Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV) – Update

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an den (damals) sechsjährigen Jonny und die Geschichte rund um seinen Zahn?

Anbei unser letztes Recall gut 14 Monate nach Frontzahntrauma mit Avulsion des Zahnes 31 und sehr verspäteter Replantation.

Aufklärung tut not update.001Leider bestätigt sich, was zu erwarten war. Eine ausgeprägte Ersatzresorption. Deren weitere Progredienz wird maßgeblich bestimmen, wann eine Dekoronation erfolgen wird.

Ich werde weiter berichten…

5 Gedanken zu „Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV) – Update

  1. Guten Morgen,
    spannender Fall.
    Sind Sie sich denn wegen der Ersatzresorption wirklich sicher?
    Unter Berücksichtigung der Längenentwicklungen der Nachbarzähne scheint es lediglich zu einer Abrundung der Wurzel am Apex gekommen zu sein. Das etwas „krisselige“ Aussehen der Wurzel distal findet sich auch an den Nachbarzähnen. Von der homogenen Darstellung der Wurzelsubstanzen auf der Ausgangsaufnahme unterscheiden sie sich somit genauso wie der avulsierte Zahn. Der PA Spalt scheint zumindest mesial fast regulär, vielleicht etwas erweitert.
    Wie sind denn die klinischen Befunde? Klopfschall, Beweglichkeit? Vertikale Position im Vergleich zu den Nachbarzähnen?
    Gibt es Informationen, ob bei der Replantation spezielle Techniken/Medikamente eingesetzt wurden? So scheint zum Beispiel Emdogain eine Ankylose/Ersatzresorption deutlich zu verzögern. Das Entfernen des nekrotischen parodontalen Gewebes kann zu einer Ankylose ohne anschließende progressive Ersatzresorption führen.
    Der regulär erscheinende PA Spalt könnte – falls die Ankylose klinisch bestätigt werden kann – einen Artefakt darstellen: einer dünnen Schicht Kompakta, die der Wurzel unmittelbar anliegt und von dieser radiologisch nicht differenziert werden kann, folgt eine schmale, sehr spongiöse Knochenlage, der wiederum eine dichtere Knochenstruktur folgt; dies kann radiologisch als PA-Spalt mißinterpretiert werden – ich durfte mit eigenen Augen beobachten, wie Jens Andreasen ungläubig staunend und sehr aufgeregt vor den Röntgenaufnahmen der ersten eigentlich hoffnungslosen, mit Emdogain behandelten Zähnen stand…
    Es könnte natürlich auch zu einer epithelialen „Exterritorialisierung“ gekommen sein (Sondierungstiefen?), oder auch – ganz schlicht – zu einem Wunder…

    Dekoronation bedeutet letztlich Implantation – bei den Dimensionen im Unterkiefer- Frontbereich eine eher fragwürdige Entscheidung; auch eine Adhäsivbrücke ist, bezogen auf weitere 7 Jahrzehnte Lebenserwartung nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich schlage vor, einen Kieferorthopäden hinzuzuziehen mit der Fragestellung Extraktion und Lückenschluss…
    Beste Grüße
    Yango Pohl

    • Hallo Herr Pohl,

      tatsächlich war Herr Decker von der radiologischen Erscheinung zunächst positiv überrascht. Er hatte eine deutlichere Ersatzresorption nach dieser langen extraoralen Phase erwartet. „Besondere“ Techniken fanden bei der Replantation keine Anwendung; auch wurde die nekrotische Wurzelhaut vor Replantation nicht entfernt!
      Intrakanalär fand sich beim Termin gestern eine beginnende (weil seeehr kleine) Perforation des Kanallumens nach lingual. Dies scheint sich mit der in der Literatur beschriebenen Tatsache zu decken, dass die Ersatzresorption bevorzugt zunächst bukkal und lingual entsteht und wir leider primär nur approximal (im 2D Bild) beurteilen können. Oder?

      Ein KfO-Konsil durch eine entsprechende Kollegin liegt vor. Leider hat der junge Patient eh einen ausgesprochenen Platzüberschuss und eine Zahnentfernung würde die Situation zusätzlich verkomplizieren.
      Wie wäre ihr weiteres Vorgehen?
      Viele Grüsse
      Christoph Kaaden

      • Das ist korrekt, linguale und vestibuläre Resorptionen sind im 2-D-Röntgen nicht zu erkennen, bzw. nur im Ausnahmefall. Deshalb die Frage nach den klinischen Befunden, diese sind bei Ankylose leitend, das Röntgenbild hat allenfalls bestätigenden Charakter. Von falsch-positiver Diagnose bis falsch-negativer ist alles drin radiologisch… (Andersson et al.)
        Zunächst ist die Diagnose zu klären. Eine Perforation bis in den WK durch Ersatzresorption wäre richtig schnell. Ich vermute eher eine infektionsbedingte Resorption… Wie gesagt, die klinischen Befunde wären eine enorme Hilfe bei der Diagnosefindung…

        Tja, Therapie. Wie bereits anklang – keine einfache Situation. Zu jedem Vorschlag gibt es Pro und Contra, zu jedem Vorschlag zwei Kollegen gefragt, und man hat mindestens 3 Antworten… Das Problem in diesen Fällen ist, dass Vor- und Nachteile nicht eine gemeinsame „Einheit“ haben, somit eigentlich nicht verglichen werden können. Und zudem der Erfolg bzw. Mißerfolg nicht vorausgesagt werden kann: wiegt das Vermeiden des Fremdmaterials (Implantat) eine eventuelle Ausgleichsextraktion auf? Wenn alles gut geht und das Implantat 30 Jahre komplikationsfrei in situ ist – ok. Wenn dagegen das Implantat (wegen Platzmangels oder warum auch immer) zu nah am Nachbarzahn lokalisiert ist und dieser sowie das Implantat verloren gehen – dann werden die Betroffenen das sicher anders sehen – da helfen dann noch so hohe Erfolgsraten auch nicht mehr viel… usw., usf.
        Sprich: das ist eine ausgesprochen persönliche, individuelle Entscheidung, in die persönliche Überzeugungen, Vorlieben, Möglichkeiten, …. einfließen.
        Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, Implantate so spät wie möglich zu nutzen, um sie so kurz wie möglich unter Risiko zu stellen – Perimukositis/Periimplantitis sind derzeit DAS Thema überhaupt…

        Beste Grüße
        Yango Pohl

    • Extraktion und Lückenschluß wird bei vielen KFO Kollegen sicher schon zu Schnappatmung führen, wobei ich etliche Fälle kenne wo der Patient – eine davon ist selbst Zahnärztin!!! – ohne Probleme mit nur drei UK Frontzähnen leben. Wenn eh schon zu viel Platz da ist sollte von so einer Spargellücke durch eine Extraktion abgesehen werden, aber vielleicht tut sich ja noch was in den nächsten Jahren.
      Und zum Thema Implantation haben wir hier auf der Seite doch schon genug Fälle gesehen wo ein Implantat in bedeutet engere Verhältnisse „eingebaut“ wurde :D… Ich würde beobachten, mit KFO beraten, Klebebrücken (Einflügel) als mittelfristige Zwischenlösungen und langfristig Implantate einplanen.

      Viel Erfolg!

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