Vertikale Kondensation

von Christian Danzl

Wenn bei einer Wurzelkanalbehandlung die Aufbereitung, Desinfektion und Trocknung der Wurzelkanäle abgeschlossen ist, gibt es verschiedene Wege sie mit Sealer und Guttapercha (oder ähnlichem) zu füllen.
Am weitesten verbreitet dürfte die Einstifttechnik sein, bei der der Kanal mit Wurzelkanalsealer aufgefüllt wird und ein mehr oder weniger formkongruenter Guttaperchastift nachgeschoben wird. Einfach, schnell, stellt keine großen Ansprüche an die Aufbereitung, ist aber weit weg von High-End.
Bei der lateralen Kondensation wird nach dem Sealer ein Guttaperchastift eingebracht und anschliessend mit einem Spreader Platz für einen weiteren Stift geschaffen, dieser wird so weit wie möglich eingebracht, anschliessend wird wieder mit dem Speader Platz geschaffen … bis der Kanal gefüllt ist. Man kann so die meisten Kanäle gut 3-dimensional füllen, wenn die Krümmungen nicht zu stark sind. Zeitraubend.
Bei der warmen vertikalen Kondesation wird nach dem Sealer eine Füllspitze eingebracht, diese wird mit einem Heat-Plugger stückweise erweicht, der entstehende Überschuss entfernt und die im Kanal verbleibende GP-Spitze mit einem Plugger nach apikal verdichtet. Das wird wiederholt bis man auch die Guttapercha auf den letzten 3 mm vor Apex erweicht und an die Kanalmorphologie angepasst hat. So wird apikal ein relativ dichter Verschluss erzielt. Der Rest des Kanals wird dann mit warmer Guttapercha aufgefüllt.

Der Heatplugger (z.B. Touch’n Heat, System B) kann aber auch ersetzt werden durch ein Ultraschallgerät mit einer Spitze, die vorne plan ist, wie ein Plugger (z.B. NSK E5/E6). Durch die Schwingung wird die GP sehr plastisch und lässt sich schön in Nischen einbringen.
An sich gleiches Vorgehen, wie mit dem Heatpluger.

Vorteile:
– es braucht kein Heatplugger angeschafft werden, wenn ein US-gerät vorhanden ist
– Erwärmen/Verpressen der WF und Kondensieren mit einem Gerät möglich
– treibt die GP besser in Ecken und Nischen

Nachteile:
– Gefahr der Schartenbildung an der Kanalwand bei zuviel Leistung
– Hitzeentwicklung schlecht kontrollierbar
– Vorbiegen der US-Spitzen ist deutlich schwieriger bei Heatpluggern

Dieses System ist jetzt nicht neu, man muss auch nicht umsteigen, aber man kann in bestimmten Fällen die Guttapercha besser verpressen. Und man kann, wenn man ein US-Gerät in der Praxis hat, das System der vertikalen Kondensation ausprobieren ob es für einen selber Sinn macht auf warme vertikale Kondensation umzusteigen und sich dafür Geräte anschafft.

2 Gedanken zu „Vertikale Kondensation

  1. Eine Technik, die mir große Freude bereitet, schnell geht und, ich denke, sehr effektiv ist, wurde im Beitrag nicht erwähnt.
    Deshalb bitte ich um einen weiteren kurzen Kommentar zur Technik mit erwärmter GP auf einem Kunststoffträger, z. B. Thermafil.
    Dankeschön
    Elke

  2. Besonders bei der lat. „Kondensation“ hätte ich in Verbindung mit Ultraschall noch mehr Angst um eine Wurzelfraktur, aber ansonsten müßte man diese Varianten mal austesten. Knackpunkt dürfte aber sein, dass man zwar eventuell bis runter kommt und den apikalen Bereich der WF bearbeiten kann, aber dann hat man immer noch das Problem keine Backfill Pistole zu haben. Wie das Schilder im letzten Jahrhundert geschafft hat ohne diese ganze Technik :D… Oder könnte man für den Backfill auch durch kleine Gutta Stückchen im Kanal ersetzen und mit der Ultraschallspitze verpressen? Ich habe noch nie vert. Kondensation gemacht weil ich zur Zeit mit Guttacore sehr gute Ergebnisse einfahre (rein optisch jedenfalls auf dem Röntgenbild, von der klinischen Bewährung können wir erst in 10 Jahren wissen) und ich mir vert. K. ohne Mikroskop echt schwierig vorstelle.

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