Sechs kleinere und größere Helferlein, ohne die ich nicht mehr arbeiten möchte.

von Lothar Pröbster

Heutzutage heißen ja Dinge, ohne die man nicht mehr auskommt, oder nicht mehr auszukommen glaubt, „must haves“, und genau solche möchte ich heute einmal beschreiben. Für den einen oder anderen sind das wahrscheinlich olle Kamellen, aber bei meinen Kursen erlebe ich immer wieder, dass manches noch nicht jedem bekannt ist.
All diese Dinge habe ich nicht selbst erfunden, sondern auch von anderen kennengelernt, weswegen ich die Autoren der Wurzelspitze aufrufe, ihr Erfahrungsschatzkästlein zu öffnen und ihre „must haves“ preiszugeben.

Oszillierende Diamantinstrumente:
Bei praktisch jeder approximalen Kavitätenpräparation, egal ob Keramik oder Komposit verwende ich die KaVo-Spitzen Nr. 51 und 52 nach B. Hugo. Diese beiden Spitzen sind mir die liebsten, weil sie so vielfältig einsetzbar sind, denn durch die oszillerende Arbeitsweise kann jede Oberfläche, die erreichbar ist, bearbeitet werden. Für Vollkronenpräparationen verwende ich das Massironi-Instrument von Komet (Komet SF 979), für Schulterpräparationen gibt es leider nichts Ideales, die Instrumente nach O. Ahlers sind verwendbar (Komet SFD7, SFM7). Für seitlich-approximale Minizugänge sind die halbkugelingen KaVo-Spitzen Nr. 30 bis 33 sehr schön (ähnliche gibt es auch von Komet).(Abbildungen OszDia1-3)

12d Skalpell:
Das 12d-Skalpell benützte ich fast immer, wenn ich mit Komposit arbeite, bei Kompositrestaurationen, Keramikinlays und Keramikteilkronen: Überschüsse und Randleisten lassen sich weg- und zurechtschnitzen, ohne daß Zahnhartsubstanz beschädigt wird und ohne daß Riefen und Rillen entstehen.(Abbildungen Skalpell12d-1, Skalpell12d-2)

Universalkurette „Syntette LM 215-216M XSi“:
Ich liebe gerade dieses Modell von LM-Dental aus Finnland, weil die Arbeitsenden so schön klein sind wie bei einer after-five, ich aber mit einem einzigen Instrument praktisch alle Flächen bei allen Zähnen erreiche. Ich will parodontologisch, nicht instrumentologisch tätig sein und nur zwei Arbeitsenden anstelle von 14, wie bei den Gracey-Kuretten, aufschleifen zu müssen, ist ein Segen.(Abbildungen Kurette1, Kurette2)

Ceri-Saw:
Die Ceri-Saw von Den-Mat habe ich vor vielen, vielen Jahren, noch zu meiner Klinikzeit aus Amerika mitgebracht und, als sie noch nicht in Deutschland erhältlich war (wird mittlerweile von American Dental Systems vertrieben), gehütet wie meinen Augapfel, weil damit der ausgehärtete Kompositrest im Approximalraum von Keramikinlays ausgespielt hat (das Herumgefutschle mit Zahnseide habe ich nie leiden können). Aber Vorsicht, der Kompositrest gibt beim Durchsägen manchmal schlagartig nach und wenn kein Kofferdam gelegt ist, kann man dann die bis auf den Knochen gespaltene Papille mit 8/0-Faden nähen.(Abbildungen CeriSaw-1, CeriSaw-2)

Gripit:
Gripit (Vertrieb: Hager-Werken) habe ich schon 1984 bei meinem ersten Chef als „Almore Crown and Bridge Remover“ kennengelernt. Es macht einfach Spaß, manchmal drei oder vier provisorisch befestigte Kronen in einem Arbeitsgang herauszunehmen. (Abbildungen Gripit-1, Gripit-2)
VarioSurg Piezochirurgie-Gerät:
Ein echter „Stress-Breaker“ , der wahrscheinlich das Herzinfarkt-Risiko signifikant senkt, ist das Piezo-Chirurgiegerät, weil kaum noch eine abgebrochene Wurzelspitze zur Aufklappung mit lateraler Osteotomie führt. Das Heranpräparieren an die Sinusmembran beim Sinuslift dauert zwar länger, aber die Perforationsgefahr ist viel kleiner, was wiederum enorm blutdrucksenkend wirkt. Es ist in der normalen zahnärztlichen Praxis möglicherweise rein betriebswirtschaftlich kritisch zu sehen, aber unter dem oben genannten Präventionsaspekt durchaus lohnend. (Abbildung PiezoSurg)

11 Gedanken zu „Sechs kleinere und größere Helferlein, ohne die ich nicht mehr arbeiten möchte.

  1. Ich würde die Empfehlung mehr in Richtung Kavo Spitzen 49+50 geben für Komposit, stärkere Anschrägungen kann man damit leichter erreichen. Außerdem ein billiges eBay Airflow Handy mit Aluminiumtrihydroxioxid um den Zahn vor jeder Füllung zu reinigen, bewirkt auf lange Sicht deutlich schönere Ergebnisse. Zur approximalen Überschussentfernung – nachdem man mit der Säge durchgegangen ist – nutze ich auch sehr gerne die perforierten Stahlstreifen von GreKo Dental, sind die günstigsten am Markt. Die Prophylaxedame freut sich auch die zu haben….

    • Hallo Gregor,

      Aluminiumtrihydroxioxid … habe disher nur bei David Clark bei seiner Komposit Fortbildung gehört. Wo kaufst du das Aluminiumtrihydroxioxid ein?

      • Hallo Georg! Du hast David Clark bei einer Komposit Fortbildung in Deutschland gehört? Welche Veranstaltung war das? Würde den auch gerne mal in persona ein paar Fragen stellen oder lauschen wollen.

        Zu deiner Frage: einfachstes Cavitron Jet-Fresh Pulver von Hager & Werken. Sehe auch gerade das ich das Aluminiumtrihyroxid etwas in die Länge gezogen hatte :D… Hauptsache kein Natriumhydrogencarbonat, das versaut das Dentin.

          • Ja, die Seite hatte ich auch schon gesehen, aber ich habe aktuell soviel um die Ohren das ich selbst gratis Webinare usw. nicht mal schaffe, da lohnt es sich gerade nicht die Premium Mitgliedschaft zu buchen. Trotzdem danke!

    • Wenn man die Säge braucht ist der Kontakt entweder verklebt oder so eng, dass er nach Passierung immer noch zu straff sein wird, aber immerhin kommt man jetzt mit diamantierten Stahlstreifen zwischen und kann arbeiten… Meine Mädels verlieren nur ständig den Beutel mit den Ersatzblättern, dann muss man genervt rein mit den Fingern die Sägen von anderen Anbietern nutzen und dabei sehr auf die Lippen der Patienten aufpassen…

      • Der Approximalkontakt wird, da es sich um ein gezahntes Stahlband handelt nicht geschädigt oder reduziert. Es wird nur der Kompositrest durchgesägt. Mit einem diamantiertem Streifen würde ich bei einem Keramikinlay nicht arbeiten, wie soll denn dann die angeschliffene Keramikoberfläche poiliert werden. Wenn man mit Kofferdam arbeitet, wie von mir erwähnt, passiert den Weichgeweben nichts, anderenfalls muß man wirklich sehr aufpassen.

  2. Hallo, die Kürette finde ich interessant – wo beziehen Sie diese her? Ich konnte leider genau DIESE nicht finden.

    Beste Grüße

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