Neben Vincent haben wir in unserer letzten Arbeitswoche vor den Sommerferien „leider“ auch den 11-jährigen Jakob behandeln müssen. Ein Jahr zuvor haben wir bereits seinen zwei Jahre älteren Bruder nach Trauma (Intrusion) behandelt…
Jakob hatte sich Zahn 11 in einem Rutschenparadies avulsiert.
Auf den Knien-rutschend hatte er das Gleichgewicht verloren und war vornüber auf die Rutsche geknallt.
Der Zahn war anschliessend circa 45 Minuten unphysiologisch (Wasser) gelagert worden.
Danach folgte die „Umsetzung“ in Milch.
Nach der circa zweistündigen Wartezeit in dem grossen Münchner Versorgungszentrum erfolgte vor der „Erstversorgung“ eine weitere Zwischenlagerung in einer Zahnrettungsbox…
Vor der dann ohne Lokalanästhesie durchgeführten Replantation würde der Zahn extraoral „trepaniert“ und abschliessend mittels Komposit an den Nachbarn „geschient“…
DIe beschriebene „Behandlung“ erfolgte an einem Freitag; wir sahen Jakob am darauffolgenden Montag…
hier ein paar Impressionen der vorgefundenen Situation…

Da war jemand völlig überfordert. Das Schlimme ist nur, dass sicherlich der Großteil der zahnärztlichen Kollegen auch nicht sinnvoller gehandelt hätte. Hier fehlt es massiv an Wissen, obwohl es ja einfache und strukturierte Handlungsanleitungen gibt (Trauma-App, DGET etc.).
Immerhin ist die Farbe der Schienung gut getroffen…
Da fühle ich nur Fremdscham! Kein Verständnis für diese Misshandlung. Spiegelt aber den Stand der (Aus-)Bildung im Bereich der Traumatologie in Deutschland perfekt wieder. Leider.
Ich befürchte das der Zahn das nicht schaffen wird. Drücke aber die Daumen.
Da hast du wohl leider Recht, Georg.
Leider hat die Rettungskette nicht dazu beigetragen, dass die Prognose verbessert wurde. Laut Mutter war die Schiene bereits am Samstag gebrochen und eine Funktion verloren. Man sieht auf dem Foto, dass es wohl u.a deshalb zu einer entzündlichen Reaktion der Weich/Hartgewebe gekommen ist.
Die Tatsache, dass man ferner 2 Stunden gewartet hat um den Zahn dann in die RBox zu geben ist ein weiterer Mosaikstein.
Alles in allem eine Katastrophe. Und ihr noch der gedankliche Shocker…
Glaubt nicht, dass das in der Allgemeinmedizin anders ist. Und da reden wir von Leben und Tod.
In der Allgemeinmedizin ist es definitiv nicht besser, durfte ich gerade im familiären Umfeld erleben (trotz vermeintlich bester Behandlung dank sehr gutem PKV-Vertrag) in Großstadtuniklinik.
Ich denke, dass viele Kollegen keine Splinte vorrätig haben, aber eine suffiziente Kompositschienung sollte auch anderweitig funktionieren.
War der Zahn wirklich offen oder sind die Extirpationsbilder nach der Trep entstanden?
LG und ein schönes Wochenende.
Nein nein. Zahn war zu. Aber was bei der „Trep“ gemacht wurde weiß ich nicht. Pulpa vor noch in toto vorhanden und med fand sich auch keine.
Wenn man keinen Draht hat könnte man zb eine Anästhesiekanüle Zweckentfremdet. Be a
MacGyver 😜
Danke für den MacGyver Tipp.
Ich habe ebenfalls keine Splinte und benutze dafür Glasfaserband.
Das funktioniert ebenfalls sehr gut.
Wie schätzen sie die Prognose ein?
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Semirigide, putzbar und leicht zu entfernen. Einmal gekauft hält das Ganze Jahrzehnte, wenn nicht benutzt. Das sollten uns die kleinen Patienten wert sein.
LGJS