Intraossäre Anästhesie (I)

von Christoph Kaaden

Endodontische Behandlungen haben in aller Regel bei Patienten den Ruf sehr schmerzhaft und unangenehm zu sein. Zumeist ist es jedoch durch eine profunde Anästhesie möglich, eine schmerz-frei bzw. -arme Behandlung zu erreichen. Hierfür stehen verschiedene Lokalanästhesie-Verfahren und Applikationstechniken zur Verfügung. Neben Infiltrations- bzw. Leitungs-anästhesie sind ferner alternative Formen wie intra-ligamentäre bzw. -ossäre Techniken verfügbar. Insbesondere die letztgenannte Vorgehensweise ist in aller Regel in der Zahnheilkunde aus verschiedenen Gründen wenig weit verbreitet.

Geht es nach der Firma W&H (Bürmoos/Österreich), soll sich dies in näherer Zukunft durch die Markteinführung von Anesto ändern.

Bei diesem Produkt handelt es sich um ein spezielles Handstück zur direkten intraossären Anästhetikum-Injektion über eine rotierende Nadel.

Nähere Informationen hierzu bieten diese beiden Videos:

In einem zweiten Teil dieses Blogbeitrages berichte ich von unseren bisherigen „Anesto“-Erfahrungen…

9 Gedanken zu „Intraossäre Anästhesie (I)

  1. Schönes Hilfsmittel. Mir stellen sich zwei Fragen:

    Wie hoch ist das Risiko einer ungewollten intravasalen Anästhesie? (sicherlich abhängig von der Region). Eine Aspiration ist nicht möglich , denke ich.

    Wie oft wird dieses Gerät benutzt werden müssen? (keine suffiziente Lokalanästesie möglich)

    Ich habe heute meine Mitarbeiterinnen gefragt, wie oft ein solches Gerät zum Einsatz kommen müsste. Antwort: Maximal 3-4 mal pro Jahr.

  2. Hallo Jörg!

    Welches Gefäss befürchtest Du den zu treffen? Die Nadel ist (ca.) 8mm lang, wenn ich mich nicht täusche. (Und selbst wenn es passieren würde… die Menge an Anästhetikum ist sehr gering). Ich würde eher eine mögliche Zahn- bzw. Wurzel-schädigung als wahrscheinlichere Komplikation nennen. Was denkst Du?
    Bei der Entwicklung des Anesto ging es wohl auch darum ein Verfahren „weiterzuentwickeln“ um so eine (für den Patienten häufig lästige) Leistungsanästhesie zu vermeiden. Das Einsatzgebiet ist ferner auch mannigfaltig. Von der Endo bis zur Implantation…
    ich bin erstaunt, dass als erstes „Veto“ nicht „Skrupel vor einer intraoss. Applikation“ kam…
    hast Du diese Art von Verfahren schon mal verwendet?
    Wäre für Dich eine max. 4xige Anwendung im Jahr ein „Kaufgrund“?
    lgc

    • Hallo Christoph,
      Hallo Christoph,

      bei der intraossären Anästhesie brauchst Du kein Gefäß zu treffen, weil die Durchblutung des Knochenmarkes einfach sehr, sehr gut ist. So steigt nach intraossärer Anästhesie (z.B. mit dem X-Tip) bei sehr vielen Patienten die Herzfrequenz sehr rasch und deutlich spürbar an.

      Wegen der guten Durchblutung des Knochenmarks wird der intraossäre Zugang oft bei Kindernotfällen verwendet, da es bei diesen mitunter schwierig ist, eine Venenverweilkanüle zu plazieren. Grundsätzlich ist er jedoch in allen Altersstufen einsetzbar und wird zunehmend auch bei Erwachsenen genutzt. Der intraossäre Zugang gilt bei der Infusion von Flüssigkeit und der Applikation von Medikamenten als eine durchaus vergleichbare Alternative zum venösen.
      Die „B.I.G.“ (Bone Injection Gun) ist ein einfaches „Schussgerät“ für intraossäre Nadeln im Notfall und ermöglicht eine einfache, schnelle und schmerzarme Anwendung, bei sehr geringem Fehlpunktions- und zugleich minimiertem Risiko einer Keimeinschleppung in die Punktionsstelle. Deshalb haben wir seit zwei Jahren so ein Teil in unserer Notfallausstattung.

      Problematisch bei der intraossären Anästhesie sind in meinen Augen eher Infektionen im Punktionsgebiet mit dem Risiko einer Keimverschleppung, eine möglicherweise für endodontische Therapien zu kurze Anästhesiedauer und ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz an „Anästhesieversagern“, die in der Literatur von etwa 7 – 20% angegeben werden.

      Ich bin auf Deinen Erfahrungsbericht sehr gespannt!

      Beste Grüße vom Lande,
      Thomas

    • Nun gut, im UK wäre die Region von 3 bis 5 für mich kritisch. Der Mentalis hat ab und an auch schon einmal einen Loop zurück. Intravasal ist auch bei kleinen Mengen nicht ohne.

      Bei der Leitungsanästhesie habe ich in der Regel auch den lingualen Part anästhesiert, was schon hilfreich ist (subgingivale Lage der Kofferdamklammer. z.B.). Muss man dann von aussen und von innen anästhesieren?

      4x im Jahr wäre für mich kein Kaufgrund, da die 4 genannten Fälle pulpitische Zähne sind, die nach intrapulpaler Injektion definitiv beschwerdarm bearbeitbar sind.

      Was kostet das gute Stück?

      LGJ

  3. Wie schaut es mit dem Einsatz von „X-Tip“ (Variodent, Maillefer) aus? Oder Stabident? Intraflow HTP klingt ebenfalls etwas komplizierter, aber bis jetzt sind wir ohne derartige Geräte ausgekommen…

  4. Hallo Christoph,

    ich hab jetzt das Anesto seit gut nem dreiviertel Jahr im Einsatz und es leistet gute Dienste. Ich hab allerdings bei allen Patienten ein Pulsoxy dran da ja eigtl. intravasal, wie handhabst Du das?
    Was mir auffällt ist das die Nadel ab und an im Gegensatz zum damaligen X-Tip eher unrund läuft. Ist das bei deinem Gerät auch so?

    Danke

    Günther

    • Hi Günther!
      Haben Anesto immer ohne Pulsoxy etc eingesetzt… welche Erfahrungen hast Du gemacht? Kam es zu signifikanten Änderungen? Welche Massnahmen hättest Du im Zweifel ergriffen?
      Deine Beobachtungen mit der Kanüle kann ich nicht teilen… wie sieht es mit „Verstopfungen“ der Nadel aus?
      vg.c

      • Hi Christoph,

        anfangs hab ich immer noch UDS 1:100.000 genommen, da kam es schon häufiger zu ner deutlichen Steigerung der Pulsrate. Seit kurzem nur noch ohne Adrenalin oder 1:200.000 je nach Therapie und Dauer, deshalb weniger. Bei nem signifikanten Anstieg Abbruch der Injektion.
        Die Nadeln sind bei mir jetzt eigtl. immer gängig, anfangs hatte ich ab und zu schon Probleme, ich denke aber, dass ich beim Penetrieren des Knochens zuviel Druck ausgeübt und nicht intermittierend gearbeitet hatte. Für mich insgesamt eine tolle Sache, auch für Kons etc.

        Gruss

        Günther

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