
Kürzlich, bei einem meiner Vorträge über den Status Quo in der Endo traf ich eine Studienkollegin wieder, die ich seit unserer Examenszeit nicht mehr gesehen hatte.
Im Anschluss an die Veranstaltung lachten wir über gemeinsame Zeiten. Es war, als wären nicht 35 Jahre vergangen, sondern die Zeit stehengeblieben. Bis sie die Frage stellte: Lohnt sich die Anschaffung eines Operationsmikroskops überhaupt noch, wenn man nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand hat? Genau genommen sagte sie, die Anschaffung eines Operationsmikroskopes lohnt sich nicht mehr, wenn man nur noch ein paar Jahre bis zum Ruhestand hat.
Wäre mein Frau dabei gewesen, sie wäre unwillkürlich zusammengezuckt.
Wohlwissend, dass ich auf eine solche Aussage reagieren würde wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten hat.
Denn die Idee, dass sich ein Mikroskop nur lohnt, wenn man noch Jahrzehnte vor sich hat, ist ungefähr so plausibel wie die Aussage, man solle im Herbst keinen Mantel mehr kaufen, weil es ja bald danach wieder Frühling wird.
Auch wenn wir uns Jahrzehnte lang nicht gesehen hatten. Ich wusste, nicht schöne Worte, nur klare Fakten würden meine Studienkollegin überzeugen können – daher hier meine 3 KO- Argumente in der Sache:
1
Ein Mikroskop ist kein dekoratives Spielzeug. Sondern ein Werkzeug, das die Art, wie man Zahnmedizin im Allgemeinen und Endodontie im Speziellen betreibt, grundlegend verändert: Man sieht Dinge, die einem verborgen geblieben sind: Winzige zusätzliche Kanäle. Haarrisse, versteckte Isthmen.
Dinge, die man bisher übersehen hat.
Nicht aus Nachlässigkeit. Sondern, weil sie bislang einfach nicht sichtbar waren. Auch nicht mit Lupenbrille. Es ist, als ob man jahrelang durch trübes Milchglas gesehen hat und plötzlich mit einem Fernglas durch ein geputztes Fenster schaut.
Es liegt auf der Hand, dass sich dadurch die Behandlungsqualität verbessert. Und zwar auf vielen Ebenen. Bessere Behandlungsqualität bedeutet höhere Patientenzufriedenheit. Daraus resultiert höhere Behandlerzufriedenheit. Weniger Misserfolge. Spart Zeit und Nerven. Erhöht das Betriebsergebnis.
2
Aber es geht nicht nur um die Zähne der Patienten. Es geht auch um uns. Denn wer einmal mit Mikroskop gearbeitet hat, weiß: Rücken und Nacken danken es einem jeden einzelnen Tag. Statt in krummen Verrenkungen über dem Behandlungsstuhl zu hängen, sitzt man aufrecht und entspannt. Ich hatte in den wenigen Jahren ohne Mikroskop mehr Rückenbeschwerden als in den vielen Jahrezehnten danach. Und Gesundheit ist unser kostbarstes Gut. Das an Bedeutung sogar noch gewinnt, je älter man wird.
3
Bleibt noch das Argument: „Das Mikroskop kostet doch ein Vermögen.“ Auch das kann ich nicht gelten lassen. Sehr gute Mikroskope gibt es heute schon in der Preisklasse von 20 – 30.000 Euro. Man investiert also nicht in den – manche Vorurteile sind einfach nicht totzukriegen – sprichwörtlich Zahnärzten nachgesagten Porsche und schon gar nicht in eine Luxus-Yacht, sondern gerade mal in ein Auto der Einsteiger-Klasse. Und jetzt mal ehrlich – wer würde allen Ernstes auf die Idee kommen, mit dem Bus zur Praxis zu fahren, weil er das Geld für einen Dacia Logan nicht ausgeben möchte. Das ist einfach nur lächerlich. Zumal – im Gegensatz zum Auto- das Mikroskop in den 5 Jahren bis zur Rente nur erstaunlich wenig an Wert verliert und in dieser Zeit sich selbst mehr als amortisiert.
Mit dem Mikroskop lässt sich in den fünf Jahren nicht nur solide, sondern ausgesprochen gut Geld verdienen. So gut, dass sich die Anschaffung in aller Regel schon nach ein bis zwei Jahren längst bezahlt gemacht hat. Will man die Praxis irgendwann verkaufen, ist das Mikroskop ein attraktives Add On im Exposé. Und wenn man es nicht mitverkaufen möchte oder kann, lässt es sich separat veräußern und bringt einen großen Teil der Kosten zuverlässig zurück. Ganz zu schweigen davon, dass die Investition ins Mikroskop 5 Jahre lang steuerlich geltend gemacht werden kann
Dazu kommt: Die Konkurrenz schläft nicht.
In immer mehr Praxen gehört das Mikroskop mittlerweile zur Grundausstattung. Die Jungen haben den Wert des Mikroskopes für die Zahnmedizin längst erkannt. Wer als „alter Sack“ darauf verzichtet, läuft Gefahr, im direkten Vergleich zum Mitbewerb im wahrsten Sinne des Wortes „alt“ auszusehen. Patienten können die Qualität unserer Arbeit oft nicht beurteilen. Und da hilft uns das Mikroskop in zweifacher Hinsicht. Zum einen gibt es bei den Patienten eine Faszination für Technik. Ein Mikroskop in der Zahnmedizin ist High Tech. Eine Lupenbrille auf der Nase, sorry, die kann da nicht mithalten.
Und es gibt noch einen weiteren Bonus: Stichwort Dokumentation.
Mit der eingebauten Fotokamera lassen sich Arbeitsschritte festhalten und Befunde glasklar illustrieren. Der Patient sieht auf einem großen Fernseher an der Wand nicht nur, dass gearbeitet wird, er sieht, was gearbeitet wird – und warum Behandlungsbedarf besteht.
Das schafft Transparenz.
Einsicht für notwendige Behandlungsmaßnahmen.
Daraus entsteht Vertrauen.
Und oft auch eine ganz neue Gesprächsebene.
Und schließlich ist da noch scheinbar banaler, aber nicht zu unterschätzender Punkt: die Leidenschaft. Nach Jahrzehnten im Beruf kann der Alltag manchmal etwas eintönig wirken. Ein Mikroskop bringt frischen Wind, eröffnet neue Möglichkeiten und schärft wieder den Blick für das, was unseren Beruf eigentlich ausmacht: die Faszination für das Kleine, Verborgene, Komplexe. Für Präzision. Und die erfolgreiche Beherrschung dessen, was dentale Meisterschaft ausmacht. Und darauf darf man dann auch zurecht stolz sein.
Kurz und knapp:
Meine Antwort war eindeutig.
Ja, es lohnt sich.
Auch für fünf Jahre.
Vor allem für die letzten fünf Jahre.
Mehr Qualität.
Mehr Gesundheit.
Mehr Geld.
Mehr Zufriedenheit.
Diese fünf Jahre, liebe Kollegin, wirst du mit einem Mikroskop intensiver, entspannter und erfolgreicher erleben als ohne.
Und wenn das Alles die Investition nicht wert ist, dann weiss ich es auch nicht.