Endspiel 2025 (III) Die Analyse: Was zum Paradies uns fehlt in 2025…

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Mehr Patienten in 2025 ff. als wir je werden bewältigen können ?
Ein Traum.

Und was noch besser ist.
Zum ersten Mal in den letzten 70 Jahren haben wir die Möglichkeit, in einem großen Bereich unsere Leistungen leistungsgerecht dem Patienten in Rechnung stellen zu können. Zwar strukturell normiert via Abrechnungsbestimmungen und auch nicht unbegrenzt, aber im Vergleich zu den Zeiten, als ich in die Niederlassung gegangen bin, wäre darüber sich zu beklagen auf sehr sehr hohem Niveau gejammert. Damals konnte man nämlich gar nichts dem (GKV) – Patienten (der immerhin über 90 Prozent alle Patienten ausmachte) aufwandgerecht honorieren. Es war schlicht und einfach verboten.

Also alles Bestens.
Nicht ganz.

Das größte Problem in der Zukunft ist … das niemand mehr da ist, der uns als Assistenz in der Praxis unterstützen kann. Das Personal ist schon jetzt nicht mehr ausreichend, wird zudem noch immer weniger. Und im Vergleich zur alten Garde auch weniger leistungsfähig oder leistungswillig. Ob Letzteres gut oder schlecht ist, sei dahinstellt, denn es darf und muss sehr wohl kritisch hinterfragt werden können, ob nicht die maligne Kombination von viel stressiger Arbeit und geringer Bezahlung nicht zu genau der Problematik geführt hat, die wir jetzt haben.

Das nämlich Viele den Beruf verlassen und keine Neuen bereit dazu sind.

Ja liebe Kolleginnen und Kollegen, das, was wir für die dentale Profession beobachten, nämlich die Flucht aus dem Zahnarztdasein, sei es, indem der Beruf vorzeitig aufgegeben wird oder die KollegInnen in die innere Emigration gehen, müssen wir selbstverständlich auch in noch viel größerem Maße denjenigen zugestehen, die emotional nicht so stark wie wir dem Gewerbe verbunden sind. Weil es eben nicht ihr eigenes ist. Unseren Mitarbeitern.

Das Alles hat schwerwiegende Konsequenzen.

Der Zahnarzt der Zukunft, egal ob m/f/d wird also zunehmend alleine dastehen.
In der Behandlung und in allen Bereichen, die der eigentlichen Behandlung vor und nachgeschaltet sind.

Was doppelt schlimm ist.
Zum einen, weil niemand, der bisher, sein ganzes Berufsleben, die 20 Kilometer zur Arbeit, die er bisher mit dem Auto zurückgelegt hat, nun mit dem Fahrrad fahren möchte. Für mich ein guter Vergleich. Niemand, der bisher von seinem Chauffeur mit der Luxuslimousine jeden Morgen pünktlich von zu Hause abgeholt wurde, denn genau dieses Privileg im Rahmen unseres Arbeitens hatten wir durch unsere Assistentinnen, wird es lieben, wenn er nun den Weg zur Arbeit zu Fuss zurücklegen muss. Bei Wind und Wetter. In Sommerhitze und Winterkälte.

Zum anderen, weil nicht nur das Arbeitsumfeld an sich ein anderes sein wird, sondern auch die Qualität und die Produktivität der Arbeit darunter leiden wird.

Machen wir uns nichts vor.
Ohne Assistenz am Behandlungsstuhl wird die Essenz perfekter Teamarbeit, nämlich hohe Qualität in grosser Effizienz ein Relikt vergangener Zeiten sein. Wir werden, wenn wir alleine arbeiten, mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit schlechter, auf jeden Fall jedoch langsamer als bisher arbeiten. Und Letzteres ist insofern fatal, weil mit geringerer Produktivität der Gewinn der Praxis nach unten geht, gegebenenfalls überproportional. Schlechter, langsamer, weniger gut bezahlt. Das sind hochgradige Spasskiller.

Über den Superorganismus Zahnarztpraxis, den wir uns in den letzten 50 Jahren herangezüchtet haben und der Grundvoraussetzung für Qualität + Effizienz darstellt, hatte ich schon zum letzten Jahreswechsel geschrieben.

Hier zum Nachlesen
Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (I)
Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (II)
Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (III)
Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (IV)
Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (V)

Und was nun kann ich sagen, 1 Jahr später.
Das das Mitarbeiterproblem existent, real geworden ist.
Und zwar in prekärem Ausmaß.

Durch die ganze Republik.
In den grossen Städten, ebenso wie in der tiefsten Provinz.

In den exklusiven Praxen ebenso wie beim Landzahnarzt.
Woran ich das festmachen kann? Hier der 3 KO- Fakten: 1. Egal mit wem Du in der Zahnmedizin sprichst, es ist ein vorherrschendes Thema. Hat das Klagen über unzureichende Bezahlung abgelöst und das will schon was heissen. 2. Immer wieder hört man sogar, das die Kollegen aus Mitarbeitermangel gezwungen sind, alleine am Patienten zu arbeiten. 3. Wenn wir im Vorfeld unseres wöchentlichen Diagnose-Tages bei unseren Überweisern anrufen, weil uns Unterlagen der überwiesenen Patienten fehlen, dann haben wir es nun regelmäßig mit irgendwelchen Anrufbeantwortern zu tun. Eine telefonische Nichterreichbarkeit wäre früher ein absolutes NoGo gewesen. Heute ist es in Medizin und Zahnmedizin gefühlt allgegenwärtig vorhanden.

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