
Nach Paris bin ich, von Kaiserslautern aus, bequem und vor allem pünktlich mit dem Zug gefahren. Ich erreichte den Kongress am Vormittag nach der Frühstückspause. Der Vortragssaal in Halle I war extrem gefüllt. Ich hatte Glück, noch einen Platz zu erwischen, aber es sassen etliche Zuhörer auf den Treppenstufen. Dieses Bild zog sich hier durch alle Vorträge des ersten Tages, die ich besuchte.
Tag 2 – Auf meinem Stundenzettel stand ein Vortrag, auf den ich besonders gespannt war. Es ging um Ergonomie in der Endodontie- Ergonomics in endodontic practice – der Vortragende war Jean-Pierre Siquet, ein belgischer Kollege. Diesen Vortrag wollte ich auf gar keinen Fall verpassen und so fand ich mich sicherheitshalber inmitten der Frühstückspause bereits eine Viertelstunde früher im Vortragssaal 2 ein.
Ausser mir noch anwesend ?
Der Referent, dann Dan Rechenberg, der Moderator der Session und noch geschätzt 5 weitere KollegInnen.
In einer Vortragshalle, die vermutlich weit mehr als 1000 Zuhörer fasst.
Der Saal füllte sich bis Vortragsbeginn auch nicht wesentlich, soviel kann ich schon vorwegnehmen. Nicht unbedingt das Schönste für einen Referenten und extrem bedauerlich, denn das Thema hätte wesentlich mehr Zuschauer verdient gehabt.
Hier eine frustrane Zahl aus dem Vortrag: 74 Prozent der Behandler, so eine Umfrage unter amerikanischen Endodontisten, leiden unter gesundheitlichen Problematiken, durch ihre Arbeit verursacht. Und auch ich kann rückblickend berichten, dass ich von 1990 – 1997 mehr „Rücken“ hatte als in der gesamten Zeit danach.
Der Wendepunkt ?
Das Operationsmikroskop.
Aber über diesen Punkt sind vermutlich viele (oder fast alle) der Leser hier drüber hinaus. Bestes Indiz – Beim kürzlich erfolgten Auftakt des neuesten Jahrgangs des Masterstudiengangs Endodontologie des Uni Düsseldorf ergab mein Nachfragen an meinem Vortrags-Tag, dass ausnahmslos jeder Teilnehmer mit dem Operationsmikroskop arbeitet.
We have come a long way, deutsche Endodontie !
Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als bei der DG Endo-Jahrestagung in Frankfurt Anfang/Mitte der Zweitausender Jahre Cliff Ruddle hoch erstaunt war im positiven Sinne, das von mehr als 200 Teilnehmern rund 80 den Arm hoben auf seine Frage hin.
Zum Inhalt des Vortrages – Ergonomie des Arbeitsplatzes, die Wichtigkeit und der Nutzen festgelegter Abläufe, definierter Behandlungsabläufe, die Notwendigkeit definierter Behandlungsprotokolle und Checklisten, sowie das hohe Lied des vierhändigen Arbeitens.
Nichts Neues also, zumindest für diejenigen, die das Glück hatten, an unserem DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER – Event Ergonomie teilgenommen zu haben. Denn das, was notgedrungen in 45 Minuten im Vortrag nur erwähnt, angerissen werden konnte, das waren wir in der Lage, nicht nur im Detail auszubreiten, sondern darüber hinaus im Plenum zu diskutieren und vor allem auf der Bühne live am Behandlungsstuhl via 4K Kamera übertragen auf der Leinwand präsentieren zu können.
4 händiges Arbeiten live ? CHECK ☑️
6 händiges Arbeiten !!! CHECK ☑️☑️

Christoph Kaaden beim Aufbau der Bühne für „DIE3“
Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Firma Morita, die dieses Event durch viel unterstützende Arbeit und Bereitstellung von Geräten und Resourcen überhaupt erst möglich gemacht hat und geht an die Firma CJOptik für die Bereitstellung des Flexion-Operationsmikroskopes sowie an Michael Ermerling von Hanchadent für seinen Support, das OPM betreffend. Und an alle Teilnehmer und die schöne Gemeinschaft, die sich im Laufe der 3 Teile von DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER herausgebildet hat und die dieses Event so familiär (im positivenSinne) und damit spaßspendend für uns hat werden lassen.
All das ist mir durch den Kopf gegangen, als ich dem Vortrag des Kollegen beiwohnte.
Wie privilegiert wir alle waren als Referent und Teilnehmer bei „DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER“ und wie privilegiert ich bin als Behandler, in einem wunderbaren Team Tag für Tag sechshändig arbeiten zu dürfen. Denn die Realität in deutschen Praxen (in den umliegenden europäischen Praxen sowieso) sieht heute so aus, dass man froh sein kann, wenn man auch nur 4 händig arbeiten kann am Patient.
Nun aber zurück zum Vortrag – Was ich für mich mitgenommen habe ?
Statt wie bisher leidlich 2 mal die Woche besser nun konsequent 3 mal die Woche Ausgleichssport zu machen. Was wurde empfohlen? Yoga, Walken und Rennradfahren. Ich weiss nicht, in wie weit hier persönliche Vorlieben zum Tragen kamen. Ich würde (zwar ohne Yoga, aber immerhin mit den anderen 2 von 3) weiter gestreut empfehlen, alles an Sport zu machen, was die autochtone Rückenmuskulatur stärkt. Und würde hierzu noch ergänzend das Klettern in einer Kletterhalle als besonders geeignet hinzufügen.
3 mal pro Woche 30 Minuten, idealerweise ergänzt mit kurzen Übungen während des Behandlungstages zwischen den einzelnen Behandlungen?
Das macht möglicherweise den entscheidenden Unterschied zwischen jahrzehntelangem belastungsfreiem Arbeiten oder frühzeitiger Krankheitsproblematik!
Soll von nun an keiner sagen, er habe es nicht gewusst…
Seit heute kann man sich den Vortrag endlich nochmal on demand über die ESE anschauen.
ich bin gespannt