Athmosphärische Störungen

von Hans – Willi Herrmann

18. April.
Sonntag abend. 19.50 Uhr.

Die Abendsonne wärmt nicht mehr, aber immerhin, sie scheint.
Strahlend blauer Himmel.
Keine Wolke bis zum Horizont. Der Kuckkuck ruft. Ich greife reflexartig in die Hosentasche.  Geld dabei.
Glück gehabt.

Und in diese Stille hinein (zum ersten Mal seit  einer gefühlten Ewigkeit) ein  Düsenjet , der  seinen solitären Kondensstreifen am Himmel hinterlässt.

Gott sei Dank. Sie fliegen wieder.
Gerade noch mal gut gegangen.
Denn Jörg und ich  wollten ja mit Christoph, Glenn und Holm nach Moskau. Zur Endo Show 2010. Und durch “Eljafallakackakall”, dem putzigen Vulkan auf Island, dessen Namen zu merken, mir zu blöd war und den ich auch nicht googlen werde, stand dieses Vorhaben auf der Kippe.

Jetzt allerdings, nachdem die Flugzeuge wieder unterwegs waren, würde bis Donnerstags abends, dem Termin unseres Abfluges, wieder alles im Lot sein  im europäischen Flugverkehr.

Montags – wider Erwarten, weiterhin Flugverbot.

Es folgten zwei Tage die irgendwo zwischen “Das wird schon…” und “Die werden doch hoffentlich nicht…” hin und herpendelten.
Fliegen sie jetzt oder fliegen sie nicht ?
Keiner wusste es. Weshalb Glenn van As aus Vancouver / Kanada seine Anreise irgendwann Dienstagmorgen absagte.

Dann – am Mittwoch, auch für uns die Hiobsbotschaft.
Der Hinflug wird gestrichen.

Was nun ?
Ein Ersatzflug musste her. Und zwar schnell.
“Freitags läuft alles wieder wie geplant”, hieß es. Gerüchteweise. Bei SWR 3.

Kein Durchkommen bei der Lufthansa. Auskünfte ? Fehlanzeige.
Das Telefon, wen wundert es – pausenlos besetzt.
Dabei war zu vermuten – wer nicht schnellstens  einen Flug für freitags bekommt, der kriegt vermutlich keinen Sitzplatz mehr.

Irgendwann, nachmittags, dann eine freie Leitung. Vorsichtige Anfrage, dann die   gute Nachricht: Es gibt noch Plätze im Flieger von Freitag vormittag.

Der Preis. 1002 Euro Aufpreis. “Das ist dann Business Class, weil in der Economy nichts mehr frei ist”, frage ich.
Weit gefehlt.

Das ist der Preis für Economy. Nennt sich Economy Plus. Oder so ähnlich. Und bedeutet. Preis wie Business –  Class, aber nur Leistungen der Holzklasse. “Wieso eigentlich Mehrkosten”, frage ich die nette Lufthansa – Mitarbeiterin. Hieß es nicht ohne Umbuchungskosten in den Medien ? “Das ist richtig”, sagt die Dame. “Es entstehen keine Umbuchungsgebühren. Nur der Mehrpreis ist von Ihnen zu zahlen”.
“Aha”, sage ich und dann erst mal nichts mehr.
“Sie können aber auch gerne ihr Geld sich zurückzahlen lassen, kein Problem”, sagt die freundliche Dame und das so ansatzlos, dass man davon ausgehen konnte, dass sie dies am heutigen Tag  nicht zum ersten Mal gesagt hat.

Naja, so läuft das halt, nennt sich Marktwirtschaft und ganz ehrlich,  ich hatte nichts anderes erwartet, alles darüber hinaus, wäre naiv gewesen, zu glauben.

Aber – liebe Lufthansa. So etwas bleibt sehr sehr lange negativ in Erinnerung. Die Art und Weise, wie hier agiert wird, ist legitim und marktgerecht, macht aber alles an Sympathiebonus kaputt, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Da helfen dann auch keine “Flugmeilen” mehr. Etwas weniger Gier, etwas mehr Taktgefühl  an dieser Stelle wäre sicherlich das bessere Investment gewesen.

Aber das nur am Rande. Jetzt heißt es: Augen zu und durch.
Jörg hat schon gebucht. Ich buche ebenfalls. Es ist Mittwoch nachmittag, 14.00 Uhr.
Alles wird gut.

Dann der Mittwoch abend.

Mail von Expedia.

Ein Flug wird storniert.
Schnee von gestern.  Mein Flug ist sicher. Deshalb überfliege ich  die Mail nur mit einem Auge und es trifft mich fast der Schlag.

Mein Hinflug findet statt.
Wie geplant.
Die teure Umbuchung wäre also  nicht notwendig gewesen.

Stattdessen ist nun der Rückflug gestrichen. Der Rückflug, der bei meiner teuren Umbuchung beibehalten wurde.

Wieder 60 Minuten Warteschleife.
Dann ein netter Mitarbeiter am Telefon.

Es bedarf ein paar Minuten, die verzwickte Lage zu erklären.
Zuletzt die beruhigende Auskunft. Wenn ich den  1300 Euro Economy – Flug nehme, ist der Rückflug garantiert.
Und dabei bleibt es auch.

Freitag morgen. 11. 30 Uhr.
Jörg und ich sitzen eingeklemmt in der Holzklasse im Airbus nach Russland.

Moskau, wir kommen.

Kommentar verfassen