von Hans – Willi Herrmann
Bei den 3 hier letzte Woche vorgestellten Fällen habe ich das gemacht, was ich immer tue.
Anästhesie, Kofferdam, Sondierung der Kanäle mit Handfeilen ISO 006 bis 010, Bestimmung der Wurzelkanallänge.
Danach Instrumentation mit einer VDW Reciproc 25- Feile auf Apex minus 0,5 mm in den Fällen, in denen sich die Wurzelkanallänge mittels Apexlokator einwandfrei und reproduzierbar bestimmen lässt.
In Fällen, in denen die Apexmessung zwar durchführbar, aber zu diesem frühen Zeitpunkt der Wurzelkanalbehandlung noch nicht eindeutig und reproduzierbar ist, Aufbereitung mit VDW Reciproc 25 auf Apex minus 2 mm unter permanenter Kontrolle mittels Apexlokator.
In Fällen, in denen es nicht möglich ist, mit den Handinstrumenten bis auf Apexlänge zu kommen, erfolgt zunächst eine koronale Aufbereitung mit der VDW Reciproc 25, danach apikale Sondierung mit Handinstrumenten bis ISO 010. Anschließend wie oben beschrieben der apikale Einsatz der VDW Reciproc 25 – Feile.
Gespült wurde intermittierend mit 3%iger NaOCl- Lösung, auf 50 Grad erwärmt.
Am Ende der Behandlung wurden die Wurzelkanäle mit Papierspitzen getrocknet und danach in jedem Wurzelkanal das Endox – Gerät mit jeweils einem Stromstoss apikal angewandt.
Im Anschluss daran Ledermix – Einlage mittels Ultradent Skinny Syringe- Spritze und Kanüle in die Kanäle appliziert.
Abdeckung der Wurzelkanaleingänge mit Teflon- Band.
Abschließend Verschluß der Trepanationsöffnung mit einer Fuji F9 – Glasinonomerzementfüllung.
Alle 3 Patienten waren am nächsten Tag beschwerdefrei.
Und sind es bis Ende der Behandlung geblieben.
Alle 3 Wurzelkanalbehandlungen wurden zwischenzeitlich abgeschlossen.
Der von unserer Seite obligatorische Anruf beim Patienten am Tag nach der Behandlung ergab, daß bei allen dreien die zum Teil über einen Monat lang vorhandenen Beschwerden, welche zum Teil starken Schmerzcharakter besaßen, verschwunden waren.
Für die Patienten wie von Zauberhand, insbesonders nach der langen Zeit.
Vor allem erstaunlich für diese im Hinblick darauf, dass ein Verschluss des Zahnes zwischen den Behandlungssitzungen als nicht zielführend eingestuft worden war und die Patienten dies im bisherigen Verlauf der Behandlung, wann immer der Versuch unternommen wurde, den Zahn zu verschliessen, als problematisch erlebt hatten.
Wo sind die Gründe für den Misserfolg zu suchen ?
Im Falle des Zahnes 47 wurde die vorhandene Krone abgetrennt.
Es fand sich eine zerbröselte Ausbaufüllung und Sekundärkaries. Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration aufgebaut.
Gab diese Maßnahme hier den Ausschlag ? Vermutlich nicht, denn der Zahn war ja ohnehin offen, da spielte vermutlich die undichte Krone keine Rolle. Ist der stabile, bakteriendichte Aufbau eine Grundvoraussetzung adäquaten Arbeitens ? Definitiv.
Im Falle des Zahnes 25 wurde die vorhandene Krone ebenfalls entfernt, um mehr Übersicht zu haben. Die vorhandene Krone war dicht und es gab keinen Hinweis für eine koronale Reinfektion durch die Krone, wenn man davon absieht, dass der Zahn einen Monat lang offen, die Trepanationsöffnung mit einem medikamentengetränkten Wattepellet versehen war.
Bei Zahn 44 wurde die vorhandene Krone (sie war relativ neu und zirkulär dicht, der Zahn kariesfrei) belassen.
An der bis dato durchgeführten Aufbereitung kann es in diesen Fällen sicher nicht gelegen haben. Die Wurzelkanäle sind in den Röntgenbildern einwandfrei zu sehen und schon röntgenologisch als erweitert zu erkennen. Intraoperativ zeigten sich in allen drei Fällen, dass die Aufbereitung auf jeden Fall soweit durchgeführt worden war im Vorfeld, dass eine ausreichende Wirkung der Spülflüssigkeiten und Medikamente vorausgesetzt werden kann.
Woran lag es also dann ?
An den eingesetzten Spüllösungen ?
Den verwendeten medikamentösen Einlagen ?
Am Offenlassen des Zahnes ?
Es gibt keinen Grund, darüber zu spekulieren, solange man weiss, daß die oben beschriebene Vorgehensweise funktioniert.
Dem Patient ist es ohnehin egal, Hauptsache, es wird ihm geholfen.
Denn – wie schon zu Beginn geschrieben – Zahnschmerzen sind grausam.
Und das vornehmste Ziel des Zahnarztes ist es, den Patienten von seinen – teils unerträglichen Schmerzen zu befreien und – ihm seinen Zahn zu erhalten.

Hallo Wurzelspitzeteam, ich weiß leider nicht wo ich diesen Kommentar posten kann, deswegen mache ich das hier, obwohl das nichts mit dem obigen Beitrag zu tun hat.
Ich finde die Beiträge zum Teil sehr interessant und lese sie gerne durch. Bis Ende Dezember konnte ich alle Beiträge vollständig in der mail lesen, die ich regelmäßig zugeschickt bekomme. Jedoch seit Anfang Januar ist der Beitrag in einer verkürzten Form in der mail vorhanden, so dass man nicht mehr den ganzen Beitrag lesen kann. Man muss nun immer von der Mail sich zur Wurzelspitzeseite klicken, um dort den vollständigen Artikel lese zu können. Dies ist sehr umständlich und bei mir leider nicht immer machbar. Deswegen kann ich nicht alle Beiträge lesen. Bitte macht doch diese Einstellung rückgängig, es war vorher viel bequemer und einfacher.
Vielen Dank, Elke.
Wir haben nichts geändert, vermutlich kam das von WORDPRESS.
Hallo HaWi,
Du schreibst bei der Frage nach der Ursache des Geschenens:
„Es gibt keinen Grund darüber zu spekulieren,…“
Dem kann ich so nicht zustimmen! Ganz sicher ist es wichtig, zu wissen, warum reziproc nicht gereicht hat und warum Endox funktionierte. Erstens könnte man auch die drei (3 von wievielen?) vielleicht mit einer anderen Vorgehensweise (z. B. SAF? Anderes Spülprogokoll?) von Vornherein vermeiden?
Zweitens sind durchaus Vorgänge denkbar, die sich auch mit Endox nicht schmerzfrei schalten lassen. Diese Fragen zumindest, sind für mich ein Grund.
Stephan
Die rege Beteiligung an diesem Post lässt mich vermuten, dass die sich Kollegen entweder nie mit solchen Situationen konfrontiert sehen, oder verunsichert sind, wie in solchen Situationen vorzugehen ist.
Ich hätte allerdings noch Verständnisfragen.
Ist es richtig, dass die Beschwerdesituation beim Vorbehandler bestand und nach der Thearpie bei Ihnen kontrollierbar wurde? Und geht es darum, wie mit der teils heikelen Frage der umfassenden Aufklärung insbesondere über die u.U. der „nicht optimale“ Therapie etwaiger Vorbehandler umgegangen wird?
Marcus Pittrof