Über diesen UK-Prämolaren Zahn 44 mit sehr grosser periapikaler Knochendestruktion habe ich schon hier berichtet. 5 Jahre vor Erstvorstellung in unserer Praxis war die Brücke 44 45 47 alio loco eingegliedert worden. Es gab im Nachgang starke Schmerzen, die aber von selbst verschwanden, so dass keine Therapie erfolgen musste. Jahre später diagnostizierte die neue Hauszahnärztin die grosse apikale Aufhellung. Eine chirurgische Intervention, wie von ihr vorgesehen, wollte der Patient vermeiden und wurde zur Beratung an unsere Praxis überwiesen.

Der Patient, in den 70ern, sein Alter betreffend, war ein sehr angenehmer, aber doch sehr ängstlicher Patient. Er hatte Angst vor allem. Angst vor Schmerzen, Angst vor der Behandlung, Angst vor einer möglichen Extraktion und auch Angst vor einer Implantation. Die Coronazeit tat ihr Übriges dazu. Ich kannte ihn seit meiner Jugend, er war einer meiner Lehrer am Gymnasium. Wäre ihm der ultimative Versuch des Zahnerhaltes zuzumuten? Oder würde er, sollte dies misslingen, mit dem Rettungsversuch hadern?
Ich entschied mich für die Wurzelkanalbehandlung.
Unser übliches Prozedere: Anvisierte 3 Behandlungssitzungen. Nach der 2. Sitzung eine CaOH2 – Einlage für 16 Wochen. Mit deutlicher Überpressung, nichts Ungewöhnliches bei einer so massiven Knochendestruktion. Und auch nicht schlecht, kann doch das Calciumhydroxid auch im periapikalen Raum seine Wirkung entfalten. Die erste Sitzung war im Übrigen wesentlich schwieriger als gedacht. Es war keine einfache Trepanation trotz gut im Röntgenbild sichtbarem Wurzelkanal, es gab zunächst keine Hinweise auf die Lage des Wurzelkanals. Nach Auffindung des Kanals ein leerer Wurzelkanalraum. Das auch noch ein Stück der Verblendung bei der Trepanation abplatzte, könnte man als schlechtes Omen vermuten. In der zweiten Sitzung nach Wiedereröffnung entleerte sich ein bernsteinfarbiges Sekret aus dem Wurzelkanal, etwas, was man gemeinhin als zystenartig beschreibt.
4 Monate später, am 27.07.2020, war das überpresste Calciumhydroxid vollständig verschwunden, normalerweise ein sehr gutes Zeichen. Die apikale Aufhellung war aber nicht signifikant weniger geworden. Wenn überhaupt. Da hatte ich, ehrlich gesagt, wesentlich mehr erwartet.
Was nun tun?
Machen wir eine erneute Abstimmung.
Was würden Sie tun, werte Kollegin, werter Kollege, wenn es ihr Patient wäre ?