Schon für letzten Freitag angedacht, dann ist es aber doch wesentlich mehr geworden an Text, weshalb das Thema nun in 3 Teilen kurz aufeinanderfolgend abgehandelt wird. Hier der erste Teil:
Ich habe sicherheitshalber nachgeschaut.
Vor 5,5 Jahren, im November 2019 habe ich meinen ersten 3D-Druck produziert.
Nicht für irgendwelche zahnmedizinischen Belange, dafür gibt es in der Endo zu wenige Anwendungen überhaupt. Aber zur Praxisorganisation finden sich jede Menge Einsatzbereiche. Wobei – ich weiss noch genau, wie die ersten 3D Drucker vor 10 Jahren für den Heimgebrauch einem angediehen wurden und mir beim besten Willen kein Einsatzzweck einfallen wollte.
Lang lang ist´s her. Wie heisst es so schön, der Appetit kommt beim Essen oder man wächst an seinen Möglichkeiten. Heute vergeht (fast) kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas zu Druck bringe und zeitweilig drucken mehrere Drucker gleichzeitig.
Alle meine Drucker sind Filamentdrucker.
Warum?
Einfaches Handling, keine stinkenden und potentiell gesundheitsschädlichen Chemikalien und ein vergleichsweises grosses Druckvolumen bei geringen Kosten, das sind die Gründe. Für die intraorale Zahnmedizin per se ist das nichts, aber für meine Einsatzzwecke ist es wunderbar.
Begonnen hat alles mit einem Anycubic Mega -Drucker.
Zur damaligen Zeit vor ca 6 Jahren ein Sonderangebot.
Professionelle Drucker lagen bei 3500 – 4000 Euro und selbst ein in der DIY-Community hoch angesehener, weil „erschwinglicher“ Prusa-Drucker kostete mit rund 900 Euro mehr als das Dreifache der 260 Euro, die ich für meinen ersten Anycubic bezahlte.
Bald kam ein zweiter hinzu.
Warum?
Ich sag mal so – zur damaligen Zeit waren die 3D-Drucker generell nicht die „zuverlässigsten“. Fehldrucke waren an der Tagesordnung.
Womit ich mich achselzuckend arrangierte, aber die Drucker gingen allzuoft auch ausser Funktion . Ausser Funktion? Ein Euphemismus für KAPUTT. Der zweite Drucker war demnach notwendig, um immer wenigstens einen Drucker zu haben, mit dem man drucken konnte, während der andere sich im nicht funktionsfähigen Reparaturzustand befand. Man merkt es. Ich war längst angefixt. Längere Standpausen waren längst inakzeptabel geworden und schadeten meiner Laune.
Es vergingen die Jahre.
Dem Anycubic Mega folgte der Mega S nach, das detailverbesserte Nachfolgemodell. Auch davon bald 2 Stück, so dass wir nun schon bei 4 Druckern im Fuhrpark angekommen waren.
Besonders im Bereich der Praxisorganisation erwies sich die Drucker als äußerst nützlich. Mit 3D-Druckern liessen sich individuelle Hilfsmittel, Aufbewahrungssysteme und Organisationshilfen herstellen, die ganz spezifisch auf unsere eigenen Praxisbedürfnisse zugeschnitten waren. Ich druckte Schubladeneinsätze, individuelle Röntgenhalter, Aufbewahrungsboxen für die Endo- Behandlung und vieles mehr. Alles Dinge, die in dieser Form nonexistent waren, nicht einmal andeutungsweise im Dentalhandel zu beziehen waren.
Zwischenzeitlich war eine neue Generation Anycubic Drucker im Markt erschienen.
Doppelt so teuer, wir lagen als nun investitionsmäßig bei 660 Euro.
Aber schneller, leiser und vom Druckbild deutlich besser.
Stimmte alles.
Allerdings war der Drucker extrem unzuverlässig. Im Gegensatz zum Vorgänger musste bei unserem Anycubic Vyper die Druckbettnivilvellierung nicht mehr von Hand durch Justage über Drehräder erfolgen, sondern fand automatisch statt. Mittels Laser. Eigentlich ein Quantensprung,. Aber mit schwerwiegenden Macken. Was nach ca 6 Monaten immer häufiger dazu führte, dass allzuoft der Druck mitten drin abgebrochen werden musste. Reparaturversuche, wie von Anycubic vorgeschlagen, waren, wenn überhaupt, nur von kurzer Erfolgsdauer. Kurz und knapp – eine totale Fehlinvestition, zumal der bis dato gute Anycubic After Sale Service keine Hilfestellung geben konnte und dann kurz und knapp darauf verwies, das es einen (natürlich besseren) Nachfolger des Druckers gäbe und unser Drucker daher nicht mehr unterstützt werden würde.
Ich schrieb den Drucker als Totalfehlinvestition ab.
Und kehrte zum Druck mittel Anycubic Mega S zurück.
Dann erschien Bambu Lab auf der Bildfläche und präsentierte seinen ersten Drucker.
Den Bambu Lab X 1 Carbon.
Angeblich von ehemaligen Entwicklern von Anycubic entwickelt und mit dem Ansatz, alles ganz anderes sprich deutlich besser zu machen.
Der X1 Carbon war bis vor kurzem das Flaggschiff unter den Bambu Lab Druckern.
Und wird seinem Ruf eines Premiumproduktes mehr als gerecht.
Er kommt im Gegensatz zu allen meinen Anycubic-Druckern mit einer Einhausung daher und ist damit in der Lage, auf höhertemperaturige Werkstoffe wie ABS zuverlässig und dimensionsstabil zu drucken. Die automatische Kalibrierung des Druckers, die durch Active Vibration Compensation und eine vollautomatische Druckbettvermessung unterstützt wird, funktioniert absolut zuverlässig. Dies reduziert den Aufwand für manuelle Einstellungen auf ein Minimum und sorgt dafür, dass ich den Drucker auch über Nacht einsetzen kann, ohne ständige Kontrolle ausüben zu müssen. Sofern ich mich während des Druckes über den aktuellen Status des Druckauftrages informieren möchte, greife ich via App über die eingebaute Kamera auf das Livebild des Bauraums zurück. Ein wunderbares, von mir hochgeschätztes Feature, musste ich nun nicht mehr in der Nacht ein Stockwerk tiefer laufen, ob mit dem Druck noch alles richtig ist oder der Druckauftrag beendet sei.
Die im Lieferumfang enthaltene Multi-Material-Station (AMS) ermöglicht es, bis zu vier verschiedene Filamente in einem Druck zu verwenden. Diese Funktion hat sich bei der Erstellung farbcodierter Organisationshilfen als äußerst praktisch erwiesen. Der X1 Carbon verfügt zudem über einen LiDAR-Sensor, der den ersten Layer präzise überprüft, gegebenenfalls Alarm schlägt, falls etwas ungewöhnlich läuft und die Druckqualität insgesamt verbessert.
Fassen wir kurz zusammen.
Die Drucker von Anycubic haben mir den Einstieg in die 3D-Druck-Welt ermöglicht. Ihre Druckgeschwindigkeit war jedoch verglichen mit dem X1 Carbon vergleichsweise niedrig, was insbesondere bei großflächigen Druckteilen zu erheblichen Wartezeiten führte und die Zuverlässigkeit war nicht immer gegeben.
Mit dem Umstieg auf Bambu Lab hat sich alles grundlegend zum Positiven hin verändert. Die Druckqualität ist phänomenal für einen Filamentdrucker und löst bei mit der Materie Vertrauten bei der ersten Betrachtung unglaubliches Staunen aus angesichts wunderbar glatter Oberflächen. Der Drucker ist rasend schnell, wodurch Druckaufträge gegenüber früher in der Hälfte oder sogar einem Drittel der Zeit abgeschlossen werden können und es so keinen Sinn mehr macht, die Anycubics überhaupt noch einzusetzen. Nicht einmal für irgendwelche Basisaufgaben, die keine hohe Präzision der Ausgestaltung benötigen.
Auch die Multi-Material-Funktion über das AMS hat sich als sehr praktisch erwiesen. In meiner Praxis nutze ich sie für farbcodierte Organisationselemente, die die Zuordnung von Instrumenten und Materialien erleichtern. Und die schon erwähnte Bauraumkamera mit Live View ist ein Feature, das ich auf gar keinen Fall mehr missen möchte, erlaubt sie doch sogar von unterwegs einen Zugriff auf das Druckgeschehen, ich sehe also tagsüber in der Praxis, was der Drucker zu Hause im Arbeitszimmer gerade anfertigt.


Nicht das ich das müsste.
Denn – und das ist noch einmal eine unglaublich gute Nachricht – in mehr als einem Jahr, in der ich den X1 Carbon schon habe, war er nicht einmal kaputt und Druckfehler (die er im Übrigen sofort bemerkt, das Druckgeschehen pausiert und eine Nachricht absetzt) kann ich an den Fingern einer Hand abzählen.
Sensationell.
Er druckt und druckt und druckt.
In bester Qualität. Dreimal musste ich ein gebrochenes Filament aus der Filamentzuführung entfernen. Kinderkram, jeweils eine Sache von 5 Minuten. Darüber hinaus ? Nichts. Kein Wechsel der Druckerdüsen, wie beim Anycubic alle paar Monate, erst recht keinen Wechsel eines Hotendes oder ein Wechsel der Druckplatten.
Wieviel Sterne kann man eigentlich vergeben ? Fünf?
Ich gebe dem Bambu Lab X1 Carbon 6 von 5 Sternen.
…wird fortgesetzt.