Reciproc Minima – Die 3. Generation

Reciproc Minima -Die 3. Generation

Endlich.
Am letzten Wochenende wurde das System auf der Densply Sirona World in Boon vorgestellt. Nun darf darüber auch berichtet werden.

Worum geht´s ?

Um VDW Reciproc Minima.

Eine neue Generation des VDW Reciproc Systems ?

Also gewissermaßen Reciproc 3.0 ?

Ja und Nein.

Geblieben ist … die Arbeitsbewegung.

Aber darüberhinaus ist Reciproc Minima keine Weiterentwicklung, sondern man sollte schon von einem neuen System sprechen. Das mit seinen Vorgängern nur die nichtkontinuierliche, teilweise rückgeführte vollrotierende Bewegung gemeinsam hat. So würde man es nämlich physikalisch korrekt beschreiben. Der Ausdruck „Reziproke“ Bewegung hat mir nie gefallen, ich habe früher immer von der GYT, der Ghassan Yared Technique gesprochen, benannt nach seinem Erfinder. Ghassan selbst spricht nun von asymmetric reciprocation, das trifft es – finde ich – sehr gut.

Auf das Original Reciproc-System der ersten Generation folgte Reciproc Blue.

Beide Instrumente nutzen eine wärmebehandelte Legierung. Die blauen Instrumente sind etwas flexibler. Davon abgesehen ist aber der grundlegende Aufbau der Instrumente in beiden Systemen gleichgeblieben.

Nun also Reciproc Minima.
Deutlich anders aufgebaut.
Dünner. Schlanker.

Und ich führe 3 Gründe an, warum ich dieses System gut finde.

1

Minimalinvasive(re) Aufbereitung: Ein wichtiger Punkt. Spätestens das DVT offenbart. Es gibt eine Reihe von Zähnen, bei denen insbesondere im koronalen Wurzelkanalbereich nach konventioneller Kanalaufbereitung nur noch wenig Restdentin verbleibt. Und nein, ich rede nicht vom Cola Bottle Shape-Look nach Gates Glidden-Einsatz, sondern von der Verwendung ganz „normaler“ Aufbereitungsinstrumente mit einem D16-Durchmesser von 1,2 + mm. Das Reciproc Minima System bewegt sich hier im Durchmesserbereich von ca. 0,8 mm. Das sind, je nachdem wie man es betrachtet, rein nominal 0,4 mm weniger oder aber 50 Prozent. Auch der Taper ist deutlich geringer gegenüber Reciproc und Reciproc Blue und liegt zwischen 2 und knapp 4 Prozent. Beim R 25 waren es apikal 8 Prozent. Was Anwendern der warmen Wurzelfüll- Techniken als unverzichtbar angepriesen wurde. 

Aber 1. Wer füllt überhaupt so ab (nur eine Minderheit, machen wir uns nix vor und 2. reichen auch weniger als 8 Prozent aus, das sage ich aus meiner eigenen Erfahrung heraus mit diesen Füllverfahren.

2

Wir haben nun 4 Instrumente statt „1 aus 3“. 
One File Endo, der Hammer Slogan der ersten Reciproc Generationen. Marketingtechnisch genial, ohne Frage. Ich habe nie so gehandelt. Weil es gute Gründe gibt, die dagegen sprechen. Und auch der Sprung vom 25er zum 40er Instrument war mir immer zu gross. Weshalb ich zur Überbrückung zusätzliche Instrumente verwendet habe. Mit Wave One Gold kam bei Maillefer die Wende. Und war für mich der Grund, zu genau diesem System zu wechseln. Dort ist die Abstufung 20 25 35 45 wunderbar gelungen und genauso ist es jetzt auch bei Reciproc Minima.

3

Crown Down oder Step Down ? 

Auch so eine Glaubenfrage.

Ich war immer und bin bis heute Team „Step Down“. Nutze also nach koronaler Aufbereitung initial dünne Instrumente. Nicht jeder profitiert von so einer Vorgehensweise, denn dünn bedeutet zwar biegsam und gut penetrierend, ist aber auch bruchanfälliger. Und einer der großen Vorteile des Original R 25-Instrumentes und einer der Gründe für den enormen Erfolg war ja neben der erstaunlichen Effizienz gerade seine Bruchresistenz. Eigentlich ist es fast unmöglich, ein R25-Instrument zu frakturieren. Bei einem R-Pilot-Instrument ist dies „ich sag mal so“ NICHT auszuschliessen. 


Allerdings- es gibt eine Reihe von Kanälen, wo dieses R25-Instrument entgegen der Beschwörungen und Verheißungen der Industrie NICHT auf Arbeitslänge geht.

Was dann ?
Dünnere Instrumente werden notwendig.

Das kleinste Instrument im Reciproc Minima-System ist eine R 20. Die springt hier in die Bresche, macht diesen Job sehr gut. Kann das Instrument frakturieren? Ja, das kann es. Aber doch in viel viel geringerem Maße als das bei allen sogenannten „maschinellen „Gleitpfad“-Instrumenten der Fall wäre.

Meine Empfehlung?
Reciproc Minima einmal kennenlernen.
Ausprobieren.
Anwenden.

Vielleicht wird ja eine neue Liebe draus.

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