von Christian Danzl
NEU ist er sicher nicht, der Interdentalkeil aus Ahorn. Jeder kennt ihn aus dem Studium, man kommt fast nicht ohne ihn aus, wenn es darum geht Zähne zu separieren oder Matrizen zu fixieren.
Seit geraumer Zeit benutze ich ihn (und auch seine Kollegen aus Kunststoff) während der Präparation. Ich bringe den Keil VOR der Präparation in den Approximalraum ein.
- er verdrängt die Gingiva und schützt sie vor dem Diamanten oder Rosenbohrer
- er hält das Blut fern, welches sich gern approximal in die Kavität schleicht und sorgt für bessere Sicht (leider hab ich nicht nur Patienten mit plaquefreien Approximalbereichen)
- er bietet dem rotierenden Instrument Widerstand, somit „fällt“ man nicht in die Gingiva, wenn sich der Zahn mit zunehmender Kavitätentiefe nach zentral verjüngt
- wenn der Keil durch das rotierende Instrument „individualisiert“ ist, passt er auch anschliessend besser, um die Teilmatrize bombieren zu können – sofern er nicht zu sehr beschädigt wurde
Anschliessend ein paar Bilder von der letzten Präparation für eine e.max Teilkrone.
Die weissen Stellen sind Reste von Gænial-Bond, GC. Z.n. Cp-Behandlung mit Calciumhydroxid, fixiert mit Vertise-Flow, abgedeckt mit Gænial Bond und Gænial Flow.
Die Präparation wurde finiert mit Shofu Brownie Minipoints mit FG-Schaft im roten Winkelstück/Turbine, das ergibt eine glatte Oberfläche für eine gute Abformung – kein Zahntechniker hat sich je darüber Beschwert ;-)
Die Provisorien werden anschliessend geklebt mit einem kontrastfarbenem Flow-Komposit (z.B. Venus Flow Baseliner) OHNE Bonding. So halten die Provisorien gut, lassen sich trotzdem ausreichend gut entfernen, die Kompositreste auf dem Zahn lassen sich Dank der Kontrastfarbe gut erkennen und mit dem ZEG entfernen. Die Kavität wird dann zum Einsetzten vor dem Ätzen und Bonden sandgestrahlt (da werden auch die weissen Bonding-Reste mit entfernt und das Komposit und die Zahnoberfläche genügend angeraut um einen guten Halt zu sorgen)
Da in DIESEM Fall Komposit in der Kavität ist, wird das Provisorium mit Harvard-Zement eingesetzt.

Schön zu sehen das vestibulär nicht bis auf Gingivaniveau präpariert wurde wegen der Zahnhalsfüllung, sieht man leider zu oft besonders bei US-Präsentationen…Theracal ist vom Handling auf zu empfehlen, bei Vertise sahen unter einer starken Vergrößerung die Ränder immer nicht gut aus ( schlechte Haftung weil man das Material über der fragilen Überkappung nicht stark bewegen konnte ). Ich halte mich an die Aussage eines Bisco Mitarbeiters der meinte, dass Theracal auch auf Bonding platziert werden kann und trotzdem wirkt. Selektive Ätzung mit Phosphorsäure, Optibond XTR, Theracal und ein Flow. Bisher keine Probleme, außer beim Preis…. Wenn man sich die aktuelle Entwicklung anschaut denke ich ist der Schlüssel zum Erfolg weniger im Calciumhydroxid/MTA zu finden bei Cp, sondern dem guten DICHTEN Bonding geschuldet ( aktuell wird an Hochschulen angeblich das Belassen von Dentin unter einer gebondeten Füllung gelehrt, wofür wir vor ein paar Jahren noch echte Probleme vom Ausbilder gekriegt hätten)…
Ruhig auch mal die fertige Teilkrone in einem späteren Beitrag zeigen!
Gruß Gregor
Lieber Gregor,
ich finde diese, nicht Deine, Aussage recht verwegen „… dass Theracal auch auf Bonding platziert werden kann und trotzdem wirkt.“. Erkennt man Freistoßspray auf Schnee? Gibt es dafür jedweden Nachweis? Gilt das für alle der mittlerweile xx Bondingsysteme? Die exakt sieben Publikationen zu TC lassen dies in meinen Augen nicht erkennen und ich hielte es für falsch diese Ausführungen unreflektiert und unbelegt anzunehmen.
Herzliche Grüße
Marc
Marc, aus meinem begrenzten Wissen heraus und der Tatsache das Bisco sozusagen 3M Espes Scotchbond in eigenen Flaschen verkauft, meinte der Mitarbeiter sicher 7th Generation Bonding Systeme ( Einflaschen-Selbstätzend-Selbstkonditionierend), wo man schon lange weiß, dass die durchlässig für Dentinfluid sind. Ich denke auch eher das ein dichtes Bonding wichtiger als ein paar Calciumhydroxid-Ionen sind, dafür habe ich selbst in meiner kurzen Laufbahn zu viele alte Unterfüllungen aus Dycal etc entfernt wo selbst in 10 Jahren Liegedauer keine sichtbare Dentinvermehrung stattfand, und man immer noch der Pulpa durch ein papierdünnes Stück Dentin zu winken kann….
Das Thema „Überkappungen“ ist eh vielseitig, von Durelon bis ZOE führt alles zum Erfolg bei guter Fall Selektion!
An dieser Stelle bleibt nur zu sagen: wünsch uns Glück das alles Funktioniert!
Gruß Gregor
Ausnahmsweise muss ich mich Marc anschliessen. Diese Aussage halte ich ebenfalls für ein wenig stark optimistisch. Theracal hat einen stark veränderten Hydratasationsmechanismus. Es kommen schlicht und ergreifend weniger Ionen raus. Funktioniert Dycal oder Kerrlife auch durch das Bonding hindurch? Im Umkehrschluss würde ich den Biscomitarbeiter jedoch mal freundlich fragen ob ihm bewusst ist, dass er seinen eigenen Produkte gerade jegliche Anwendungsgrundlage entzogen hat. ;-) Mann o mann…….
Herzliche Grüsse
Oscar
Hallo Oscar,
ausnahmsweise muss du Marc mal zustimmen :D? Ihr hoffe mein Verweis auf diese Aussage verursachte keine Unannehmlichkeiten…
Ein Zusatzhinweis zu meinem ersten Kommentar: Ist der Defekt so pulpanah das nur noch eine extrem dünne Dentinwand steht und man nicht ausschließen kann sogar eine nur unter Mikroskop sichtbare „Strip-Perforation“ fabriziert zu haben, dann platziere ich das Theracal gleich direkt auf den Bereich. Gleiches Vorgehen auch nach dem Einsatz von PolyBurs, da wo es kritisch aussieht. Durch die feine Düse (ich nehme von VOCO die 45 2147) kann es punktförmig auf den entsprechenden Orten appliziert werden und wird nicht wie beim Kerr-Life oder Dycal zwangsläufig großflächig eingebracht. In Bereichen nach PolyBur-Einsatz wo es nicht dramatisch aussieht, setzte ich eher auf die dichte Versiegelung durch das Bondingsystem. Wie Oscar schon richtig ansprach ist der Hydratasierungsprozess bei Theracal ein anderer als bei Dycal, MTA, Biodentine etc. Andererseits ist Dycal, Kerr-Life unter einem sauren GIZ oder nicht sehr schnell lichtgehärtetem SAUREM Vertise so schnell inaktiviert/neutralisiert, dass keine Ionen mehr freigesetzt werden. Wird Vertise aber fast sofort lichtgehärtet, kann es nicht wie für einen guten Bondingprozess lange genug bewegt werden, und die chemischen Prozesse nicht optimal ablaufen. Außerdem soll Vertise kühl gelagert werden, bei uns kam es immer aus dem Kühlschrank, was den chemischen Prozessen fürs Bonding wiederum sicher nicht vorteilhaft war.
Im Endeffekt wäre es bei einer CP oder P wirklich das Beste -wenn man maximale Calcium-Ionenfreisetzung als entscheidenden Faktor sieht – das Biodentine zu benutzen und danach in einer zweiten Sitzung die definitive Füllung zu legen. Theracal ist ein Kompromiss, die kritische Frage nur in welche Richtung.
Ich habe bei Youtube mal geschaut und bin auf folgendes VERKAUFSVIDEO gestossen, wo aber der Kollege die selben Kommentare abgibt bezüglich „Theracal auf Bonding“ etc. Jeder kann für sich entscheiden wie er mit der Info die dort wieder gegeben wird umgeht.
http://www.youtube.com/watch?v=PUC1zHgnjEc
Gruß Gregor