Gebrochen-Gefüllt-Gezogen

von Christian Danzl

Heute stellte sich ein altbekannter Patient in der Praxis wieder vor.
Er ist uns nachhaltig in Erinnerung, weil die Zahnextraktion bei ihm bisher immer schwierig war.
Jeder kennt solche Patienten, bei denen die Zähne deutlich fester im Kiefer sitzen als bei anderen Patienten.
Standardszenario: meistens Fraktur der Wurzel oder die Krone zerbricht in Einzelteile, wenn der Druck der Zange zu groß wird.
Also “Aufklappen” oder “Ausgraben”.
Unser Patient kam vom Notdienst.

Diagnose: Längsfraktur.
Der Zahn wurde trepaniert und mit Ledermix ruhig gestellt.

Die Fraktur war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Also Kofferdam drauf und die Wände der Trepanationsöffnung saubergebohrt.
Tatsächlich: Langsfraktur.

Der Zahn war durch die Trepanation geschwächt, mesial und distal war ein Längsriss in der Wurzel, das roch schon nach berstender Krone und somit nach Aufklappen….

Kurzerhand habe ich die Trepanationsöffnung gesäubert, mit “iBond” konditioniert und eine adhäsive Kompositfüllung gelegt, um die Zahnkrone zu stabilisieren (auf die Modellation einer gnathologischen Kaufläche habe ich großzügig verzichtet).

Für einen Oberkiefer-Prämolaren mit Knochenabbau war er wirklich ein harter Brocken – aber er ist nicht zerborsten.
Ob die Stabilisierungsfüllung das Bersten der Krone verhindert hat, weiss ich nicht.
Jedenfalls hatte ich beim Ziehen mit der Zange ein deutlich sichereres Gefühl.