
Die Marschrichtung ist klar.
Wir wissen (weil hier niedergeschrieben) was wir benötigen.
Jetzt geht es um die 4 Stützen, um das benötigte Korsett der Umsetzung.
Was brauchen wir ?
- Struktur und Organisation
Der Zahnarzt der Zukunft muss seine Praxis so strukturieren, dass er im Zweifelsfalle mit sehr wenigen Mitarbeitern, notfalls alleine arbeiten kann. Wir lebten bisher in einer rosaroten wunderbar gepolsterten Bubble. Wir waren gewohnt, das man uns in allen Bereichen optimal zugearbeitet hat. Stichwort Superorganismus (Ameisenstaat). Und dann spielte es auch keine Rolle, wie gut oder wie schlecht unsere Praxis organisiert war.
Fehlendes Instrument ?
Fehlendes Material?
Kein Problem, solange es jemanden gab, der das Fehlende zeitnah bereitstellen konnte. Wusste, was in welchen Schubladen wo gelagert war.
Ich prophezeie.
So wie die jetzt schon die Patienten händeringend um Behandler flehen werden, so werden die Zahnärzte der Zukunft dankbar sein, für jedes logistische Problem, das Ihnen abgenommen, von ihren eigenen Schultern genommen und in ihrem Sinne gelöst werden wird. Eine Lösung ohne zusätzliche Mitarbeiter wohlgemerkt. Denn die werden definitiv in absehbarer Zeit nicht wiederkommen.
Und ich prophezeie weiterhin, dass wir hier in der Zahnmedizin vor einem ähnlich einschneidenden Umbruch stehen wie seinerzeit der Paradigmenwechsel von der stehenden Behandlung am sitzenden Patienten hin zum sitzenden Behandler am liegenden Patienten Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre.
Es wird sich einiges radikal ändern.
Vor allem auch die organisatorischen Rahmenbedingungen in der Praxis selbst betreffend. Und damit einhergehend der arbeitsergonomische Rahmen.
Und wie immer werden die, welche die Zeichen der Zeit erkennen und die richtigen Schritte vor allen anderen gehen werden, gestärkt aus diesen Veränderungen herausgehen.
Das Gute ist – wir sind heute in der Lage, mit vergleichsweise wenig Aufwand, der sich nicht nur stande pede im Praxisablauf positiv bemerkbar machen wird, sondern auch in vergleichsweise kurzer Zeit amortisieren wird, solche Neustrukturen zu etablieren.
Fangen wir mit einem ganz einfachen banalen Beispiel als eines aus einer ganze Reihe von vielen anderen:
Ein Kollege wandte sich kürzlich an mich, weil er durch längere Krankheit mehrerer seiner Mitarbeiterinnen gezwungen war, sich selbst um die Materialbestellungen und die Logistik der Praxismaterialien zu kümmern.
Der Kollege war so frustriert, das er bereit war, jeden Preis zu zahlen, wenn ihm nur eine Lösung zugeführt werden würde, die ihm diese Arbeitsbelastung dauerhaft von seinen Schultern nehmen würde.
Was würden sie dafür geben, wenn sie sich um ihre gesamte Warenwirtschaft von A-Z (von der Bestellung über den Wareneingang bis hin zur Lagerung und Bereitstellung für die jeweilige Behandlung) nicht mehr kümmern müssten, immer alles Benötigte zu jeder Zeit an seinem ihm zugedachten Platz vorhanden wäre.
Und zu jeder Zeit bedeutet.
Immer.
Nicht fast immer oder meistens.
Sie sich darum nie mehr kümmern müssten.
Sich um diesen Bereich zukünftig keine Gedanken mehr machen müssten.
Ihn vergessen könnten.
Wäre das nicht toll?
Testen Sie mal aus, wie viel Zeit sie dafür verwenden müssten, Woche für Woche, dass dem so ist.
Und was es sie kosten würde, wenn sie selbst das machen würden.
Und was es Ihnen wert wäre, wenn sie es nicht mehr tun müssten.
Und auch nicht der Mitarbeiter, der das bisher für sie gemacht hat.
Denn dieser Mitarbeiter, so er denn überhaupt da ist, den werden sie zukünftig sicherlich für wichtigere und vor allem wertvollere Aufgaben einsetzen werden wollen.
Und jetzt gehen sie hin und wenden sich dem Komplex QM in ihrer Praxis zu. Komplexer. Umfassender als die Warenwirtschaft. Aber zwingende Voraussetzung für den Praxisbetrieb. Wollen Sie sich damit ihr weiteres Berufsleben beschäftigen als Zahnarzt?
Und dann vor allem dem Komplex Wiederaufbereitung von Instrumenten. Ein anderer Kollege berichtete mir vor Weihnachten, das er wegen fehlender Mitarbeiter gezwungen war, diese Aufgaben selbst vorzunehmen Tag für Tag. Was insofern auch bei aller Frustration auch einen Erkenntnisgewinn mit sich brachte. Wie zeitaufwändig nämlich diese Maßnahmen sind.
Wieviel Zeit und wertvolle personelle Ressourcen würde man sparen, wenn die Wiederaufbereitung und Bereitstellung von Instrumenten für die Behandlung auf ein schätzungsweise ein Viertel der bisherigen Zeit reduziert werden könnte. Und 80 Prozent der personalen Ressourcen eingespart werden. Und darüberhinaus – Dank Neuorganisation des Arbeitsumfeldes- das Arbeiten am Patienten schneller und einfacher vonstatten ginge.
Was wäre Ihnen das wert?
Jeder Leser sollte einfach mal in sich gehen und für sich selbst seine eigene Rechnung machen.
Hier meine These Zielkorridor Zukunft Zahnmedizin
Der erfolgreiche Zahnarzt der Zukunft macht sich unabhängig von den nicht zahnmedizinischen Begleitarbeiten in der Praxis, aber auch von (zukünftig nicht mehr vorhandenen) Mitarbeitern und von teuer eingekauften externen Dienstleistungen. Diese nämlich verlagern nur, was gefährlich ist, die Abhängigkeit aus dem direkten Einflussbereich der Praxis heraus, lösen diese aber nicht auf, sondern verschärfen diese gegebenenfalls noch zusätzlich.
2. Service
Wenn sie fragen, wo sinnvollerweise setze ich die limitierten personellen Ressourcen (sprich die wenigen noch in der Praxis zukünftig verbleibenden Mitarbeiter sinnvollerweise in erster Priorität ein, dann würde man als Zahnarzt vermutlich sagen, in der Behandlung natürlich.
Ich verstehe diesen Reflex.
ABER – der Zahnarzt, sein Arbeitsfeld optimal dafür organisiert, kann alleine arbeiten.
In der Endodontie im Übrigen am Allerbesten sogar, aber das ist ein anderes Thema.
Wenn ich also die Wahl habe, einen Mitarbeiter mir das Instrument anzureichen oder ihn ans Telefon gehen zu lassen oder einen Patienten zu betreuen, der gerade zur Tür hineinkommt, dann entscheide ich mich zukünftig für Letzteres. Warum? Weil ich ohne Assistenz am Stuhl zwar langsamer arbeite, aber immerhin arbeite. Also Honorar erziele. Wenn ich hingegen ans Telefon müsste, dann verdient in der Zeit keiner Geld.
Capisci ?
Dann geht halt keiner ans Telefon, geht keiner an die Tür. Sagt der Kollege vor Ort auf dem Zahnärztestammtisch.
Schon klar.
Aber was unterscheidet deine Praxis dann von allen anderen?
Und wie willst Du dann Punkt Nr 3 einfordern?
Der Grundvoraussetzung dafür ist, das Du auch weiterhin zwar nicht Mitarbeiter im Überfluss, aber immerhin genügend Mitarbeiter haben wirst, die deine Praxis und vor allem ihren Status mittragen werden.
3. Aufwandgerechte Honorierung
Die erfolgreiche Zahnarztpraxis der Zukunft, welche herausragende Qualität und herausragenden Service bietet, kann und muss eine aufwandgerechte Honorierung betreiben, um ihre Existenz zu sichern. Dieser Satz an dieser Stelle muss genügen. Um hier in die Tiefe einzusteigen bedarf es (mehrerer) Extra- Kapitel. Daher jetzt nur weiter zu Punkt 4.
4. Patientenkreis – Adaptation und Selektion
Die erfolgreiche Zahnarztpraxis der Zukunft macht allen Patienten ein freundliches und wohlgemeintes Behandlungsangebot. Dieses anzunehmen oder auch dies nicht zu tun unterliegt dem Patienten. Falls der Patient in die Behandlung einwilligt, so muss ihm aber auch klar sein, dass damit auch er in gleicher Weise sich in den Behandlungskontext einbringt. Um es klar zu sagen. In der Vergangenheit konnte malignes Verhalten von Seiten der Patienten tolerierbar gewesen sein. Gut war es nie. Zukünftig wird es ohne Ausnahme inakzeptabel sein.
Fazit Praxiserfolg Zukunft (in 4 Stichworten)
Grundvoraussetzung: Herausragende Qualität
Aushängeschild: Herausragender Service
Betriebswirtschaftliche Basis: Aufwandgerechte Honorierung
Mindset: Fakultatives Behandlungsangebot statt Behandlungszwang