Der Patient kommt aus England.
Von Zeit zu Zeit kehrt er, als junger Mensch nach Groß-Britannien ausgewandert, in seine Heimatstadt zurück. Wir kennen uns seit unserer Jugend. Haben uns nach mehr als 4 Jahrzehnten 2025 wiedergetroffen und er hat mich um mich um Rat gefragt, seine Zähne betreffend. Mehrere Zähne sollten extrahiert werden, andere fehlen schon.
Zahn 45,46,47 wiesen insuffiziente Restaurationen auf und massive apikale Aufhellungen.
Der Patient war bereit, den Weg von Wales nach Deutschland für eine Behandlung auf sich zu nehmen und so haben wir im Frühjahr und Sommer 2025 die endodontischen Behandlungen an diesen Zähnen durchgeführt.
Was vielleicht nicht dies schlechteste Idee ist, ich komme gleich darauf zurück.
Gestern war der Patient zur Halb- Jahres- Kontrolle post WF da und es war in diesem Zusammenhang geplant, die postendodontischen Stabilisierungen an 45,46,47 sowie weitere endodontische Behandlungen an den Zähnen 16 und 27 durchzuführen.
Doch dazu kam es nicht.
Zunächst jedoch zeigte der Patient sich erstaunt darüber, dass an Zahn 27 überhaupt ein Behandlungsbedarf bestand, hatte er doch vor kurzem, konkret im Januar 2026 an Zahn 27 von einem Zahnarzt vor Ort eine Füllung an diesem Zahn bekommen.
Kann man es einem Patienten verdenken, wenn er misstrauisch ist, wenn ein Zahnarzt ihm einen Behandlungsbedarf suggeriert, an einem Zahn, der vor kurzem erst behandelt worden war???
Wohl kaum.
Dank Kamera am OP- Mikroskop ist es jedoch kein Problem, den Sachverhalt zu visualisieren und damit im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar zu machen.

Hier sieht man den Status Quo von heute.
Eine Verwechslung von Seiten des Patienten, die ich zunächst angenommen hatte, kann insofern ausgeschlossen werden, dass es sich beim Zahn 27 um den einzigen noch verbliebenen Molaren im 2. Quadrant handelt und der Patient den Zahnarzt aufsuchte, weil ihm dort ein Stück vom Zahn abgebrochen war, er also die Lokalisation des Defektes diesem Zahn zuordnen konnte.
Was tun?
Die neue Füllung belassen ?
Weil sie neu ist ???
Ich habe nach Rücksprache mit dem Patienten die neue Füllung ausgetauscht.
Hier ein paar Bilder nachfolgend vom Verlauf der Behandlung.
Weiche Karies im Bereich des Füllungsrandes, die sich nach Entfernen des distalen Füllungsrandes offenbart, mesial davon das bereits exkavierte harte und helle Dentin.
Und hier das Ergebnis nach Füllung.
Eine endodontische Behandlung erscheint mir gegenwärtig nicht notwendig.
Was der Patient zum Abschluss noch erzählte.
Der Zahnarzt war kein Zahnarzt des NHS, also der gesetzlichen zahnmedizinischen Versorgung, kein „Kassenzahnarzt“, sondern ein Privatzahnarzt.
Die Behandlung in England hat 20 Minuten gedauert und umgerechnet 170 Euro gekostet.