Zeitnahme – Teil 1

von Christian Danzl

Der Mindestlohn ist da.
Schon seit Anfang des Jahres.

Was soll man sagen?

Es ist wieder einer sehr deutsche Angelegenheit geworden.

Warum?
Was hat der Mindestlohn mit sich gebracht, ausser Ausnahmeregelungen?

Hauptsächlich Bürokratie.

Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass er den Mindestlohn zahlt, der Zoll muss es kontrollieren.

In der Zahnarztpraxis  in der Stadt wird er nicht unbedingt zum Tragen kommen, in den ländlichen Regionen schon eher, ist aber über die Arbeitsverträge geregelt.

Freude machen nur die Minijobs, denn da muss wieder mal genau aufgeführt werden, wann der Arbeitnehmer wie lange gearbeitet hat.

Eine „unbürokratische“ Liste reicht, der AN trägt ein, wann er gekommen und gegangen ist.
Schön, einfach, aber in höchstem Masse unpraktisch (eigentlich sollten wir als Zahnärzte froh sein, dass beim AN von gesetzeswegen KEINE RS 232 Schnittstelle gefordert wird, wo die Arbeitszeiten validiert werden ;-) ), denn es fliegt wieder eine Liste oder ein Ordner durch die Gegend.

Lösung:

Eine Stechuhr.

Lange Jahre war es nicht notwendig, aber jetzt scheint es mir die praktikabelste Lösung.

Erster Versuch:

Geht ganz einfach über einen Computer. Einfache Software, Kartenlesegerät, Karten für jeden MA. Kosten überschaubar. Passt.

Fast jedenfalls.

Nachteil:

Der Rechner muss immer laufen.
Heisst: zusätzlicher 24/7 Rechner mit USV wird benötigt. Nix mehr mit günstiger Lösung.
Fällt also aus (mein Systemadministrator hat sich geweigert, so ein System auf dem Server zu installieren).

Zweiter Versuch:

Eine kleine elektronische Standalone-Uhr, die über Fingerabdruck den AN registriert (und schon ist der AN wieder ohne RS 232 doch validierbar), die Daten können über einen USB-Port ausgelesen und eine Excel-Datei erstellt werden.

Kosten sehr überschaubar für unter 100,- bei Amazon, oder einem anderen Versandhändler.

Bestellt und ausgepackt:
Gerät, Netzteil mit definitiv zu kurzem Kabel, Befestigungsmaterial (je 3 Schrauben und Dübel) und Bedienungsanleitung.

Scanbot 26.04.2015 12.44

Keine Notstromversorgung.
Die Bedienungsanleitung ist eine (!) ganze Seite lang und kann trotz englischer Sprache nicht verheimlichen, dass sie aus Fernost kommt ;-)

Wenn man sich mal eine Stunde damit auseinandersetzt bekommt man das mit der Programmierung im Trial-und-Error – System schon hin.
Den Helferinnen kann man die Handhabung bestimmt auch noch nahebringen.
Wie sieht es aber mit den Reinigungsfachkräften aus?

Also wieder eigepackt und zurückgeschickt :-(

Dann wird es wahrscheinlich eine ganz banale Stechuhr mit Stempelkarten werden, wie in alten Zeiten in der Fabrik.

Ich werde berichten.

6 Gedanken zu „Zeitnahme – Teil 1

  1. Ich hatte vor zwei Jahren das Anviz System mit Fingerabdruck eingeführt: interner Speicher, Batterie, USB Anschluss. Läuft bis auf die Finger einer einzigen Mitarbeiterin ( keine Ahnung ob die zuviel „Men in Black“ geschaut hat 😄) eigentlich recht gut, aber das Auslesen und Einstellen der Konfiguration ist etwas verwirrend, weshalb ich jetzt auf das Zeiterfassungssystem von Dampsoft via Versichertenkarte umsteigen will. Kostet zwar ordentlich mehr Geld, aber vielleicht ist es entspannter ( deutsche Anleitung 😁 ). Wer also mal das Anviz D150(glaube das war das Modell) testen will, kann mich gerne mal kontaktieren…

    Gruß Gregor S.

  2. Wir haben auf unserem Rechner an der Anmeldung das Programm „Stechuhr Professional“ laufen. Die in DampSoft integrierte Funktion ist uns viiiiel zu teuer. Und jeder muss täglich seine Gesundheitskarte dort einstecken. Fingerabdruckscanner kann man aus Datenschutzgründen nicht verpflichtend einführen. Scheckkarten und Transponder werden vergessen. Diese Software kommt ohne weiteren Schnickschnack aus. Kostet ca. 60Euro. Datenbank liegt auf dem Server. Jeder klickt auf seinen Namen in der Liste und loggt sich mit seinem Passwort ein und aus. Nach einem Monat Testphase klappt dies ganz gut und wird nur noch selten vergessen. Man sieht auf einen Blick wer da ist und wie lange. So können auch unsere Abrechnungshelferinnen, wenn sie per RemoteDesktop arbeiten, sich dort einloggen und ihre Arbeitszeit dokumentieren. Seitdem gehört der (Viertel!)Stundenbetrug der Vergangenheit an.

  3. Hi Christian,

    so ganz verstehe ich die Einwände Deines Sysadmins nicht: Was hat ein 24/7-laufender Rechner mit einer USV (=unterbrechungsfreie Stromversorgung) zu tun? Die USV überbrückt auch maximal 20 Minuten (wenn sie gut ist und die Batterien neu), insofern nur für ganz kurze Stromausfälle oder -schwankungen geeignet. Um eine hohe Verfügbarkeit zu erreichen, halte ich eher die Schaffung von Hardware-Redundanz und ein sinnvolles Backup-Konzept für zielführend.

    Ganz davon abgesehen verstehe ich auch nicht, wieso man für eine Zeiterfassung einer Zahnarztpraxis ein 24/7-System benötigt oder wird bei Euch 24/7 gearbeitet? ;-) Morgens hochfahren und abends abschalten, davor natürlich die Daten sichern ist doch ausreichend, oder was übersehe ich hier?

    Liebe Grüße

    Haya

    • Hallo Haya,
      wenn ich so ein System in der Praxis laufen habe, dann soll das möglichst Narrensicher sein.
      Zeiterfassung soll rund um die Uhr gehen, weil die Reinigungskraft (Minijob) am Mittwoch Nachmittag und am WoE kommt, wann sie will. Die wird mir keinen Rechner hochfahren, um sich ein- und auszustempeln.
      Also soll der Rechner, auf dem das System läuft, auch ausserhalb der Arbeitszeiten laufen.
      Und eine USV bringt zumindest soviel Strom mit, dass der Rechner bei Stromausfall zumindest noch runterfahren kann (wie beim Server halt auch).
      Und der Sysadmin weigert sich so ein Zeiterfassungssystem auf dem Server laufen zu lassen.

      Liebe Grüße, Christian

  4. Hallo Christian,

    dann würde ich aber an Deiner Stelle überlegen, ob ich zumindest für den regulär arbeitenden Rest einen Rechner betreibe plus Stechuhr und für die Reinigungskraft eine Zettel-Stift-Lösung. Das ist zwar inhomogen, da Du dann strenggenommen zwei Lösungen hast, aber ich halte das für bedarfsgerecht, da Du dann einerseits die bequeme elektronische Lösung für 99 % der Angestellten nutzt und eben für ein bis zwei Personen noch eine „Zettelwirtschaft“, anstatt dann für alle letzteres. Außerdem brauchst Du auch keine USV und Herunterfahrprozedur zu implentieren, sondern kannst den Rechner ganz einfach ausschalten, wenn Du gehst.

    Herzliche Grüße und gutes Gelingen

    Haya

    • Hallo Haya,

      die Stechuhr brauche ich eigentlich nur für die Minijobber. Und die dann per Zettelwirtschaft wieder zu dokumentieren bringt der weniger…
      Es ist aber eine Lösung in Sicht.

      Liebe Grüße, Christian

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