In den letzten Beiträgen berichtete ich über ein Emphysem einer Patientin nach einer endodontischen Behandlung.
In einer kurzen Literaturecherche habe ich nach den möglichen Ursachen gesucht.
Diese wurden in der Literatur erwähnt:
- Wasserstoffperoxid
- Natriumhypochlorit
- Druckluft (Luftemphysem)
Die Therapie:
Die meisten endodontisch bedingten Emphyseme sind bei geringer Ausdehnung selbst- limitierend und es kommt zu einer schnellen Remission innerhalb von 2 bis 5 Tagen. Dennoch wird die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums empfohlen4. Es sind aber auch weitreichendere Ausdehnun- gen möglich3,14. Über miteinander in Verbindung stehende Gesichts- und Halslogen kann das Media- stinum über para- und retropharyngeale Passagen erreicht werden3. Als Folge der hier dargestellten weitreichenden Extrusion von Spülmedien ist auch die Verschleppung oraler Keime in die retro- und parapharyngealen Weichteile sowie in das Mediastinum möglich.
In Anbetracht des Gesamtumfangs der zahnärztlich- konservierenden Behandlungen in Deutschland sind die Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung selten. Noch seltener sind durch die Keimverschleppung bedingte Komplikationen, wie zum Beispiel eine Mediastinitis oder Abszesse im Bereich der Halslo- gen und Spatien. Dennoch darf die Gefahr einer systemischen Infektion in Anbetracht der oben beschriebenen Ausbreitungen nicht unterschätzt werden. Daher sollten Folgebehandlungen immer stationär in einer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie erfolgen und gehören nicht in die ambulant geführte Therapie.
Quelle: Daniel Reymann; Zerviko-faziale Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung; Endodontie 2013;22(2):147–151
Therapieempfehlungen nach Extrusion von NaOCl in die periradikulären Gewebe
• In schweren Fällen Überweisung an Facharzt oder Klinik.
• Analgetika und/oder Anästhesie zur Schmerzkontrolle.
• Extraorale kalte Kompressen zur ReduktionderSchwellung.
• Nach einem Tag warme Kompressen und häufige warme
Mundspülungen zur Stimulation der lokalen Zirkulation.
• TäglicheKontrollendesVerlaufs.
• Antibiotika:nichtobligatorisch!
Nur in Fällen mit hohem Risiko oder Evidenz sekundärer Infektionen.
• Antihistaminika: nichtobligatorisch!
• Kortikosteroide: Anwendung wird kontrovers bewertet.
• Eine Weiterführung der endodontischen Therapie mit steriler Kochsalzlösung, Jod-Jodkalium oder Chlorhexidin als
Spüllösungen ist in vielen Fällen möglich.
• Bei Perforationen der Wurzel ist die Möglichkeit der Zahnerhaltung kritisch zu prüfen!
• Bei massiver Extrusion unter Umständen chirurgische Entfernung des nekrotischen Gewebes indiziert.
• Bei Atemwegsobstruktion und schwerer Einschränkung des Allgemeinzustands: Hospitalisierung!
Quelle: Michael Hülsmann; Symptomatologie und Therapie
von Zwischenfällen bei der Wurzelkanalspülung mit Natriumhypochlorit; Endodontie 2008;17(3):251-253
Luftemphyseme
Luftemphyseme sind selten vorkommende, unerwünschte Ereignisse, die auf verschiedenste Weise im Rahmen zahnärztlicher Behandlungen auftreten können. In dem Beitrag werden zunächst vier Fälle von Luftemphysemen beschrieben. Die erste Kasuistik zeigt ein Luftemphysem nach parodontaler Befundung, das vermutlich durch die Luft-Wasser-Spritze der zahnärztlichen Einheit ausgelöst wurde. In den anderen Fällen werden Luftemphyseme nach Anwendung der niedrigabrasiven Glycin-Pulverstrahltechnik dokumentiert. Bei allen Patienten klangen die Beschwerden ohne weitere Therapie innerhalb von 1 bis 5 Tagen folgenlos ab.
Die Literaturübersicht zum Thema zeigt, dass trotz der meist unkritischen Ausheilung dem richtigen Umgang mit Luftemphysemen eine große Bedeutung zukommt. Differenzialdiagnostisch müssen z. B. Allergien, Hämatome oder Angioödeme ausgeschlossen werden. Da zwischen dem Auftreten eines Luftemphysems und den – wenn auch selten beschriebenen – schweren Folgeerscheinungen wie Pneumomediastinum oder Nervschädigungen mehrere Tage vergehen können, ist eine adäquate Aufklärung des Patienten entscheidend für den fachgerechten Umgang mit dieser Komplikation.
Eine prophylaktische Antibiotikagabe zur Vermeidung von Sekundärinfektionen wird kontrovers diskutiert. Stationäre Aufnahmen und bildgebende Diagnostik sind im seltenen Fall einer Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes des Patienten wie z. B. Atemnot oder Herzproblemen jedoch klar angezeigt.
SEITEN: 297-307, Endodontie
Petersilka, Gregor J. / Panitz, Wolfgang / Weresch, Rainer / Eichinger, Manuel
Luftemphyseme und zahnärztliche Behandlung