
Die Frühjahrsakademie der Österreichischen Gesellschaft für Endodontologie, das 3rd Spring Symposium, fand am 13. und 14. Juni 2025 in Wien statt. Die Veranstaltung bot an zwei Tagen ein abwechslungsreiches Programm, das sowohl praxisorientierte Workshops als auch fundierte wissenschaftliche Vorträge umfasste. Der erste Veranstaltungstag, Freitag, 13. Juni, stand ganz im Zeichen des praktischen Arbeiten. Am Samstag, dem 14. Juni, fanden in beeindruckender Kulisse des historischen Vortragssaals des Park Hyatt Hotels die wissenschaftlichen Vorträge statt.
Am Freitag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, aus mehreren Workshops zu wählen. Georg Benjamin aus Berlin leitete einen praxisnahen Kurs zu Kofferdam-Techniken. Nessrin Taha aus Jordanien bot einen umfassenden Workshop zur Vitalerhaltung von Pulpen an. Dabei wurden die unterschiedlichen Verfahren der indirekten und direkten Überkappung sowie der Pulpotomie behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Entscheidungsfindung in der täglichen Praxis, auf den Erfolgsaussichten verschiedener Techniken und der kritischen Einschätzung aktueller Studienlage. Parallel dazu leitete Agnė Mališauskienė aus Litauen einen Workshop zu direkten Frontzahnrestaurationen. In diesem Kurs standen sowohl One-Step- als auch Two-Step-Techniken zur ästhetischen Versorgung von Klasse-IV-Defekten im Vordergrund.
Der zweite Veranstaltungstag widmete sich der Vertiefung wissenschaftlicher Aspekte der endodontischen Praxis. Es begann bereits um 8:30 Uhr früh mit Nessrin Taha und ihrem Spezialgebiet der invasiven und noninvasiven Pulpabehandlung. Matthias Zehnder aus Zürich führte den Reigen fort mit einer Präsentation zu chemischen Strategien in der Wurzelkanalbehandlung. Dabei beleuchtete er die Rolle verschiedener Spüllösungen und Kombinationen, die zur Optimierung der Desinfektion beitragen können. Im Anschluss referierte Hans-Willi Herrmann aus Bad Kreuznach zu maschinellen Nickel-Titan-Instrumenten. Er stellte praxisnahe Auswahlkriterien, Anwendungsprotokolle und vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Instrumentenfrakturen vor und gab laut Teilnehmerfeedback eindrucksvolle Einblicke in eine optimal praxisspezifisch zugeschnittene Ergonomie des endodontischen Workflows. Im weiteren Verlauf des Vormittags führte Agnė Mališauskienė die Teilnehmer durch die Möglichkeiten der ästhetischen Versorgung von Frontzahnfrakturen. Sie demonstrierte mit wunderbarem Bildmaterial dabei sowohl Notfallmaßnahmen als auch die ästhetisch und funktionell hochwertige Wiederherstellung durch Repositionierung und adhäsive Befestigung von Fragmenten. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der herausragenden Arbeiten des „Rotterdam-Transplantation Teams“ um Jacqueline Surtea, Dick. S. Barendregt, Edwin Eggink und Manfred Leunisse zur Autotransplantation von Zähnen. Dieser Beitrag beleuchtete die Indikationsstellung, die chirurgischen und endodontischen Techniken sowie die Bedeutung moderner 3D-Planung und war allein schon die Reise nach Wien wert. Die vorgestellten klinischen Langzeitergebnisse bestätigten nachdrücklich und in nicht von der Hand zu weisendem Imperativ die Autotransplantation als ernstzunehmende und vor allem bessere Alternative zum Implantat, insbesondere bei jugendlichen Patienten.
Kurz zusammengefasst: Die Frühjahrsakademie 2025 überzeugte durch die hervorragende Kombination aus praktischen Übungen und fundierter Wissenschaft. Die Teilnehmer profitierten von international renommierten Referenten, unmittelbarem kollegialen Austausch sowie einem klaren Fokus auf klinische Umsetzbarkeit. Die Themen Vitalerhaltung, moderne Instrumentierung, Konservierende Exzellenz und alternative Versorgungsoptionen wie die Autotransplantation lieferten praxisrelevante Impulse für den endodontischen Alltag. Die Veranstaltung war inhaltlich hochkarätig, praxisorientiert und bot reichlich Gelegenheit zur persönlichen Fortbildung und zum Networking.
Leiber Hawi,
schön das du dabei warst!
Ich bin ja ein Fan vom Rotterdam Team und finde jeder sollte mal einen Vortrag zum Thema Zahntransplantation gehört haben – was da möglich ist, ist schon faszinierend!
Georg