Quiz du jour (I)

von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen einen nicht ganz alltäglichen Fall vorstellen und Sie nach Ihrer Diagnose und Therapie fragen.

Zur Vorgeschichte:

Im Rahmen eines Prophylaxe Termins fiel bei der hier vorgestellten Patientin im Gaumen links Regio 25/26 eine ca. 2 x 2 mm grosse primär schmerzlose „Verletzung“ der Gingiva auf. Die Patientin selbst hatten das Areal bisher nicht negativ wahrgenommen.

2x2 mm grosser Gingivadefekt

2×2 mm grosser Gingivadefekt

Die „Öffnung“ liess sich  in die Tiefe nicht weiter sondieren und zeigte keine Blutung oder Pus-Sekretion.

Die weiteren klinischen Befunde (fokussiert auf Regio 24-27):

  • Taschensondierung: Regio 24-27 ohne Besonderheiten
  • Sensibilität:  24: positiv ;25-27: negativ
  • Perkussion/Druckdolenz: 24 – 27 ohne Besonderheiten
  • Aufbiss: 24 – 27 ohne Besonderheiten

Die angefertigten Röntgenaufnahmen sehen Sie nachfolgend:

Einzelzahn-Röntgenaufnahme 25-27

Zahnmedizinische Anamnese (fokussiert auf Regio 24-27):

Die letzten konservierend-prothetischen Behandlungen im 2. Quadranten liegen circa 10-15 Jahre zurück.

Allgemeinmedizinische Anamnese:

54 Jahre alte Patientin mit guten Allgemeinzustand. Ständige Medikamenteneinnahme: Thyroxin 75

Was denken Sie sieht man auf den klinischen Fotos, was könnte die Ursache (und Diagnose) sein und welche Therapie wählen Sie?

Brauchen Sie für die weitere Entscheidungsfindung ggf. weitere Informationen?

Viel Spass beim Quiz du jour

;-)

16 Gedanken zu „Quiz du jour (I)

  1. Hallo Herr Decker,
    das sieht für mich eher nach einem nekrotischen Knochensequester aus.
    Evtl. auch ein Wurzelrest. Im Zahnfilm erkennt man auf leicht subcrestaler Höhe der mesialen Wurzel eine dentindichte Auffälligkeit. Man könnte natürlich jetzt eine DVT Diagnostik heranziehen. Ich würde allerdings mit einer spitzen Sonde den Befund auf Mobilität testen und gegebenfalls nach palatinaler Anästhesie eine paramarginale Aufklappung von 5 auf 6 wählen und klinisch inspizieren.
    Gab es damals eingentlich für das „Nashorn-Artefakt“ eine Auflösung?

    Viele Grüße,
    Markus

  2. Es ist auf jeden fall eine ungewöhnliche Lage für eine Fistel.
    Zusammen mit dem Zahnfilm vermute ich ein Fremdkörper an der mesialen Wurzel von 26. Vielleicht noch etwas Abfomrmaterial von vor 15 Jahren oder Zementreste.

    Das ganze wäre dann als Diagnose eine scharf begrenzte chronische iatrogene gingivahypoplasie ;-)

    Therapie auf klappen, nachschauen und ggf. Fremdmaterial entfernen.

  3. Ich würde mit der Sonde die Oberflächenhärte und eventuelle Mobilität prüfen zur Entscheidungsfindung, ob es sich um einen Fremdkörper ( Wurzelrest o. ä. ) handelt oder um eine Veränderung der Gaumenschleimhaut . Gibt es dazu Infos ?

  4. Brainstorming
    Sondieren der Nekrose: sind Strukturen zu ertasten, die nicht denen der palatinalen Knochenoberfläche entsprechen? Läßt sich was bewegen?
    Die Verschattung im Bereich der mb Wurzel kann auf einen Wurzelrest hindeuten. Die Form entspricht dem bauchigen Wurzelspitzentyp; Milchzahnwurzelreste sind eher spitz ausgeformt.
    Ich vermute eine Frakturlinie auf dem Zahnfilm dicht oberhalb der Trifurkation. Subgingivale Sondierung und Zahn unter Zugbelastung auf Mobilität prüfen sind die nächsten Schritte.
    Die Vermutung ist allerdings eher mit bukkalen Auswirkungen verknüpft. Auch hätte ein Befund dieser Art einen recht schnell eintretenden Knochenverlust innerhalb der Trifurkation nach sich.
    Also, wat isset?
    (Danke für das spannende Quiz1)

  5. ich würde auch auf einen palatinal liegenden Milchwurzelrest tippen.
    Um was exotisches zu bringen bei ungewöhnlicher Platzierung: nekrotisierende Sialometaplasie einer kleinen Speichdrüse am Gaumen

  6. Heute hat mir ein Kollege fast den gleichen Fall per E-mail gezeigt – ich vermute jetzt dass es ist die palatinale Wurzel ist die subgingival frakturiert ist und sich nach gewisser Zeit verlagert und die Gaumenschleimhaut perforiert. Das kann man jetzt natürlich idealerweise mit einem DVT nachweisen/diagnostizieren.

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