von Banessa Taminns
Seit etwas mehr als 1 Jahr beschloss ich einige Euro zu investieren und arbeite seitdem mit meinem Zeiss OPMI.
Fazit seit einem Jahr: noch keine Sekunde bereut.
Schlüsselerlebnis war sicherlich eine der ersten Endos mit OPMI die ich ohne so sicherlich hätte nicht lösen können; für mich also gleich ein „Volltreffer“.
Der Patient (Mitte 40, unauffällige allgem. Anamnese) stellte sich Mitte letzten Jahres mit starker Schmerzsymptomatik an 15 in der Praxis vor (Perk +++, Vipr -, LG 0, TT 2-3mm zirkulär, Vestibulum verstrichen/Schwellung, Aufbissbeschwerden – seit 4 Tagen stetig zunehmend, Krone alio loco angefertigt ca. 4-5 Jahre alt).
Nach Trepanation wenig Pusabfluss, nach Inzision deutlicher Pusabfluss.
Aus Zeitgründen Einlage aus Ledermix und pV IRM.
8 Tage später habe ich dann das OPMI angeworfen und bin auf Kanalsuche gegangen (was auf Grund der bis zu diesem Zeitpunkt geringer Erfahrung mit dem OPMI unverhältnismäßig lange gedauert, sich aber gelohnt hat). Der vermeintlich zentral liegende Kanal befand sich allerdings etwas nach palatinal versetzt, so dass ich auch bukkal auf die Suche gehen musste und dort einen weiteren Kanal aufspüren konnte. Soweit sicherlich auch ohne OPMI machbar (und schneller wäre ich damals auch noch gewesen ;-)).
Dann allerdings konnte ich in ca. 10mm Tiefe eine weitere Abzweigung sehen, die mir primär beim sondieren und erweitern der Kanaleingänge nicht aufgefallen ist, ein 2. bukkaler Kanal, der mir mit einiger Wahrscheinlichkeit ohne OPMI verborgen geblieben wäre.
Nach Anlegen des Kofferdams Kanaleingangsdarstellung und –erweiterung mit GatesGlidden unter kontinuierlichem NaOCl-Einsatz wurden alle 3 Kanäle nach Elektrometrie mit ProFile aufbereitet und mit Claxyleinlage (Ultracal) + pV IRM für 3 Wochen versorgt.
Der Patient war nach dieser Zeit beschwerdefrei, die Kanäle wurden unter Kofferdam mit ProFile nachbearbeitet, bis Taper 06. Wechselspülung (US-aktiviert) NaOCl, Zitronensäure und CHX – als Abschlussspülung unmittelbar vor dem Trocknen der Kanäle Spülung mit Alkohol.
Füllung warm vertikal nach Schilder mit GP und AH-Plus (etwas Sealeraustritt apikal), dentinadhäsiver Kanaleingangsverschluss und dentinadhäsiver Verschluss der Trepanationsöffnung.
Lange Rede – Kurzer Sinn:
Vielleicht kann ich mit dem Beitrag einige Kollegen bestärken, die sich mit dem nicht ganz günstigen OPMI-Kauf-Gedanken herumplagen.
Mittlerweile frage ich mich manchmal, wie ich früher ohne behandeln konnte, was nicht heißen soll, dass die Behandlung ohne OPMI schlechter oder unmöglich wäre, aber rein subjektiv fühle ich mich heute ohne Vergrößerung ein wenig blind, es fehlt mir einfach im Vergleich zur Lupenbrille der „Durchblick“. Und ich bin immer wieder fasziniert welche Welten sich mir mit „Durchblick“ erschliessen.
Wahrscheinlich bin ich heute mit OPMI genauso „schnell“ (besser: routiniert) wie ich es vor über 1 Jahr ohne OPMI war, allerdings ist die „Sicherheit genau zu sehen was man tut“ drastisch gestiegen.
Fazit für mich: ich will´s nicht mehr missen.






Hallo Frau Taminns! Die medizinische Seite ist die eine. Haben Sie den direkten Vergleich zur Lupenbrille mit axialem Licht? Die andere Seite ist die betriebswirtschaftliche. Wieviel hat das Mikroskop nebst Zubehör gekostet? Abschreibungsdauer? Wie viel Mehrumsatz generiert es pro Arbeitstag bei gleichem Zeitaufwand (für die Kapitalkosten)? Wenn der Zeitaufwand gestiegen ist, wird Ihnen der Mehraufwand bezahlt? Danke.
Hallo Herr Logies, die „Kollegin“ hat den direkten Vergleich zur Lupenbrille (3,5 bis 6-fache Vergrößerung mit axialem LED). Das OPMI erlaubt bis zu ca. 25-fache Vergrößerung. So weit ich weiß hat das OPMI inkl. Zubehör eine Menge gekostet (ob es ein Zeiss sein muss sei dahingestellt). Das Honorar richtet sich meines Wissens nach dem Zeitaufwand (individuell kalkulierter Stundensatz) der für die Behandlung benötigt wird und nicht mehr (wie in Zeiten vor dem OPMI) rein nach der Anzahl der Kanäle, wobei die Behandlungsdauer mittlerweile mit OPMI nicht zwingend länger dauert als früher ohne, nur wird die Behandlung somit zum ersten Mal angemessen honoriert. Es lassen sich mit OPMI auch komplexere Fälle erfolgreich behandeln.
Hallo Herr Manns, damit ist die Frage, ob das Operationsmikroskop sich betriebswirtschaftliche rechnet, noch nicht beantwortet. Denn die Patienten, die die teurere Leistung abnehmen, muß man erst einmal in ausreichender Zahl haben.
Hallo Herr Logies, ob sich ein OPMI rechnet kann nicht allgemeingültig festgelegt werden, dies muss ganz individuell kalkuliert werden. Ob diese Kalkulation wiederum mit der Realität korreliert steht auf einem anderen Blatt. Ich für mich habe es tatsächlich nicht nachträglich kontrolliert, ob die wirtschaftliche Kalkulation aufgeht, was sofort aufgegangen ist, das ist allerdings eine ganze Menge mehr Spass an der Arbeit. Der geneigte Leser mag anerkennen, dass eine Entscheidung PRO OPMI, wie von Herrn Bengs bereits geschrieben, von einer großen Portion Idealismus denn von einer knallharten wirtschaftlichen Kalkulation angetrieben wird. Die wirtschaftliche Seite beginnt in jedem Fall dann zu funktionieren, wenn man aufgrund des OPMIs und der entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten weiterempfohlen wird und Paienten überwiesen bekommt, so wie es bei der Kollegin der Fall ist
Hallo Frau Taminns,
Respekt für die schöne Lösung dieses Falles!
@ Michael Logies: Keine noch so schöne Lupenbrille kann ein gutes Mikroskop ersetzen. Die Frage nach Mehrumsatz ist m.E. am Wesentlichen vorbei. Das Mikroskop ermöglicht bessere Ergebnisse, wer die mit ausreichend Übung vorhersagbar erreicht, wird das irgendwann auch honoriert bekommen. Eine lange Lernkurve dabei ist unstrittig, sowas setzt sicher einigen Idealismus voraus, Hut ab vor jedem, der den aufbringt.
Freundlicher Gruß aus Berlin
Bernard Bengs
„wird das irgendwann auch honoriert bekommen“ ist möglicherweise für einige, viele (?) Mikroskop-Besitzer nur eine fromme Hoffnung? Nichts Genaues weiß man nicht, auf betriebswirtschaftliche Nachfragen wird gemauert, so auch hier.
Hallo Herr Logies, wie bereits geschrieben ist der betriebswirtschaftliche Erfolg oder Mehrumsatz rein durch das OPMI generiert von vielen und sehr individuellen Faktoren abhängig. Die gleiche Fragestellung „lohnt sich das?“ würde sich dann natürlich auch bei der Anschaffung eines Lasers, DVTs, Einrichtung eines praxiseigenen Labors, Intraoralkamera…usw stellen. Auch die Frage, ob das Patientenklientel diese „Neuerungen“ honoriert oder dadurch neue Patienten oder Mehreinnahmen generiert werden können drängt sich jeweils auf. Selbstverständlich kann die Kollegin hier keine konkreten Zahlen nennen, die Tendenz zeichnet sich aber aus den o.g. Gründen positiv ab.
Hallo Bernard,
ich würde persönlich sehr zurückhaltend mit der Aussage „Das Mikroskop ermöglicht bessere Ergebnisse, wer die mit ausreichend Übung vorhersagbar erreicht, wird das irgendwann auch honoriert bekommen“ sein. Es gibt nur sehr, sehr wenig Evidenz für eine solche aussage. Es ist nicht einmal nachgewiesen, dass ein kleiner Kronenrand besser ist als ein grosser ;-) Lass den ersten Teil weg, nimm den zweiten Teil Deines Satzes, dann ist es IMHO der Wahrheit sicher entsprechender ;-)))) Das DM ermöglicht Verfahrensweisen, die mit dem nackten oder auch mit einer Lupenbrille bewaffneten Auge sicher nicht ausführbar sind. Ob die jetzt zwangsläufig zu einer besseren Prozessqualität mit entsprechenden klinischen Outcome führen, weiss ich nicht sicher…. Totschlagargument, ich weiss ;-). Aber zu einem DM gehört eine gehörige Portion Einstellung, die hat nicht jeder. Ein Walter Röhrl wird mich auch in einem Topolino auf dem Ring abhängen, und wenn ich einen Veyron unter dem Hintern habe ;-)
Herzliche Grüsse
O
Darauf können wir uns sicher verständigen.
Herzliche Grüße
Bernard
Betriebwirtschaftlicher Abriß fürs Mikroskop: Ich rechne für Afa (8 Jahre) und Eigenkapitalverzinsung pro 1000 € Investitionssumme 1 € notwendigen Mehrumsatz pro Arbeitstag bzw. 220 € pro Jahr (220 dd/Jahr, interner Zinsfuß bzw. Eigenkapitalverzinsung dann 17%. Bei 10% wären es 0,82 €). Wenn das Mikroskop 40.000 gekostet hat, sind das dann notwendige 40*220€=8800 €/Jahr. Im Mittel der 3 Jahre 2010-2012 habe ich pro Jahr 68 Zähne mit 147 WFs versehen. D. h., das dann jeder Zahn 129 € bzw. jede WF 60 € Mehrumsatz nur für die Kapitalkosten bringen muß. Plus Aufwand für mehr Verbrauchsmaterial u. weitere Instrumente, die erst durch das OP-Mikroskop notwendig werden, plus täglicher Hygiene- u. Pflegeaufwand fürs Mikroskop plus Reparaturkosten. Wenn das OP-Mikroskop dann auch noch ein Hebel für generellen Mehrumsatz im Endobereich sein soll, ist man leicht bei 200-300 Euro aufwärts an Zuzahlung für den Kassenpatienten. Ich sehe keine Möglichkeit, solche Preise bei meinen Patienten durchzusetzen u. überweise dann lieber die ein bis zwei Patienten pro Jahr, die einen Endospezialisten brauchen und die 800 bis 1500 € für den Zahnerhalt ausgeben wollen, an diesen.
Mich hat hier nur die von keiner erkennbaren betriebswirtschaftlichen Überlegung getrübte Begeisterung für das OP-Mikroskop gestört. Nachdem, was wir wissen, ist es nur im Einzelfall für den Patienten tatsächlich eine medizinische Verbesserung. Selbst der generelle Ersatz von manueller Aufbereitung durch NiTi hat bislang die periapikale Komplikationsrate nicht senken können:
http://feedly.com/k/19MiTy1
Hallo Herr Logies,
niemand mauert hier bei betriebswirtschaftlichen Fragen. Daß ein Mikroskop sich nicht für jeden Kollegen „rechnet“, mag so sein. Die Frage ist doch: Wie möchte ich behandeln? Die Antwort kann nur eine ganz persönliche sein. Wer sich gegen ein Mikroskop entscheidet und die Endos dann überweist, der macht doch alles richtig. Nur sollte man die Kollegen, die die fachliche und betriebswirtschaftliche „Durststrecke“ der Arbeit am Mikroskop auf sich nehmen, nicht entmutigen im Gegenteil.
Beste Grüße
Bernard Bengs
Hallo Herr Bengs, Ihr Kommentar trifft es sehr gut. Bei mir war es tatsächlich so, dass die Leidenschaft für die Endo und der Idealismus im Vordergrund standen und ich die betriebswirtschaftliche Seite erst sekundär betrachtet habe. Irgendwann hatte ich eben das Gefühl, dass wenn ich in der Praxis schwerpunktmässig Endo machen möchte ich dies nur mit OPMI zu MEINER EIGENEN Zufriedenheit machen kann, auch der primäre Nutzen für die Patienten kam erst hinter meinem Gefühl (und mehr war es anfänglich nicht, doch dieses Gefühl ist mittlerweile der Gewissheit gewichen) nur mit OPMI die beste mir mögliche Endo machen zu können. Und so schließt sich der Kreis: ich habe deutlich mehr Spass bei der Arbeit, bin am Ende des Tages zufriedener, da ich glaube den Patienten optimal behandelt zu habe, der Nutzen für den Patienten/das Ergebnis meiner Endo steigt, dies wird honoriert durch Empfehlungen und Überweisungen von Kollegen undichhabe schon wieder Spass bei der Arbeit ;-)
Viele Grüsse,
Sebastian
Hallo Herr Logies, Sie haben vollkommen recht, natürlich kann der Ersatz von manueller zu NiTi-Aufbereitung die Komplikationsrate nicht verbessern, da dies ja nicht der einzige Faktor für Erfolg oder Misserfolg in der endoskopischen Therapie ist. Genauso wie bei der Entscheidung pro oder kontra OPMI. Ihr betriebswirtschaftlicher Abriss ist denke ich relativ nah an der Wahrheit und sicherlich für eine Entscheidungsfindung geeignet, ich schließe mich allerdings voll Herrn Bengs im nachfolgenden Kommentar an! Die Kollegin zum Beispiel hat genau wie ich den Praxisschwerpunkt endodontologisch ausgerichtet und es ist meiner Meinung nach, wie oben geschrieben, kein Problem für den Generalisten sehr viele Endofälle erfolgreich zu behandeln und eben die wenigen Fälle im Jahr, die sich vielleicht nur (oder besser) unter OPMI behandeln lassen, zu überweisen.
@ Herr Logies: Die Frage ist doch auch, was den Behandler insgesamt zufrieden stellt, ihn glücklich macht, überspitzt formuliert: Ein nach seinen Fähigkeiten optimales Behandlungsergebnis und möglicherweise begeisterte Patienten, die einen ebenso weiterempfehlen, aber dabei vielleicht ein Konto, dessen Füllstand einen nur zufrieden stellt oder alternativ nur passable Ergebnisse mit gewissen Einschränkungen und Patienten, die alles soweit o.k. finden und auch wieder kommen und eben ein im Vergleich zur aufgewendeten Zeit aber optimal gefülltes Konto. Manch einer muss sich vielleicht aufgrund besonderer Begabung und Wissen / Erfah-rung / Ausbildung nicht mal zwischen beiden Möglichkeiten entscheiden, sondern ist in der glücklichen Lage mit den Vorteilen beider Alternativen zu leben. ;-) Jedenfalls denke ich, es ist sehr schwierig, hier alles in eine betriebswirtschaftliche Formel zu packen und dann quasi-mathematisch zu einem bestimmten, für alle Behandler gültigen Ergebnis zu kommen.
Das Problem ist, daß die neoklassische Wirtschaftstheorie mit ihren einfachen Aussagen (Preise fallen, Nachfrage steigt u. umgekehrt) intellektuell am Ende ist (s. PDF-Version von http://www.debtdeflation.com/blogs/manifesto/). Dadurch wird auch die betriebswirtschaftliche Steuerung schwieriger, denn Firmen wie z. B. Apple zeigen, daß man als anerkannter (!), gut sichtbarer (!) Innovator (!) auch problemlos hohe Preise durchsetzen kann – bis man von der Meute, die ähnliches viel billiger bietet, eingeholt und überholt wird (Android). Zumindest hier im Norden ist die betriebswirtschaftliche und Nachfragesituation oft so schwierig, daß man sich größere Fehlinvestitionen nicht leisten kann, weil man sie auf Jahre nicht los wird. Ich sehe viele Patienten, denen 20 € für die 2. Zahnsteinentfernung im Jahr zu viel sind, denen 100 € Zuzahlung zur Endo zu viel sind. Mit der Handvoll Patienten, denen Preise egal sind, kann man kein OP-Mikroskop auslasten, das die privaten Zuzahlungen für Endo bei den durchschnittlichen Endokassenfallzahlen einer durchschnittlichen Zahnarztpraxis vervielfachen muß, weil man dessen Fixkosten im Ggs. zu einer reinen Endopraxis nicht auf genug Patienten umlegen kann. Von daher bin ich sehr skeptisch, daß das Endo-Mikroskop seinen Platz in einer zahnärztlichen Einzelpraxis finden kann, auch in einer Doppelpraxis dürfte sich die Frage nur graduell anders stellen. Ich benutze Kofferdam, Root ZX, Reciproc, verhalte mich also etwa zum Endodontisten wie Android zu iOS. Natürlich kann man seine Praxis als Hobby betreiben und dafür auf Geld verzichten. Ich denke in meiner Praxis „win/win“ oder „no deal“: Beide Seiten müssen von einem Angebot etwas haben, sonst werde ich es nicht unterbreiten.
Hallo Herr Logies,
bei allem Respekt: Die meisten von uns haben die Zahnheilkunde durchaus als Beruf, nicht als Hobby. Niemand hat von vornherein Patienten, die sich aufdrängen, viel Geld für eine als unangenehm empfundene Behandlung wie Endo zu bezahlen. Die Bereitschaft dafür muß und kann man wecken, ortsunabhängig. Das Mikroskop ermöglicht uns, Problembereiche zu behandeln, die sonst aufgrund ihrer geringen Größe häufig übersehen werden, aber natürlich trotzdem existieren. Ich sehe fast jeden Tag Überweisungspatienten mit endodontischen Problemen, denen von Kollegen zur WSR oder zur Extraktion geraten wurde, was in den meisten Fällen nicht die beste Lösung gewesen wäre. Nicht immer, aber häufig ermöglicht eine Endo unter mikroskopischer Sicht einen Erhalt des Zahnes. Das wissen Viele in mehrfacher Hinsicht zu würdigen, ein Implantat oder eine Brücke kostet schließlich auch Geld. Spricht sich das herum, werden weitere Patienten folgen. Dazu brauche ich keine betriebswirtschaftlichen Abhandlungen, Geduld und Enthusiasmus genügen.
Es grüßt Sie freundlich
Bernard Bengs