Handelt es sich um ein neues Instrument welches sich eingeschraubt hat oder führte Materialermüdung aufgrund mehrfacher Aufbereitungszyklen zum Worst Case?
Schließlich sitzt man vor dem Mikroskop und hofft das Altmetall mit etwas Glück und Geschick nach 30 Minuten entfernt zu haben. Und dann stellt man fest – Torsionsfraktur – das Instrument sitzt unter Spannung im Kanal und auch noch von bukkal nach oral gekrümmt.
Jeder der oft endodontisch tätig ist, hat eine solche oder eine ähnliche Situation schon einmal erlebt.
Es gibt diverse Hilfsmittel und Techniken die ich hier nicht alle erwähnen möchte. Die Schlingentechnik nach M. Arnold brachte einen Kollegen aus Ohorn/ Sachsen auf den Gedanken, diese Schlinge irgendwie flexibler zu gestalten. Und so kamen wir auf die Idee, einen Draht durch eine möglichst dünne Spülkanüle zu führen. Wenn man das zweimal schafft, entsteht am Austrittsende der Kanüle eine flexible Schlaufe, die man dann in der Art eines Lassos um dass Fragment legen kann und durch Zug an den beiden Enden strafft. Das Fragment drückt sich gegen das Ende der Kanüle und kann mit etwas Gefühl herausgezogen werden .
Soweit die Theorie.
In der Praxis stellten sich folgende Fragen: 1. Gibt es einen Stahldraht in entsprechend feiner Ausführung? 2. Kann dieser extrem dünne Draht eine ausreichende Zugfestigkeit aufweisen?
Die Recherche im Internet und Anrufe bei diversen Herstellern führten schließlich zur Firma „Feindrahtwerk Sassenscheid“. Dort wird ein säure – und rostbeständiger Sonderstahldraht mit dem Namen „W.-Nr. 1.4301“ und einem Durchmesser von unglaublichen 0,05 mm hergestellt. Das entspricht in etwa der Dicke eines menschlichen Haares. Die Zugfestigkeit wird mit ca. 2200 N/qmm angegeben.
Nachdem also ein entsprechendes Muster in der Praxis angekommen war, machte ich mich unter zu Hilfenahme des Mikroskops an das Fädeln. Die dünnste Kanüle mit der es gelang, war eine 0.3 mm Spülkanüle. Die Sterilisierbarkeit stellt so kein Problem dar und es ist sehr gut möglich, leichte Krümmungen oder Biegungen in die Kanüle zu bekommen. Die Größe der „ Lasso – Schlaufe“ lässt sich sehr gut regulieren.
Im nachfolgend dargestellten Fall handelte es sich um eine Torsionsfraktur einer Feile im mesiolingualen Kanal des Zahnes 47. Längeres Arbeiten mit dem US brachte keine Bewegung und da der Kanal und damit auch das Fragment stark nach bukkal gekrümmt war, führte die Spannung dazu, dass das sichtbare Fragmentende permanent gegen die linguale Kanalwand drückte.
So startete ich also einen Versuch mittels Lassoschlaufe. Da der Draht so super fein ist, liess er sich erstaunlich gut um den sichtbaren Fragmentanteil legen. Danach wird der Draht mit sehr viel Gefühl von der Assistenz mittels eines chirurg. Nadelhalters vorgespannt. Dann muss man leider ohne Sicht selbst vorsichtig eine ausreichende Spannung erzeugen und die Kanüle aus dem Kanal ziehen. Nach dem zweiten Versuch hat das im vorliegenden Fall zum Erfolg geführt und ich war sehr erstaunt, wie viel Zugkraft der Feindraht aushält.
Natürlich ist diese Methode der Fragmententfernug nur eine von vielen Möglichkeiten, aber – die entsprechende Situation vorausgesetzt – ist es sicherlich sinnvoll, sie einmal auszuprobieren.



Für mich eine sensationelle Entdeckung! Wo kann man den Draht in kleinen Mengen bekommen?
Sehr geehrte Damen und Herren,
interessante Technik, ein Beispiel dafür, dass wir uns immer wieder Problemlösungen einfallen lassen müssen, die individuell sind und nicht in einem Lehrbuch stehen. Aber das macht ja den besonderen Reiz unseres Berufes aus. Die Recherche bei der Fa. Sassenscheidt hat ergeben, das die Mindestabnahme 1 Kg. beträgt und das die „W“ Nr. 1.4301 spröder ist als die „W“ Nr. 4306. Können Sie dazu etwas beitragen? Herzliche Grüße
Jürgen D. Wettlauffer
Hallo Herr Widera und Herr Wettlaufer,
Vielen Dank erst mal für den super Tipp bezüglich des Drahtes. Ich habe die Firma Sassenscheid angerufen und 1 Kg des Drahtes 4306 entsprechen 66 Km. Ich habe jetzt eine Anfrage bezüglich einer kleineren Menge gestellt und warte auf eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Zoltan Kocsik
Ich habe nun Antwort von der Firma Sassenscheid. Sie wollten 200 € für 1Kg des Drahtes plus Fracht und Verpackung. Auf Anfrage nach 10-15 m kam die Antwort diese Lieferung würde 50 € plus Fracht und Verpackung. Dies entspräche einem Kilopreis von 330 000 €. Daher die Frage, ob bei mehreren Kollegen Interesse an diesem Draht besteht, da ich in diesem Fall die Spule kaufen würde und gerne kleinere Längen abgeben würde.
Mit freundlichen Grüßen
Zoltan Kocsik
Hallo Herr Kocsik.
ich habe bereits 5000 m Draht in der Praxis. Bittesenden Sie mir einen frankierten und mit Ihrer Praxisadresse versehenen Rückumschlag zu. Ich lasse Ihnen dann sofort 20 m Draht zukommen.
Herzliche Grüße aus Leipzig
Nils Widera
Guten Abend, gilt Ihr Angebot bzgl. des Drahtes noch?
Ich würde gerne 20m nehmen!
Besten Dank
Marc Weber
Ich nehme gerne eine Portion ab.
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Hallo Herr Widera,
ich wollte diesen Beitrag nicht unkommentiert lassen. Ich finde Ihre Modifikation der Arnoldschen Schlingentechnik sehr sehr gut und werde das gleich ausprobieren.
Danke für Ihren Tipp,
Harald Vögele
Hallo Herr Wettlaufer,
da ich nur den wohl etwas spöderen Draht …..301 in der Praxis habe kann ich zu den individuellen Unterschieden in der Handhabung nichts sagen.
Und sollten Sie , Herr Gerland, eine kleine Probe benötigen ( 10 m verbraucht man nicht so schnell) senden Sie mir bitte einen frankierten und mit Ihrer Praxisadresse versehenen Rückumschlag zu. Ich lasse Ihnen dann eine Probe zukommen.
Herzliche Grüße
Nils Widera