
Wer die 2-Jahrestagung der European Society of Endodontology (ESE) besucht, profitiert nicht nur durch das (hoffentlich) hochkarätige wissenschaftliche Programm, sondern immer auch durch eine bemerkenswert gut bestückte Industrieausstellung.
Und wer hatte den größten Stand auf der ESE – 2 Jahrestagung in Paris ?
Die chinesische Firma Woodpecker.
In einer Dimension, wie sie früher nur dem Endo- Giganten Maillefer vorbehalten war.
Bei Dentsply Sirona geht es heutzutage deutlich kleiner zu, zumindest die Endo betreffend. Und VDW, in den deutschsprachigen DACH- Gebieten (Deutschland, Österreich, Schweiz) ehemals die unangefochtene Nummer 2 ist sogar schon fast vollständig aus dem Scheinwerferlicht der Endo-Bühne zurückgetreten.
Woodpecker hingegen hat sich im Laufe der Jahre vom früher in der Einschätzung seiner Mitbewerber arrogant-mitleidig belächelten Schrott- Anbieter zum endodontischen Vollanbieter entwickelt und präsentierte sich in Paris als ein Unternehmen, das inzwischen ein nahezu vollständiges Portfolio für die moderne Endodontie vorweisen kann. Von Feilensystemen über endodontische Motoren, Obturationstechnologien, Ultraschallgeräte bis hin zu Bildgebungssystemen – die Bandbreite der Produkte zeigt den Anspruch, Anwendern eine ganzheitliche Lösung aus einer Hand anzubieten.
Was die gezeigten Produkte angeht – Das Design wirkt durchdacht und modern, die Verarbeitung hochwertig. Wirklich beeindruckend, mit welcher Konsequenz Woodpecker in den vergangenen Jahren seine Produktpalette ausgebaut und professionalisiert hat.
Neueste Innovation? Ein Operationsmikroskop.
Auch hier ein ansprechendes modernes Design mit adäquater Haptik. Ob es auch langfristig den hohen Anforderungen im klinischen Alltag standhält, muss die Praxis zeigen . Es ist – glaube ich – kein Geheimnis, dass ich hier – keine Experimente – nur auf ZEISS und CJ-Optik setze. Aber die Signalwirkung ist jedoch unübersehbar: Woodpecker drängt nun auch in das High-End-Segment der Endodontie.
Auffällig war auch die Art und Weise, wie Woodpecker mit den Messebesuchern umging. Neben einer professionellen Präsentation setzten sie stark auf aktive Kundenbindung: Produktsamples, Demonstrationen und direkte Ansprache machten deutlich, dass hier ernsthaft um Vertrauen und Marktanteile geworben wird.
Im Gegensatz dazu wirkten viele etablierte Hersteller vergleichsweise passiv. An manchen Ständen hatte man den Eindruck, dass die Firmen ihre Produkte lediglich „ausstellen“ – in der Annahme, dass Qualität und Bekanntheitsgrad alleine für den Verkauf sorgen. Oft gab es kaum mehr als nüchterne Broschüren, die wenig Begeisterung oder konkreten Nutzen vermittelten. Endo-Instrumente zum Ausprobieren? Der Appetit kommt ja oft beim Essen ? Nicht nur bei KOMET Fehlanzeige. Tut mir leid, aber so gewinnt man keine Marktanteile, man verliert sie höchstens.
Ein weiterer Punkt, den man nicht übersehen darf: der Preis. Woodpecker bietet seine Geräte und Instrumente in aller Regel deutlich günstiger an als die etablierten Marken – und das bei inzwischen sehr solider Qualität. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten macht dieser Preisvorteil den entscheidenden Unterschied.
Zumal die Strategie vieler Platzhirsche immer weniger verfängt: Geräte, die ohnehin in Asien gefertigt werden, werden umgelabelt und hier als Premiumprodukte zu deutlich höheren Preisen verkauft. Und bei gut laufende Endo-Instrumenten wird Jahr für Jahr an der Preisschraube gedreht. Natürlich nur nach oben, die Firma Rolex macht es vor. Mal sehen, was der Markt hergibt, so vermutlich die Denke der Preisgestalter bei den etablierten Marken. Das mag lange funktioniert haben, doch auf einer Messe wie dieser wird klar: Wenn ein Hersteller wie Woodpecker hochwertige Produkte zu realistischen Konditionen anbietet, wird es für die Konkurrenz schwer, den Premium-Aufschlag noch glaubwürdig zu rechtfertigen.
Für viele europäische Anbieter, insbesondere auch für die deutschen Firmen, muss der Woodpecker-Auftritt ein starkes Warnsignal sein. Während sie sich stark auf Tradition und Reputation, auf in der Vergangenheit Geleistetes verlassen, demonstrierte Woodpecker Dynamik, Innovationsfreude und einen klaren Willen, den Kunden aktiv zu gewinnen.
Die Parallele zur Automobilindustrie drängt sich auf: Auch da waren deutsche Marken lange tonangebend, aber die Dynamik kam irgendwann von anderen. Von Tesla und aus China. Und genau so fühlte es sich in Paris an – Woodpecker fährt gerade mit Vollgas, während andere eher im Leerlauf rollen.
Für uns als Anwender bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieser Markt in den nächsten Jahren weiterentwickelt – klar ist aber schon jetzt: Die etablierten Hersteller werden sich anstrengen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren.
Dem ist nichts hinzuzufügen!
LG Bernard