von Bonald Decker
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen nach Frontzahntrauma stellt einen unserer Praxisschwerpunkte dar. Neben den zahnärztlichen Problemstellungen solcher Fälle sind die damit einhergehenden „kleinen und grossen“ Schicksale der Patienten häufig eine besondere Herausforderung. Durch meine eigenen Unfallerfahrungen inklusive Verlust zweier Scheidezähne im Alter von 13 Jahren ist mir dies alles leider selbst „bestens“ bekannt…
in diesem Zusammenhang möchte ich heute den 12 jährigen Marc und die Umstände seiner vor einiger Zeit erlittenen Zahnverletzung vorstellen.
Marc gab bei unserer Befragung an vor circa sechs Monaten beim Spielen einen Schlag auf einen oberen Schneidezahn erhalten zu haben, durch dessen Folge ein Stück Zahnkrone abgebrochen sei. Ferner habe es leicht aus dem Zahn geblutet und dieser war sehr kälteempfindlich. Die daraufhin aufgesuchte Zahnärztin habe dann die „Zahnwunde“ mit einem Zement abdeckt und den Zahn mit einer Kunstofffüllung aufgebaut.
Marc berichtete, dass er seit dieser Zeit zunehmende Schmerzen an dem betreffenden Zahn verspüre, die sich insbesondere beim Trinken und Essen erheblich verstärkten. Ferner fiel im auf, dass das Zahnfleisch zum Teil erheblich gerötet sei und immer wieder mal blutete. Grosse Sorge bereitete ihm ausserdem das zunehmende Schwarz werden des Zahnes und die damit einhergehenden Hänseleien in der Schule.
Klinisch stellte sich die Situation bei der Erstvorstellung bei uns wie folgt dar:
Eingeholte Informationen über die alio loco durchgeführte Behandlung besagten, dass es sich bei Marcs Zahnverletzung um eine komplizierte Kronenfraktur gehandelt habe. Die Pulpawunde sei daraufhin vor der Kompositrestauration mittels MTA abgedeckt worden.
Das von uns angefertigte Röntgenbild stellte die Situation so dar:
Radiologisch schien es sich um eine komplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur mit disloziertem distalen Fragment zu handeln.
Wir entschlossen uns daher nach Absprache mit Patient und Mutter sämtliche zahnärztliche Füllungsmaterialien inklusive Zahnfragment zu entfernen. Danach sollte die weitere Beurteilung der Situation erfolgen.
Das nach Abschluss dieser Behandlungsschritte angefertigte Röntgenbild (zusammen mit der klinischen Evaluation) führte dazu, dass sich ein grosser Kloß in meinem Hals bildete…
Alle von uns in Betracht gezogenen Behandlungsoptionen zur Zahnerhaltung (u.a. kieferorthopädische Extrusion oder chirurgische „Repostionierung“) wurden aufgrund der Schwere der Zahnhartsubstanzverletzungen und der Tiefe der Defekte verworfen…
sehr sehr schade für Marc!





Wo hätte der Defekt enden müssen, wenn ein Erhaltungsversuch unternommen werden könnte?
LGJ
Nicht ca 4mm subcrestal (dis-palatinal). Wo wäre für dich die Grenze gewesen?
lgc
Danke für die Erläuterung. Hast Du ein Bild von der klin. Situation passend zum letzten Rö?
LGO
Hallo Oscar,
leider hat Bonald nicht Deine Fotokünste und daher auch kein klinisches Bild.
vg.c
Lieber Herr Decker, es ist natürlich schwer über einen Zahn/Therapie zu diskutieren den man nicht selbst gesehen. Primäres Ziel ist aus meiner Sicht der Erhalt des Alveolarfortsatzes bis zum Alter von 20-25 Jahren. Sie haben ja die Therapiemöglichkeiten aufgezählt (KFO etc.). Von daher wäre aus meiner Sicht auch die 4mm subcrestale Frakturgrenze zwar ein hohes technisches Problem, aber lohnenswert, wenn nach entsprechender kieferorthopädischer Extrusion die verbliebende Wurzel den Alveolarfortsatz über Jahre erhalten könnte.
Dies als rein theoretische Überlegung ohne Kritik an Ihrer Entscheidung zu üben.
mfg E Kramer
Hallo Christoph,
ich kann Deine Bedenken verstehen und teile diese auch zu einem grossen Teil. Ich würde ein komisches Gefühl haben, denn wenn das Fragment schon so gross ist, wer weiss, wie weit die mechanische Schädigung der Wurzel tatsächlich fortgeschritten ist….. und ob man durch eine eventuelle Therapie womöglich einen weiteren, grösseren Schaden setzt. Chirurgische Intervention mit allen Risiken der Weichteilsituation…. Was wird denn jetzt weiter therapiert?
LGO
P.S.: kannst ja an die Uni überweisen ;-)))))
Hi Oscar.
Wie würde den deine Therapie (nur anhand des Rös) aussehen?
Vgc
1-2 mm subcrestal, da es palatinal ist wäre die zu erwartende Rezession tragbar, denke ich. was sind bessere Optionen als der Erhalt des Zahnes. 4mm ist allerdings ein Wort.
LGJ
Hallo Christoph,
es ist jetzt natürlich schwierig, die vorliegenden Fakten zu vergessen. Rein nach Rö würde ich schon den Verdacht hegen, dass sich der Knochen am Frakturspalt samt Gewebe zurückgezogen, zumindest entzündet hat. Wäre technisch sehr anspruchsvoll, den Versuch einer Kompositrestauration hätte ich dennoch gewagt. Zumindest eine Kompositschale, um mir die WB zu ermöglichen. Danach steht der Weg offen für einen Extrusionsversuch. Was spricht aus Deiner Sicht dagegen?
LGO
Warum wäre eine Extrusion nach Endo keine Therapieoption? Oder vielleicht doch ein möglicher Aufbau nach Aufklappung? Sollte nicht bei einem 13-jährigen alles versucht werden um den Zahn bzw. Knochen zu halten. Sicherlich sehr grenzwertig und etwas mühsam, aber was ist die Alternative. Extraktion, was dann? Oder wäre es evtl. eine Option die Wurzel (nach endodont. Therapie) zu belassen, quasi „submerged“.
Interessanter Fall! Wie ging’s denn weiter?
Gruß Christoph Benedikter