von Oscar von Stetten

Lang, lang ist es her, dass die SAF auf den Markt kam. 2011 offiziell, wenn ich mich richtig erinnere. Und 2016 verschwand sie dann wieder vom Markt.
Sie war weg. Und damit eines der IMHO geilsten Tools, die wir in den letzten 25 Jahren für die Endo hatten.
Vorab: die SAF ist wieder da.
Ja, als Benutzer der ersten Generation musste man schon ein wenig leidensfähig sein. Permanente Korrosion der Antriebsköpfe, der Pumpen, der Schläuche. NaOCl ist kein Honigtau, das ist Ogerblut. Der neue Trend zu stabilisierten NaOCl-Lösungen verstärkt die Korrosionsproblematik noch mehr. Und ja, das Marketing erlebte dann einen Realitätcheck mit der klinischen Wirklichkeit. Wie jedes System.
Dennoch, wer sich das Dentin bei Revisionen einmal genauer angeschaut hat vor und nach der SAF konnte sehen, dass sich dort etwas getan hat (was bei Ultraschallaktivierung, Eddy, Laser oder wie sie immer alle heissen mögen, nicht immer der Fall ist). Es war wieder Dentin in der originalen Farbe zu erkennen, fast egal wie schwarz und verschmoddert es vorher ausgesehen haben mag.
Schade. Mal eine Innovation (völlig anders als das, was wir bisher kannten) und nicht wieder die 495939292 dröflste Arbeitspitze, die nur eine Modifikation der seit gefühlt 1000 Jahren benutzten Tools darstellt. Etwas, was aktiv die Wurzeloberfläche bearbeitet und nicht nur darauf aus ist, eine genügend hohe Strömungssgeschwindigkeit zu erreichen, um Biofilm von der Kanaloberfläche zu reissen. Theoretisch. Sehr gut untersucht. Und es funktioniert so auch praktisch.
Die Idee ist eigentlich eine sehr, sehr gute. Analogie zur Milchflasche: wie bekommt man die sauber? Richtig, mit einer Flaschenbürste…..
2020 bekam ich dann eine Email von Zeev Schreiber, dem CEO von Redent Nova. Ob ich Interesse an einem Treffen hätte, es gäbe da was zur SAF. Logisch, ich will mein Lieblingstool wieder zurück.
Es waren erstmal nur Treffen und TelKos zur Ideensammlung, Fokussierung und Marktforschung, Entwicklung. Zwischendurch immer wieder Entwürfe zum Anfassen und kritisieren. Mitte 2023 kam dann einen Motorprototyp mit ein paar Feilen und ein paar Handstücken. Sehr spannend….
Aber, es war ein Prototyp. Es war zum Teil frustrierend, weil das Gerät leckte und muckte, zum Teil nicht mal mehr zum arbeiten zu bewegen war. Es schmotzte, oder auch nicht, dann verklumpte was, dann wieder nicht, mal musste der Druck angepasst werden, dann ging mal wieder ein Ventil flöten, mal schiesst eine neue Firmware das Gerät aus dem Leben, dann versagen die Batterien und so weiter und so fort. Das war der Tatsache geschuldet, dass es nur sehr, sehr, sehr wenige Prototypen gab und diese bereits m Labor gequält worden waren. Egal. Es folgte eine längere Pause, die die Ingenieure nutzten, um das Anwenderfeedback umzusetzen und Optimierungen zu implementieren. Die nächste Geräteiteration war dann auch schon viel besser ;-) und deutlich ausgereifter.
Und im engen Austausch mit Redent, den Ingenieuren und viel Feedback hat das Gerät nun die Marktfreife erlangt. An den SAF selber hat sich nichts geändert, nur die Fertigungsmethode ist jetzt ausgereift und alle Modifikationen soweit abgeschlossen. Das bedeutet allerdings auch, dass die SAP nach wie vor gewissen Einschränkungen unterliegt. Bild 4,5
Was hat sich dann geändert?
Die Pumpstation…..
Nix mehr was korrodieren kann. Alles hochwertiger Kunststoff. „Kompakt“, soweit man das als kompakt bezeichnen kann. Und ein paar Gimmicks, die doch den feinen Unterschied ausmachen können.
1.) integrierte Absaugung
Ist der Schaft im Hypo-See eingetaucht, kann man durch die Station das Hypo periodisch absaugen lassen. Kann bei Revisionen einen Vorteil bieten, denn dann werden die flotierenden GP-Reste und Partikel abgesaugt. Die Station hat dafür einen ausreichend grossen „Ab-NaOCl“-Tank. Ich mag die Absaugung trotz anfänglicher Gewöhnungsprobleme nicht mehr missen.
2.) integrierte Mischfunktion
Die Einheit kann mit einer HEDP/NAOCl-Kombination betrieben werden. Da diese Lösung sehr instabil ist, muss diese frisch angerührt werden. Kann man ausserhalb im Glas machen und dann nutzen oder man lässt die Station das erledigen. Es ist eine Mischfunktion enthalten, man kippt nur das NaOCl und das HEDP-Pulver in den Tank, die Einheit mischt das selbstständig und stellt es dann zur Verfügung.
Am Anfang hatten wir Probleme mit Verklumpungen des HEDP, nach einer Modifikation des Anmischvorganges sind diese vollständig behoben.
Was ist der Vorteil? Prof. Dr. Zehnder aus Zürich hat dazu wunderbare Vorträge und es gibt tatsächlich gute Lit dazu. Nutze ich es? Auf jeden Fall. Warum, würde einen neuen Artikel erfordern deswegen nur der Hinweis: man merkt es sehr deutlich bei der WF ;-). Und es reduziert die Logistik in der Vorbereitung mit verschiedenen Flüssigkeiten und Gedönse.
Nachteil: es muss IMMER frisch angerührt werden, da das HEDP das NaOCl deaktiviert. Bedeutet aber nur eine kleine Änderung in der Routine und es stört inzwischen nicht mehr wirklich.
Grosses Display mit einem inzwischen schnellen Prozessor und sehr guter Responsivity. Einfach zu pflegen, einfach zu putzen.
Bedienung? Intuitiv. Mehr oder weniger, aber um ehrlich zu sein, das einzig Wichtige zum Ändern ist die Anzahl der Kanäle und die Durchflussrate. Das kann man inzwischen sehr bequem ändern, wenn man es will.
Was gibt es noch?
Einweghandstücke. Richtige, vom Hersteller als Einmalprodukt gekennzeichnete Handstücke. Die halten ohne Probleme mehrere Kanalsysteme aus (die Handstücke, die Feilen nicht immer). Dazu gibt es noch einen kabellosen Motor und einen Adapter für die normalen ISO-Motoren der Einheit. Diese können via BT mit der Pumpe gekoppelt werden und damit automatisch die Pumpe aktivieren, wenn das Handstück läuft. Vereinfacht vieles. Bestellt man die Feilen, kommen automatisch die Handstücke dazu.
Kann man die SAF ohne die Pumpe betrieben? Ja, logisch funktioniert das. Haben wir alle bei der V1 auch gemacht. Macht es Sinn? Eher nicht, die Spülflüssigkeit MUSS durch das Handstück geleitet werden, aus Gründen der Antriebsschmierung. Es gibt zwar einen anderen Workaround dafür, aber das sollte nicht der Standard werden. Letztendlich muss das jeder für sich selber entscheiden. Ich habe es ein paar mal machen müssen (mit den ersten Pumpen, als die mal nicht liefen) und habe ehrlich gesagt schon ein wenig den Luxus vermisst. Würde ich heute von abraten, nimm das Set und gut ist. Akkubetrieben, die Laufzeit ist völlig in Ordnung (ein Akku hält bei uns gute 8h durch).
Stand heute: ich würde die SAF nicht ohne die Pumpe kaufen. Macht schon Sinn, vereinfacht den Einsatz und sorgt für wenig Disruption im Ablauf. Die Mischfähigkeit des HEDP ist für mich ein grosses Plus, denn es verhindert eine Sauerei beim Anmischen und dann dem Spritzen auffüllen. Eine Reinigungsfunktion ist jetzt auch integriert, einfach Wasser in den Haupttank, den Verbindungsschlauch an der Pumpeinheit einstecken, Knopf drücken und fertig.
Insgesamt ist das System sehr ausgereift, Redent hat deutlich auf die Kritik und die Vorschläge der Nutzer der V1 gehört und sehr, sehr vieles umgesetzt. Die Station ist jetzt NaOCl- und DAU-sicher (ich weiss es, ich habe das System auf alle erdenklichen Weisen gequält und misshandelt), die Köpfe sind stabil und funktionieren nun hervorragend ohne Ausfälle.
Der Workflow muss nur wenig angepasst werden und die grosse Menge der Literatur zu dem System ist immer noch gültig.
Man bekommt für wenig Geld ein ausgereiftes, gut funktionierendes und in der Reinigung des Kanals sehr effizientes System ohne Folgekosten, Zertifizierungen oder ähnlichem Käse. Kein Dauerwartungsvertrag, ab und an sollte der Tank und der Medienschlauch gewechselt werden (bei überschaubaren Kosten). Keine monatlichen Abos für Softwareupdates oder irgendwas. Kein Raten der richtigen Parameter und ewiges Herumprobieren. 4ml/min/Kanal mit echten 5kHz Schwingung bei 0.5mm Amplitude, nix Vapor-Lock-Phänomen (ein weiteres Plus der eingebauten Absaugung). Keine kaputten Faserspitzen, keine Sicherheitsbeauftragten, keine Zertifizierungen.
Nett und bewährt.
Einfach arbeiten. Klar, ein wenig Eingewöhnungszeit braucht man schon um das Handling zu erlernen. Aber bei welchem System braucht man es nicht, das Feeling für das Instrument. Wer noch weitere information will, sollte auf die Website der Firma Redent gehen. Ansonsten muss man das Gerät mal erlebt haben.
Ach ja, zum Schluss noch eines: ich habe mir eine 3.0mm SAF gewünscht. Wofür? Für jugendliche Frontzahntraumata. Jeder, der schon einmal einen 9-Jährigen mit neurotischem oberen Schneidezahn behandelt hat, weiss um die Problematik einer adäquaten Desinfektion. Das ist mit der 3.0mm jetzt echt sehr gut möglich. Ich habe schon einige Fälle mit diesem Monster gemacht und ich bin begeistert, dass die komplette Desinfektion und mechanische Bearbeitung nach ca 3 Minuten erledigt ist. Und das in einer Qualität, die bisher nur schwierig oder mit sehr viel Handarbeit möglich war.
Ich bin froh, dass die SAF wieder auf dem Markt ist. Wenn jetzt nur noch die Spülflüssigkeit kabellos übertragen werden könnte, wäre es perfekt.
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