Was raus muss, muss raus – Teil 1

von Bodald Necker

Eines vorweg.
Das ist kein Fall, den ich als Heldentat bei einem der einschlägigen Fachmagazine einreichen würde. Aber er zeigt, was „aggressives Abwarten“ mit sich bringen kann. Deshalb wollte ich Ihnen den 26 nicht vorenthalten. Es zeigen sich auf dem Rö auch noch andere Baustellen, wie ein 2-kanäliger 5er, ein 3-kanäliger 4er und eine WSR am 7er, die sind hier aber nicht das Thema.

Dieser 26 hat schon eine lange Endo-Karriere hinter sich. Das erste mal gesehen hab ich ihn 2001. Da kam er in die Praxis mit einer Endo, an deren Handschrift man der Vorbehandler kannte. Ein Molar, der mit 2 Silberstiften, und sonst mit nichts Sichtbarem gefüllt ist, kommt nur aus einer Praxis im Landkreis.

Silberstifte

Silberstifte

Er machte Probleme. Also Revision.
Silberstifte frei gelegt und mit der Pinzette raus gezogen. Fertig. Zumindest die Entfernung der gesamten WF.

Die Aufbereitung war nicht so einfach. Ein Mikroskop hatte ich damals auch noch nicht zur Verfügung. Kurz, die WF war nicht das was man sich so vorstellt. Der Zahn kam trotzdem zur Ruhe. Zumindest für einige Zeit. Nach 2 gut Jahren fing er an zu fisteln. Erneute Revision. Die mb-Wurzel sah nicht gut aus. Eine Längsfraktur war nicht aus zu schließen. Der Patient bestand auf WF und den Versuch des Zahnerhaltes. Ziehen könne man ihn ja immer noch.

Z.n. 2. Revision

Der Zahn gab wieder Ruhe. Längere Zeit. Dann hin und wieder eine Fistel, mal ein Missempfinden, mehr nicht. Größtenteils keine Probleme.
Hinweise auf Knochenverlust und Schädigung eines Implantatlagers konnte den Pat. nicht zur Extraktion bewegen.
So vergingen die Jahre. Kaufunktion war zwar eingeschränkt, aber das hat nicht gestört.

Vor Weihnachten stand der Patient vor meiner Tür und übergab mit breit grinsend ein Bild:

„Weisst Du, was das ist?“

„Nein.“

„Das ist die Wurzelfüllung aus meinem oberen linken 6er, den Du schon immer ziehen wolltest.“

„Und wo hast Du die her?“

„Hatte wieder mal eine Fistel. Und nachdem die Fistel aufging, stand was raus. Das hab ich dann mit der Pinzette rausgefischt. Die Wurzelfüllung kannst Du haben, aber Zahn behalt ich noch.“

excorporierte Wurzelfüllung

Jetzt fragen Sie, liebe Leser: „Wo ist das aktuelle Röntgenbild?“
Ich habe leider noch keines, da der Patient seit dem noch nicht in der Praxis war.
Es tut ja nicht weh ;-)

Ich werde es nachreichen.
Vielleicht krieg ich den Zahn (oder was davon übrig ist)  ja doch noch…..

Ein Gedanke zu „Was raus muss, muss raus – Teil 1

  1. Hallo Bodald,

    ich bewundere Deinen Langmut mit diesem Patienten. ;-) Unglaublich, mit welcher Ignoranz manche Menschen ihre eigenen Zähne behandeln. Im juristischen Bereich gibt es den Terminus „Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten“. Dieser wird oftmals als Maßstab für Sorgfaltspflichtverletzungen angelegt. Mit dieser ist es bei diesem Patienten, jedenfalls was seine Zähne betrifft, leider nicht sehr weit her…

    Beste Grüße

    Haya

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