Geschichten aus dem Endozän – EDTA – gibt´s nicht mehr …

Hilfe.

Unser EDTA ist alle.
Der Grund?

Unsere Apotheke, die seit über 30 Jahren dies uns bereitstellt, kann nicht liefern.
Es fehlt NaOH2.

Das zur Einstellung des PH – Wertes notwendig ist.
Dafür in medizinischer Qualität benötigt wird.

Und genau das gibt es nun schon seit ein paar Wochen nicht.
Und somit auch kein EDTA.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.
Wir sind heuer, im Jahre 2023 nicht einmal mehr in der Lage, in Deutschland den Bedarf an medizinischem NaOH2 sicherzustellen. Natronlauge!!!! Ein banales Industrieprodukt. Für dessen Herstellung es keiner „rocket sience“ bedarf.

Eine schnelle Internet-Recherche ergab, dass es sich hierbei um keineswegs um ein neues, plötzlich und unvermittelt über uns hereingebrochenes Problem handelt.

Auf der Homepage von Steiner Chemie habe ich eine Info zum Thema von 2017 gefunden.
Da heisst es:

Natronlauge ist nach wie vor knapp und das wird wohl auch zunächst so bleiben. Während die Situation in Deutschland und Mitteleuropa schon als durchaus angespannt bezeichnet werden kann, können südeuropäische Länder über eine noch weiter verschärfte Lage klagen, denn hier besteht eine noch geringere Natronlauge-Verfügbarkeit bei noch stärker steigenden Preisen. Die Situation ist vor allen Dingen deshalb so prekär, weil sie bereits jetzt vor der Abstellung der Amalgam-Anlagen zum Ende des Jahres vorherrscht. Die Preise für Q4 (Kontrakt – kein Spot) werden wohl steigen und sich dann nach bereits erfolgten Erhöhungen in Q1, Q2 und Q3 auf einem hohen Level einpendeln; die weiteren Ausführungen lassen für Q1 einen weiteren Anstieg in 2018 erahnen. Leider ist weder kurz- noch mittelfristig eine Besserung der Verfügbarkeit von Natronlauge in Sicht, da in den nächsten zwei bis drei Jahren keine nennenswerten neuen Kapazitäten zu erwarten sind.

Interessant ist, was als Grund für die Verknappung angeführt wird.
Zur Herstellung für mit Hilfe des sogenannten Amalgam-Verfahrens gewonnener Natronlauge wurde Quecksilber benötigt. Die Amalgam-Anlagen mussten stillgelegt werden, zur Produktion dürfen seit 2018 nur noch quecksilberfreie Membran-Verfahren eingesetzt werden.

2017 hoffte man den Ausfall der Produktionsanlagen ausgleichen zu können:

Auch wenn netto rund 800.000 – 900.000 DMT NaOH (1.600.000 – 1.800.000 to NaOH 50%) an Kapazität durch Stilllegungen wegfallen, sollten die verbleibenden Anlagen den Bedarf decken können. Dabei wird die allgemeine Auslastung steigen und einen Grad von über 90% erreichen. In der Vergangenheit lag diese eher bei 70% bis 80%. Der Markt wird anfälliger für Schwankungen in der Verfügbarkeit. Bei Ausfall eines Anbieters haben die anderen wahrscheinlich nur noch eine sehr begrenzte Möglichkeit die Anlagen weiter hochzufahren und auszugleichen – wobei man die Anlagen immer nur soweit hochfahren wird, wie man das Chlor (und eben nicht die Natronlauge) auch benötigt und verarbeiten kann.

Man sieht, die Kapazitäten sind zeitweilig am Limit.
Für die Firmen jedoch eine Win- Situation: Bestmögliche Auslastung und höhere Preise.
Der Traum eines jeden Unternehmers.

Was soll´s, höre ich pragmatische Stimmen sagen. „Alles wird teurer!“ Das ist korrekt und solange geliefert werden kann, könnte man ja damit noch zur Not leben.

Problematisch wird es allerdings, wenn nicht geliefert werden kann.
Das ist nun der Fall.

Auch hier gibt die Homepage Hinweise:
Viele Natronlauge-Anlagen haben zur gleichen Zeit Stillstände und Reparaturen, warum ist das so?

Hauptsächlich hängen Stillstände (in Herbst und Frühling) mit den folgenden Gegebenheiten zusammen:
Im Winter ist es zu kalt, so dass die Anlagen und Leitungen einfrieren (Kristallisation der Lauge bei rund 12°C und bereits eine kaum mehr zu meisternde Herausforderungen für die Pumpen durch eine sehr hohe Viskosität bereits ab 20°C).
Im Sommer ist das meiste Personal im Urlaub. So bleiben am Ende nur noch das Frühjahr und der Herbst. Hinzu kommt, dass die Stillstände bei einer Amalgam-Anlage um ein vielfaches kürzer sind bzw. waren als die von Membran-Anlagen.
In Frankfurt waren das früher rund 2 Tage, heute jeweils rund zwei Wochen. Rechnet man das auf alle Anlagen in Europa hoch, sieht man, dass alleine dadurch einige Tonnen wegfallen, auch wenn die Nennkapazitäten auf den ersten Blick gleich oder zumindest annähern gleich sind.

Und was lernen wir aus all dem ?
Die Antwort folgt nächste Woche.

Unter der Überschrift: Das System ist kaputt. Zieht die richtigen Schlüsse draus…



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