von Hans – Willi Herrmann
Jeder von uns kennt das.
Hat sich schon mal geärgert über eine Unzulänglichkeit im Behandlungsablauf.
Und spontan eine Idee, einen Geistesblitz, wie man mit einem speziell hierfür zugeschnittenen Gerät/Instrument die unbefriedigende Situation verbessern könnte.
Fast immer bleibt es dabei.
Zu schwierig die Umsetzung.
Ganz selten gibt es Kollegen, die ihre Vision soweit vorantreiben, dass diese in dieTat umgesetzt und als fertiges Produkt auf den Markt gebracht werden kann. Vier davon möchte ich mit ihren Erfindungen hier kurz vorstellen. Erfindungen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Produktentwicklung befinden, alle entweder kurz vor oder nach Markteinführung.

Entweder man findet es angesichts bereits vorhandener Kofferdamrahmen entbehrlich oder auf Grund seiner Features gegenüber den konventionellen Produkten unverzichtbar. Solche Ideen haben es schwer, einen Industriepartner zu finden. Zu sehr dominieren die „3 D“ („Das haben wir schon immer so gemacht, Das haben wir noch nie so gemacht, Da könnt ja jeder kommen“) in den Köpfen der Entscheidungsträger. Um so größer mein Respekt vor der Leistung Stephan Gäblers, diesen besonderen Kofferdamspannrahmen auf den Weg zu bringen.
Winfried Zeppenfeld konnte hingegen auf professionelle industrielle Unterstützung zurückgreifen. Sein Instrumentenansatz zur Schallirrigation von Wurzelkanälen wird in wenigen Wochen von der Firma VDW als „Eddy“ auf den Markt gebracht werden. Ein industrieller Partner ist de facto von großem Vorteil. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung und Herstellung des neuen Instrumentes per se, sondern darüber hinaus um die Erfüllung und Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Auflagen, die zur Produkteinführung notwendig sind. Immerhin handelt es sich zumeist um ein Medizinprodukt, an dessen Zulassung eine Vielzahl von Reglementationen gebunden sind. Hier ist ein entsprechendes Know How und die zur Abwicklung dafür notwendige Manpower ungeheuer wichtig. Ein „Greenhorn“, und genau zu dieser Personengruppe ist der ideenreiche Zahnarzt zu zählen, wird sich an diesen Formalien extrem schwer tun.
Der Haken an der Sache – eine Beteiligung der Industrie wird umso eher erfolgen, je attraktiver und- machen wir uns nicht vor – damit lukrativer ein neues Produkt erscheinen mag.
Das genau ist das Manko der nächsten Erfindung, die ich vorstellen möchte.
Nils Widera und Marcus Leineweber haben sich ein Hilfsmittel erdacht, das in der Tat bislang einzigartig ist. Weil es im Gegensatz zu den beiden zuvor besprochenen Erfindungen nicht nur etwas besser als bisher bewerkstelligt, sondern etwas zu leisten vermag, für das es bislang in dieser Form nichts Vergleichbares gab.
Worum handelt es sich ? Um ein Gerät, mit dem es leichter und vor allem selbst in bislang schier hoffnungslosen Fällen möglich ist, Instrumentenfragmente aus Wurzelkanälen zu entfernen.
Die Gretchenfrage ist: Wieviel Geld kann eine Firma mit einem solchen Gerät verdienen ?Wer kauft so ein Gerät ? Wie groß ist überhaupt der Markt für diese Erfindung? Was darf das Instrument kosten, um Marktakzeptanz zu finden ? Ist der Markt groß genug, dass sich eine solche Entwicklung lohnen würde, den Prozess bis zur Marktreife durchzuführen?
Das kann man unterschiedlich sehen.
Die traurige Wahrheit ist allerdings: Bei mehreren Firmen vorgestellt fand sich kein Industriepartner, der das Wagnis der Produktentwicklung eingehen wollte. Nach vielen frustranen Erfahrungen haben die beiden Zahnärzte- Erfinder letztendlich beschlossen, dass Projekt allein auf den Weg zu bringen. Ich drücke beide Daumen, dass es gelingen mag, denn ich würde das Gerät sofort kaufen. Mehr dazu demnächst hier im Rahmen eines Praxis- Erfahrungsberichtes, basierend auf dem Arbeiten mit einem ersten Prototypen.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma, zumindest was eine notwendige Startfinanzierung angeht, zeigt die 4. Erfindung auf, die ich hier heute präsentieren möchte.
Auch hier von unserer Seite zweimal Daumen hoch für die Wawibox, damit das Crowdfunding ein Erfolg wird, denn dies wäre ein positives Signal für andere Erfinder, einen gangbarer Weg zu kreieren, die eigenen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.
Wir sind gespannt.
Ein schwieriges Thema, und aus eigener fehlgeschlagener Erfahrung auch teilweise enttäuschend und anstrengend, sei es weil entweder an willigen Herstellern/ Sponsoren fehlt, oder gar unerkannt schon Lösungsansätze von anderen Kollegen angegangen wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass man heutzutage aufpassen muß, mit wem man darüber redet oder was man veröffentlicht. Ich kenne den Fall wo jemand ein Paper veröffentlich hat mit einem neuen Produkt (anderer Beruf), und noch nicht das Patent darauf angemeldet hatte weil er dachte das es nicht so dringend wäre, nur um dann bei der Patentanmeldung kurz Zeit später zu erfahren, dass jemand anderes SEIN Produkt patentiert hat – und aktuell im Jahr damit €50.000-60.000 verdient. Sehr ärgerlich sowas. Auch ist die Nische meistens so klein bei der Endodontie – z.B. für ein Fragmententfernungsgerät- dass eine Kleinserie mit zu hohen Einzelkosten aufwartet, und nicht die breite Anwendung findet die gebraucht würde um eine Serienfertiung zu ermöglichen.
Optragate ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung von einem Kollegen, und die Erfindung wird sicher hundertfach an Tag Weltweit eingesetzt (was man sich im Umkehrschluß für ein Fragmententferungsgerät NIE wünschen würde!!!!).
Manchmal sind es auch nicht 100% neue Erfindungen die den Alltag erleichtern, sondern Modifikationen. Wie ist es damit? Wir brauchen Innovation, wir brauchen frische Ideen, anders werden Probleme aus der Vergangenheit Probleme der Zukunft bleiben.
In dem Sinne: Bitte weiter Erfinden!
Danke und Gruß,
Gregor
Zumindest für die Materialplatform gibt es in den USA bereits etwas vergleichbares.
https://ghmouse.com
Herzliche Grüße
Oscar