Was Zeiss von Porsche lernen kann

von Hans – Willi Herrmann

Sie haben es vielleicht gelesen vorletzte Woche, ich war auf einem HNO – Kongress in Mainz, um mir ein neues Mikroskop anzuschauen.

Der Kongress ging von Donnerstag bis Samstag.
Ich war am ersten Tag da, bereits um 10 Uhr morgens.

Noch war alles ruhig, die HNO – Mediziner zumeist in den Vorträgen, demnach war die Industrieausstellung angenehm leer.
Von langen Schlangen und Gedränge keine Spur.

Ich war schnell fertig bei Atmos und gerade auf dem Weg zu Morita, als mir  am nicht zu übersehenden und von der Aufmachung her sehr gelungenen ZEISS -Stand das ZEISS HNO Top – Modell Vario 700 ins Auge fiel.

Das nur als Vorabinformation, um das Nachfolgende einordnen zu können.
Eine Ausrede, man sei am Ende eines langen Messe- Marathons, wie es an einem Samstag nachmittag auf der IDS nachvollziehbar wäre, kann ich in diesem Falle nicht gelten lassen.

Ich trat also näher an das ZEISS Vario 700 heran, betrachtete und inspizierte es genauer. Ein ZEISS- Mitarbeiter kam herbei und  erkundigte sich, ob ich Interesse hätte an einem solchen Mikroskop.

Ich nickte zustimmend, gab aber zugleich an, dass ich kein HNO-ler, sondern Zahnmediziner sei und bereits 2  ZEISS- Mikroskope besäße.
Im Laufe des Gesprächs kam dann noch zur Sprache, dass ich ein Pro Ergo und ein  Pro Magis besitze und seit 1997 mit dem Mikroskop arbeite.

Wir fachsimpelten ein wenig über die Vor- und Nachteile des aufgebauten Gerätes, sprachen danach über die Möglichkeit der Vakuumabsaugung des Steril- Drapes beim ZEISS Pentero und ich  fragte  nach dem ZEISS Movena und wie denn ein solches Mikroskop im Vergleich zum Vario 700 preislich liege.

Ich hatte das ZEISS Movena -Mikroskop zum ersten Mal etwa 2 – 3 Wochen zuvor bei Jadent / Aalen gesehen und vom ersten Eindruck her  für mich als eine günstigere Alternative zum Pro Ergo eingestuft. Jedenfalls wesentlich eher als ein ZEISS Pico, dass normalerweise als Einstieg angepriesen wird, und welches für mich nie als Alternative zum Pro Magis / Pro Ergo in Frage gekommen war.

„Was kostet denn das Movena ? „, fragte ich.

„Mehr als ein ZEISS Pico“, war die knappe Antwort.

Was für eine Antwort ??? Ich war verblüfft. Konnte es nicht glauben. Der Verkäufer hatte offensichtlich keinerlei Interesse, sich um mich als potentiellen Kunden zu bemühen. Er gab sich nicht einmal die Mühe, sein Desinteresse nicht auffällig werden zu lassen.

„Das war mir klar“, entgegnete ich, „ich hätte aber gerne gewußt, was ein  Movena genau koste.

„Das müsste ich extra in der Preisliste nachschauen“, antwortete der ZEISS – Mitarbeiter, bewegte sich dabei keinen Millimeter und die Art, wie er es sagte, stellte unmissverständlich klar, daß er dies auch auf keinen Fall tun wolle.

Vorurteile wollen offensichtlich gepflegt werden. Der Firma Zeiss haftete in der Vergangenheit der Ruf an, arrogant im Umgang mit ihren Kunden zu sein und sich wenig  um die Belange und Wünsche der Zahnärzte zu kümmern.
Seit ein paar Jahren stelle ich fest, dass im Management und im Bereich der Führungsebene versucht wird, diesen angeknacksten Ruf von ZEISS wieder zurechtzurücken. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass man genau dort überdurchschnittlich viel und voller Engagement tut, um ZEISS  den Status im Bereich Kundenbetreuung wiederzugeben, den die Firma in früheren Jahren und, meines Erachtens die Qualität ihrer Produkte betreffend, noch immer inne hat.

Wie schade, wenn solche Bemühungen an der Basis kontrakariert werden.
Meinen ursprünglichen Wunsch nach einer Probestellung des ZEISS Movena habe ich  nicht mehr vorgetragen.

Was kann nun ZEISS von Porsche lernen ?

Einer meiner Patienten, Herr Müller-Maier-Schmidt, Chef eines florierenden Sanitärinstallationsbetriebes, sah auf dem Weg zu einem Kunden  die nagelneue Audi A6 Limousine im Schaufenster des Audi – Händlers stehen, auf die länger schon gewartet hatte. Vermutlich sein nächstes Auto. So hatte er es fest vor.
Er ging hinein, um sich das Auto anzuschauen, wurde aber auf Grund seiner Dienstkleidung, bei uns sagt man „Schaffklamotten“ dazu, vom dem ihn beratenden Verkäufer mit arroganter Herablassung gestraft.

Man ließ sich kaum dazu herab, Auskünfte zu erteilen. Ähnlichkeiten mit besagtem ZEISS – Mitarbeiter sind vermutlich rein zufällig, aber nicht von der Hand zu weisen.

Herr MMS, der alle seine Firmenwagen und seine Privatautos bisher in diesem Autohaus der VW – Gruppe  gekauft hatte,  verliess das Autohaus mit der festen Absicht, dort in Zukunft  nicht mehr zu kaufen.

Wie es der Zufall so wollte, war Herr MMS ein paar Tage später beruflich bedingt in Wiesbaden. Und kam in der Mittagspause nach Besuch eines Schnellrestaurants am in der Nähe gelegenen Porsche- Autohaus vorbei.
Er ging, weil sich ihm eine solche Gelegenheit nicht jeden Tag  bot, hinein, um die Autos in Augenschein zu nehmen,  war sich aber angesichts seines „Blaumann“ – Anzuges innerlich sicher, dort ebenfalls mit Mißachtung gestraft zu werden.

Das Gegenteil war der Fall.
Er wurde ungeachtet seines „nicht standesgemäßen“ Äußeren sehr höflich und zuvorkommend betreut und es wurde ihm sogar eine Probefahrt angeboten. Das lehnte Herr MMS aus Zeitgründen ab, kam aber an einem der nächsten Wochenende zum Testen wieder und – kaufte.

9 Gedanken zu „Was Zeiss von Porsche lernen kann

  1. Ich habe vor vielen Monaten Unterlagen zum ZEISS Vario 700 schriftlich angefordert. Es gab auch einen Rückruf auf mein Schreiben aus dem Hause ZEISS. Im Telefonat wurde mir erklärt, dass das Mikroskop für mich nicht in Frage kommen würde. Man wollte mir dennoch Unterlagen zuschicken. Dies ist bis heute nicht grschehen. Die Frage „ob ich ein eigenes Krankenhaus mit OP Saal hätte“ hatte ich im Telefonat verneint. Das war wahrscheinlich mein Fehler.

    Übrigens waren die Damen und Herren bei ATMOS sehr freundlich und interessiert und haben sich sogar die Zeit genommen meine Wünsche an ein neues Dentalmikroskop aufzuschreiben. Die von mir angeforderten Daten und Fotos, die ich bei einem, mir völlig frenden , ATMOS Mitarbeiter angefordert hatte waren beim Verlassen der Ausstellung bereits per E-mail auf meinem Smartphone eingegangen.

    Ein weiterer Grund für mich das neue Dentalmikroskop dieser Firma sehr genau anzusehen.

    Grüsse
    Andreas Habash

    • Was Porsche angeht: Glück gehabt! Das Verhalten der Porschemitarbeiter ist stark von den Filialen abhängig, weniger von der Firmenzugehörigkeit. Das Stammhaus in Stuttgart geniesst in dieser Beziehung einen nicht so guten Ruf, was ich live und in Farbe selber zwei Mal erleben durfte. Wenn man stets das Gefühl hat, dass gleich die zwei netten Herren vom Werkschutz einen auffordern, doch bitte ohne Ärger mit zum Ausgang zu kommen, dann entspricht das nicht dem Anspruch, den Porsche fordert…. Mitarbeiter zum Gespräch? Fehlanzeige. Ironischerweise kam 2 Wochen nach diesem Erlebnis eine Postwerbung von Porsche an Zahnärzte: Mehr Spass am Fahren…. Witzig!
      Hr. MMS hat einfach Glück gehabt.

      @Ha-Wi: hast Du den Namen des Zeiss-Mitarbeiters? Gib ihn weiter damit sich etwas auch und vor allem an der Basis ändern kann.

      @Andreas: aufschreiben tun alle immer viel und fleissig. Viel interessanter wäre die Frage und vor allem die Antwort, wie viel wurde/wird umgesetzt? Und da wette ich mein Leica, dass es bei Atmos nicht anders laufen wird als bei anderen Herstellern……

      Zum Vario700: hättest Du Dir ein Vario700 gekauft und mit allen nötigen Umbaumassnahmen in die Praxis gestellt? So what. Das PDF ist doch auch nett zum runterladen, ich weiss ehrlich nicht, wo da das Problem liegt. Es gibt doch die bekannten Ansprechpartner des Dentalsektors, was telefoniert man da mit der Zeiss-Hotline?

      VGO

      • Hallo Oscar,
        vielleicht liege ich falsch … aber
        es ist ganz einfach zu erklären

        wie in Ha-Wi´s Beispiel, kommt es darauf an wie man behandelt wird.
        Bei Zeiss hatte ich – nach dem letzten Kurs bei Dir – die Gelegenheit genutzt, zu Unterredungen mit den anwesenden Zeiss Representanten.
        Leider kam es mir bei diesen – wie auch bei anderen Gesprächen – so vor, als ob das Dentalmikroskop im Portfolio der Firma ein „Schattendasein“ fristen muss.

        Zur Frage mit dem Vario 700.
        Ich versuche die Probleme, im Praxisalltag zu begrenzen.
        Dazu ist es hilfreich mit Profis zusammenzuarbeiten.
        Wenn jemand nicht mit mir zusammenarbeiten will, dann muss er das auch nicht – das vermeidet Ärger. Genauso ist es mit Verkäufern.
        Wenn mir also jemand am Telefon erklärt, dass ich sein Produkt nicht brauche, ohne mich zu kennen oder die entsprechenden Informationen zur Verfügung zu stellen, dann will man mir auch nichts verkaufen.

        Vielleicht habe ich mich getäuscht.
        Vielleicht habe ich es nicht verstanden.
        Vielleicht wird jetzt alles besser.

        Grüße
        Andreas Habash

        • Hallo Andreas,

          wenn ich für jede miese Erfahrung mit Dental-Aussendienstlern 10 Cent bekommen würde, könnte ich beruflich was anderes machen, denn mein Auskommen wäre gesichert. Insofern kann ich die ganze Aufregung nicht verstehen.

          Kurz noch zum Vario 700: alleine die Gabelmontage ist für die ZHK nicht geeignet. Das alleine sollte aus ergonomischer Sicht schon ein k.o.-Kriterium sein. Und an dieser Stelle nochmals die Frage: hast Du einen der üblichen Verdächtigen aus der Dentalabteilung bei Zeiss abtelefoniert oder mit der Hotline? ;-)

          Noch kurz zum „manuellen ProErgo“ aka Movena Dental. Als Einsteigergerät ist es sicher ungeeignet. Das Pico ist weit modularer aufgebaut und deutlich erweiterterer als das Movena. Würde ich mir ein viertes Mikroskop zulegen, könnte es ein Pico sein (aus verschiedenen Gründen)

          VGO

  2. Hallo Oscar,
    ich kann es mir nicht leisten mich rumzuärgern mit Dental- und / oder Depot Aussendienst.
    Wegen dem Vario 700 gibt es auch einen e-mail Schriftwechsel mit Dir am 11.02.2011.
    Dein Kommentar war aber nur zur Beleuchtungseinheit und sonst sehr knapp gehalten.
    Telefoniert hatte ich mit einem „Herrn Soundso“ aus der Entwicklungsabteilung. Die kompletten Unterlagen dazu sind entsorgt. Nach der Erfahrung und den knappen Infos habe ich mich im Februar 2011 nicht mehr um die Sache gekümmert. Weder habe ich Dir noch eine weitere e-mail geschrieben noch habe ich weiter bei Zeiss nachgefragt noch habe ich Händler mit dem 700er belästigt.
    Auch diese Diskussion hier ist eigentlich schon erledigt.
    Wer unsere Praxis nicht als Kunde sieht und entsprechend gut behandelt muss damit rechnen, dass wir und entsprechend anders umsehen.
    Grüße
    Andreas

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