Wie war es bisher ?
Anruf eines Neupatienten. Ein Termin zur Untersuchung und Besprechung wird vereinbart. Zwingend vorgeschrieben, Auch wenn, wie gestern, die Lehrerin aus Aschaffenburg anruft und auf die Dringlichkeit ihres Falles („Mein Zahnarzt hat aber gesagt sofort…“) und auf die weite Anreise hinweist. „Sehr geehrte Frau Müller Maier Schmidt, alles was nicht mit dem Flugzeug erfolgt, ist keine weite Anreise“.
Aber darüber reden wir in der Episode „AUTOBAHN“ .
Jetzt geht es um besagte Erstuntersuchung und bisher bekam bei uns nach Anruf der Patient den nächsten freien Termin.
Unsere Terminplanung sieht wie folgt aus: Wir unterscheiden 3 Gruppen von Terminen. Lange Endo-Termine (45 – 90 Minuten), kurze Endo-Termine 30 Minuten und Kontroll- Termine (5 – 15 Minuten).
Und die Überlegung war: Nach einer anstrengenden oder sagen wir volle Konzentration erfordernden Endo soll es etwas Anderes, Entspannenderes sein.
Das ist zumeist eine postendodontische Stabilisierung, die wir (und nicht der Hauszahnarzt) bei allen unseren Patienten durchführen.
Zeitrahmen 30 Minuten.
Ein typischer Tagesablauf wäre also:
8 – 9 Uhr Endo Behandlung 1
9 – 9 30 Wurzelstift oder PES 1
9 30 Uhr bis 10 30 Uhr Endo 2
10 30 – 11 Uhr Wurzelstift oder PES 2
11 Uhr – 12 Uhr Endo 3 usw.
Und in genau diese 30 Minuten Termine zwischen zwei Endo- Behandlungen haben wir in all den Jahren unsere Besprechungen einbestellt. Zur Entspannung gewissermaßen und weil wir den Patienten ja schnellstmöglich einen Termin anbieten mochten.
Dumm nur.
Das mit der Entspannung funktioniert nicht.
Im Gegenteil.
Diese Vorgehensweise war so ziemlich das Dümmste, was man vorstellen kann. Heute kann ich rückblickend nur verständnislos den Kopf schütteln, wie und warum wir das SO lange gemacht haben.
Was ist der Denkfehler ?
Zunächst allein schon die Tatsache, dass ein Erstgespräch zeitlich nicht zu kontrollieren ist. Und der kalkulierte Rahmen von 30 Minuten gegebenenfalls zu kurz bemessen ist, je nachdem wieviel Gesprächsbedarf sich auftut. Man kennt das: „Seit wann haben Sie denn diese Schmerzen: „Oh Herr Doktor, das muss ich etwas weiter ausholen, lasen sie mich nachdenken, ich war damals schwanger und mein Sohn ist jetzt 37. Wenn so ein Satz auftaucht, weiss man sofort, das wird jetzt dauern“. Der Zeitrahmen ist ohnehin sehr knapp bemessen, 45 Minuten wären sicherlich, alles in allem berücksichtigend (Gespräch, Untersuchung, HKP-Erstellung und Erläuterung, Dokumentation) angebrachter. Allerdings wird dann umso mehr offensichtlich, dass dieses Erstgespräch eine nicht kostendeckende Angelegenheit ist. Auch darüber werden wir in einer weiteren Episode detailliert sprechen und wie mit solchen Situationen sinnvollerweise umzugehen ist.
Für den gegenwärtigen Stand unserer Überlegungen reicht aber alleine schon die Tatsache, das ein Erstgespräch, welches den Zeitrahmen überzieht, entweder dazu führt, dass man versucht, das Gespräch schnellstmöglich zu Ende zu bringen, ein gerade im Hinblick auf den ersten Patientenkontakt fatales nonverbales Signal. Oder aber man überzieht. Und startet verspätet und mit einem Zeitdefizit gleich von Beginn an in die nächste Endo- Behandlung.
Beides möchte man nicht.
Bedeutet Stress. Unruhe. Frustration.
Keine guten Voraussetzungen für Top – Ergebnisse.
Und garantiert KEIN SPASS. Den wir doch haben wollen. Immer. Oder ?
Die Konsequenz war, die Erstuntersuchungen an das Ende des Arbeitstages zu legen. Man hat so alle Zeit der Welt.
Problem gelöst ?
Auf den ersten Blick schon.
Allerdings ist am Ende des Tages aber auch schon viel Kraft auf der Strecke geblieben. Ich habe diese Gespräche immer als sehr anstrengend empfunden. Es war kein Spass, sondern vielmehr notwendiges Übel. Und natürlich gab es immer wieder Patienten, die zu diesem Zeitpunkt nicht konnten oder -weil dringend anzusehen, dann doch im Laufe des Tages inmitten der regulären Behandlungen eingebucht wurden. Mit den oben beschriebenen Problematiken.
Wie machen wir es heute ?
Erzähle ich in der nächsten Episode: „MITTWOCH!“