlung auf den schmäleren IConnect umzusteigen. Mit einem bischen guten Willen geht es mit dem TriAuto ZX 2 also auch in schwierigen anatomischen Situationen.

Mein Fazit: Unverzichtbar. Wenn er reziprok könnte, und etwas schmäler wäre, wäre er perfekt.

Motor 3 Eighteeth E-connect S
Wie habe ich gerade geschrieben: „Wenn er reziprok könnte, und etwas schmäler wäre, dann wäre er perfekt.“

TATATAAA – Hier ist er, der Traum-Motor. Der Eighteeth E-connect S. Und zwar genau so, wie ich es mir eben gewünscht habe. Zumindest auf den ersten Blick. Er kann vollrotierend und Reziprok/GYT. Er ist schlank, liegt gut in der Hand. Besitzt ein Display. Ist somit on the fly programmierbar.

Und bei genauer Betrachtung?
Fällt die bereits beschriebene Motorvibration bei GYT ins Auge.
Ist das ein KO – Argument? Vermutlich nicht, zumal auch noch der Preis im Vergleich zu den beiden anderen fast schon ein Schnäppchen darstellt. Aber ich möchte darauf hingewiesen haben.

Aber dann fehlen die beiden Morita Spezial-Modi.
OTR und OGP.
Wer rein reziprok arbeitet, für den ist es irrelevant.
Allen Anderen sage ich, ohne OTR und OGP fehlt mir was. Beides ist sozusagen der Sicherheitsgurt für den Wurzelkanal. Weshalb der E-connect S für mich nur als Ersatz für die VDW/Densply Sirona Reziprok-Motoren in Frage kommt, die hoffentlich noch lange durchhalten. Danach allerdings bin ich erst mal sehr froh, dass es den E-connect S gibt.

Und wie sieht es mit dentalen Einsteigern, gegebenenfalls mit begrenztem Budget, aus ?
Mit zwei Eighteeth E-Connect S kann ich im Wechsel unter dem Dentalmikroskop arbeiten. In exzellenter Ergonomie also, das ist auf jeden Fall erstrebenswert. Dafür müsste ich mit den anderen Motoren das Doppelte als Anschaffungspreis auf den Tisch legen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

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