von Ronald Wecker
… ist in manchen Fällen nur mit Umwegen zu erzielen.
Besonders erschwerend ist es, wenn die prothetische Krone eines endständigen Zahnes vor der eigentlichen endodontischen Therapie entfernt werden muss. Wie zum Beispiel bei Zähnen mit massiven gegossenen Stiftaufbauten. Ist der Zahn zudem im Sinne einer ausgeprägten Hohlkehle- oder Stufenpräparation beschliffen worden, hilft manchmal auch nicht der Griff ins Kofferdamklammer-Trickkistchen.
Ein präendodontischer Aufbau muss her.
Nach Lokalanästhesie wird zunächst die die Präparationsränder bedeckende Gingiva entfernt, bevor das Arbeitsfeld relativ trockengelegt wird. Dazu reichen bei guter Hämostase ein in den Sulkus platzierter Retraktionsfaden sowie ein paar Watterollen meist völlig aus.
Nach „Anfrischen“ der Zahnhartsubstanz und einer gewissen Reduktion des Stiftaufbaus wird mittels hochviskösem Komposit und unter Verwendung eines Dentinadhäsivs in vielen Einzelschritten eine zirkuläre Wulst angetragen. Im Idealfall gelingt dies ohne die in diesem Fall mesial zu beobachtenden Unregelmässigkeiten.
Nach Auswahl einer passenden Klammer kann im Anschluss Kofferdam platziert und die eigentliche endodontische Behandlung begonnen werden. Beim Aufbau mit Komposit muss nicht darauf geachtet werden den Stiftaufbau nicht zu „bekleben“, da es unter dem Dentalmikroskop ein Leichtes ist den Stift aus dem Aufbau herauszuarbeiten.
Über die in diesem Fall sehr interessante anatomische Variante eines c-förmigen Kanalsystems an einem oberen Moralen wird hier auf Wurzelspitze an anderer Stelle berichtet werden. 3D Diagnostik inklusive.

Wie heisst das Komposit?
Ist auf dem Bild leider nicht zu sehen.
Estelite Low Flow von Tokuyama
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Lieber Ronald,
ist dies Estelite Flow?
Herzliche Grüße
Marc
Ja genau dieses.
Gruss Jörg
P.S. Herzliche Grüße vom wieder genesenden Ronald soll ich ausrichten.
Zum wiederholten Male wird die zirkuläre, prä-endodontische Flow-Wurst vorgestellt. Und genau DAS finde ich an dem Blog so gut: Durch Wiederholung und Darstellung an Hand unterschiedlicher Fälle ist der Lerneffekt für den Leser optimal gegeben und die Kniffe bleiben im Gedächtnis. Spätestens jetzt werde demnächst auch ich zum Wurstmacher :) Schönes Wochenende.
Viel Spass beim Aufbauen. Geringe Mengen auftragen und mit einer Sonde das Material dahin ziehen, wo es stehen soll. Lieber ein wenig Zeit ins Modellieren, als ins Ausarbeiten investieren.
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Wird der oben geschilderte, präendodontische Aufbau später wieder entfernt?
Alternative: Stiftaufbau entfernen, Kanaleingänge mit Kerr Life abdecken, konfektionierte Stahlkrone mit Fuji Plus zementieren (ein Tropfen weniger Flüssigkeit (z. B. 8 statt 9) macht eine festere Konsistenz u. beschleunigt das Abbinden). Fuji Plus klebt gut und ist sehr schnell hart, so daß man es gleich nach Zementieren trepanieren u. die Krone mit Kofferdamklammer belasten kann. Nach Abschluß der Endo kann man die Krone eine zeitlang belassen oder nach Auftrennen entfernen und bekommt dann mit Ultraschall die letzten Fuji Plus-Reste meist entfernt, ohne noch zusätzliches Dentin zu verlieren.
Hallo Michael,
das ist sicher auch eine funktionierende Methode. ich präferiere den reinen Kompositeaufbau, da er, weil metallfrei, keine Interferenzen bei der Endometrie entstehen lässt. Gerade bei kleinster Mundöffnung ist es ansonst deutlich schwerer den Kontakt des Endoinstrumentes mit dem Metall der Krone leicht zu vermeiden.
In gezeigtem Fall ist die breite äquigingivale Präparation und das „C“ ein weiterer Grund für mich so zu verfahren, weil ich exakte Kontrolle über die noch verbleibende Aufbauschichtstärke habe. Der Aufbau wird in den meisten Fällen durch Präparation entfernt, bevor die provisorische Krone nach Obturation eingegliedert wird. Durch den adhäsiven Verschluss müssen die überweisenden Kollegen zudem nicht erst über einen Aufbau nachdenken. Bei zweizeitigem Vorgehen und endständigem Zahn ist aber auch denkbar, den Aufbauwulst, leicht reduziert, bis zum zweiten Termin zu belassen, um einen erneuten Aufbau zu umgehen. In der Front ist dies jedoch manchmal unumgänglich. Die gegossenen Stifte entferne ich immer unter Kofferdam, daher auch das gezeigte Vorgehen.
Aber wie schon oben erwähnt: Auch Dein geschildertes Vorgehn ist praktikabel.
Herzliche Grüße
Jörg
Wie und womit macht denn Ronald Wecker die Fotos am Mikroskop
Grüße
Friedrich
Hallo Friedrich,
was meinst Du mit „Wie“?
Womit: Carr-Fotospiegel, Xenon 180 W,Nikon Coolpix 4500, Fernauslöser und ein Zahn. ;) Also nichts Neues, bei mir.
Herzliche Grüße
Jörg