Was schon die Alten wussten….

von Hans – Willi Herrmann

 

SANYO DIGITAL CAMERAIch liebe historische zahnmedizinische Lehrbücher.
Und bin beim Blättern in diversen alten Schinken  immer wieder erstaunt, wie oft sich meine These: „Es gibt nichts Neues in der Endodontie“ de facto bestätigt.

Aus diesem Grund habe ich eine neue Rubrik hier bei WURZELSPITZE ins Leben gerufen: „Was schon die Alten wussten“. Und werde von nun an immer wieder zu diversen Themen das Wissen der Altvorderern ins Gedächtnis rufen.

Beginnen wir diese Rubrik mit einem Auszug aus E. Immig: Die Behandlung pulpa- und wurzelkranker Zähne ( die 3. Auflage ist von 1911, die mir vorliegende 4. Ausgabe von 1921).

Die letzten Seiten des Buches (ein zugegeben kleines Kapitel) sind den Misserfolgen der Wurzelkanalbehandlung gewidmet. Punkt 5 umfasst: „Das Entfernen abgebrochener Instrumente aus dem Wurzelkanal“.  Zum Einsatz kommen unter anderem spezielle wortwörtlich „Herausholinstrumente“ von Beutelrock. Zunächst ein Trepan- Bohrer (der vermutlich erst mehrere Jahrzehnte später als „Masseran- Bohrer“ Verbreitung finden dürfte) zum Freilegen des Instrumentenschaftes im Wurzelkanal, anschliessend ein Instrument mit einer Spirale (in unterschiedlichen Durchmessern als Set vorhanden) an seinem Ende, die über das koronale Fragmentende gestülpt wird. Rotiert man das Instrument, erzeugt die Spirale eine frikative Wirkung, die es  erlauben soll,  das  so fixierte Instrumentenfragment zu entfernen.

Fotos der Zeichnung und Originaltext in der Galerie.

 

 

 

3 Gedanken zu „Was schon die Alten wussten….

  1. Ich finde es teilweise beachtlich was früher schon geleistet wurde, aber traurig das bestimmte Sachverhalte mit der Zeit vergessen werden. Kurios was ausgedacht wurde um bestimmte Probleme zu bewältigen, und auch kurios wie lange sich manche Mythen halten. „Praktiker heilen, Theoretiker erklären danach warum“ war es früher, heute kommt man sich eher manchmal vor als wenn ein neues Produkt auf den Markt geworfen wird und danach wird geschaut ob es klappt.

    Auf Facebook wurde vor kurzem die Endo-Methode von „Better-Endo“ von Dr. Jack Jacklich erwähnt: Aufbereitung mit umbebauter elektrische Zahnbürste als Antrieb für Feilen ohne Hypo-Spülungen und WF aus Zink-Oxid-Eugenol Zement (keine Paste!!). Könnte auch aus dem oben erwähnten Buch stammen, und trotzdem liegen 100 Jahre dazwischen. Stellt sich die Frage: hätte Kollege Jacklich das Buch (oder andere) lesen sollen um Fehler zu vermeiden oder HAT er gerade viele Bücher gelesen und nutz sein Wissen ganz gezielt und bewußt? Im heutigen digitalen Zeitalter bin ich froh auch etliche alte Bücher im Regal stehen zu haben, und nach Lektüre einer alten Ausgabe von Grossmann könnte ich jetzt auch ohne Internet oder Strom eine Natriumhypochloritlösung ansetzen :D….

    Danke und Gruß,

    Gregor

  2. „Ist eine Nadel abgebrochen, so soll man den Patienten nichts davon merken lassen, um ihn nicht unnötig aufzuregen“

    …auch diese Praktik findet heute noch häufig ihre Anwendung ;-)

    • … und das nicht nur in der Zahnheilkunde. Ja, da begibt man sich doch mit einem guten und vertrauensvollen Gefühl in Behandlung, wenn man weiß, dass man über Mißgeschicke, die Komplikationen nach sich ziehen können, natürlich nicht aufgeklärt wird. Ich weiß, wie ich reagieren würde, wenn mein Zahnarzt sich so verhalten würde. Ich schätze mal, die „Aufregung“ wäre anschließend nicht nur auf meiner Seite und „unnötig“ wäre sie vermutlich auch nicht. ;-)

      Aber letztlich ist es natürlich eine Gewissensfrage und eine Frage des Berufsethos, s. z.B. primum non nocere.

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