Fragestellung: Parodontitis apicalis?

von Ostidald Wucker

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
gerne möchte ich Ihnen den vorliegenden Fall vorstellen und Ihre Meinungen dazu hören.
Die Patientin stellte sich in unserer Praxis mit einer Füllungsfraktur am Zahn 25 vor.  Dieser  wurde wenige Monate (wahrscheinlich 2 Monate, laut Patientin) zuvor wurzelbehandelt.
Das Röntgenbild zeigte eine homogene Wurzelfüllung. Die Patientin gab an, daß es latent immer mal (alle 3-4 Wochen) ein ganz geringes nicht auf einen Zahn zuzuordnendes Schmerzgefühl gibt. Der Zahn zeigte keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Reaktion auf horizontale oder vertikale Perkussion. Der Lockerungsgrad beträgt 0. Die Palpation vestibulär und palatinal zeigte keinen pathologischen Befund. Der Zahn wurde von uns mit einer Kunststofffüllung aufgebaut. Die Wurzelfüllung erschien im klinischen Bild als Einstiftwurzelfüllung in zwei Kanälen mit Sealer intakt. Die prothetische Therapie mit einer Krone erschien uns fraglich ohne Abklärung der angegebenen Symptome. Wir rieten zu einer Wiedervorstellung nach 6 Monaten.

Nach 12 Monaten und Füllungstherapie am Zahn 26 erfolgte eine weitere Röntgenkontrolle. Die angegebenen Beschwerden waren nach wie vor vorhanden. Die Abstände waren etwas größer geworden. Die Patientin gab diese allerdings nun als störend und auf Dauer nicht akzeptierbar an.
Die Zähne 24 und 26 zeigten eine zeitnahe Reaktion auf den Kältetest. 24 ca. 2 Sekunden später.

Was würden Sie tun?
Weiterhin aggressives Abwarten?
Revision der Wurzelbehandlung am Zahn 25?
Erweiterte Röntgendiagnostik – DVT?

 

 

 

9 Gedanken zu „Fragestellung: Parodontitis apicalis?

  1. Gibt es irgendwelche Auffälligkeiten im Gegenkiefer, wurden dort alle Zähne überprüft? Ich habe zwar kein DVT, aber ich würde das dem Patienten als erstes Anraten, bevor irgendwelche noch mehr Kosten und Zeitaufwand produzierende Arbeitsschritte ( Revision, Krone) dazu kommen, immerhin hat sich der Kollege vorher scheinbar Mühe gegeben und eine Revision muss keine Verbesserung bewirken. Andererseits vergrößert sich in meiner Darstellung auf einem Tablet die apikale Aufhellung zwischen den beiden Bildern. Will der Patient Kosten wie auch Zeitaufwand reduzieren, wäre auch gleich eine WSR eine Option…

    Gruß Gregor

  2. Wenn die Füllung an 24 klinisch unauffällig erscheint (röntgenolog. ist sie das m.E.) und die sehr tiefe Füllung an 26 von Dir selbst ist, würde ich per DVT versuchen zu klären, ob der Verdacht der apik. Parodontitis im 2D-Bild sich erhärtet.

    Herzliche Grüße

    Bernard

  3. Ich würde der Pat. ebenfalls zur erweiterten Diagnostik mit DVT raten bevor weitere therapeutische Schritte geplant werden.

    Herzliche Grüße

    PL

  4. Guten Tag und ich würde folgenden Therapieverlauf wählen.
    Von einer umfassenden klinischen Kontrolle des Gegenkiefers ausgehend, würde ich die erweiterte Röntgendiagnostik – DVT anschieben. Wenn ein prothetische Versorgung kompromisslos möglich erscheint, die Revision unter Risikoaufklärung. Auftreten des identisches Schmerzbild während bzw. innerhalb acht Wochen nach der Revision führt zur Extraktion (Patientenwunsch / -Dauer nicht akzeptierbar). Lückenschlussdiagnostik erfolgt 10 Wochen nach Extraktion

  5. Ich würde ihn überkronen. Mit dem Hinweis, dass es seien kann, dass die Beschwerden doch von dem Zahn ausgehen und dann eventuell eine Revision mit Krone (je nach Zeit evtl. auf meine Kappe) oder eine WSR anstehen.

    Risiko einer Fraktur steht mir oft nicht im Verhältnis zu diffusen Beschwerden. Dann bespreche ich alle Eventualitäten.

  6. Wenn eine Okklusionsstörung (Frühkontakt etc.) ausgeschlossen werden kann, empfehle ich eine Teilrevision (etwa 2/3 der Länge des WK) und dann eine Depotionophoresebehandlung nach Knappworst mit CuCaOH. Das ist einfach, preiswert und sehr oft erfolgreich.

  7. Hallo zusammen,

    ich würde mich als Patientin für die Revision der WKB entscheiden: Ein DVT-Aufnahme ist ja kein Selbstzweck und die Patientin klagt ja über zunehmende Schmerzen, die offenbar nicht von selbst verschwinden. Eine WSR sehe ich als eingriffsintensiver an und sie wäre daher das Mittel zweiter Wahl. Zumal die Patientin ja offenbar schon in einer endodontisch spezialisierten Praxis ist, so dass sie begründet hoffen darf, dass eine Revision auch erfolgversprechend durchgeführt werden kann.

    Wenn der Behandler mir deutlich machen kann, dass die Erfolgsaussicht der Revision durch eine DVT-Aufnahme steigt, würde ich ggf. auch vorab ein DVT anfertigen lassen.

    Viele Grüße

    Haya

    • Ich hatte eine DVT-Diagnostik angeregt. Schwerpunkt lag hierbei auf Wurzelkonfiguration, Knochensituation sowie der Restzahnsubstanz bezüglich der proth. Versorgung. Das DVT würde mir -hoffentlich- die Entscheidung zur Revision oder Extraktion erleichtern.
      Mit kollegialem Gruss
      JJ

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