Wieder ein Gerät mehr

von Christian Danzl

Die Hygienevorschriften in deutschen Zahnarztpraxen nehmen teilweise lustige Ausmasse an.
Da für Übertragungsinstrumente die manuelle Vorreinigung vor dem Gang in den Autoklaven nicht mehr reicht, muss jetzt ein maschinelles Reinigungsgerät her (unseren Helferinnen, die eine Hygiene- und QM-Schulung nach der anderen machen durften, wird nun also genau diese erlangte Kompetenz sofort wieder abgesprochen).

Prinzipiell stehen zwei Möglichkeiten zur Debatte:

  1. Geräte, die innen und aussen reinigen, pflegen und desinfizieren.
    Gute Idee.
    Nachteil: die Übertragungsinstrumente müssen danach (obwohl schon sauberer, als es eine Zahnarzthelferin je könnte) noch durch den B-Klasse Autoklaven.
    Aufbereitungszeit netto: gut 30 min bei den schnellsten Programmen.
    Zeit, bis sie in der Praxis wirklich wieder zur Verfügung stehen, deutlich länger, da nicht unbedingt ein Autoklav startbereit ist, wenn die Übertragungsinstrumente aus der Vorreinigung kommen, und es läuft definitiv nicht immer nur das Schnellprogramm, π mal Daumen also 60 min.
    Vorteil: nicht ganz so teuer wie 2.
    Gibt es von KaVo, W&H, NSK…
  2. Gerät, das innen und aussen reinigt, pflegt, desinfiziert UND autoklaviert.
    Noch bessere Idee.
    Nachteil: deutlich höhere Kosten in Anschaffung und Betrieb
    Aufbereitungszeit kürzer, netto: ca. 15 min
    Zeit bis sie in der Praxis wirklich wieder zur Verfügung stehen, ca. 30 min.
    Ca. 15 min Aufbereitung, aber danach sind die Teile HEISS und somit noch nicht einsetzbar.
    Vorteil: schnellere Aufbereitung als bei 1., keine Abhängigkeit vom Autoklaven.
    Gibt es von Sirona, DAC Universal
    Benötigte Anschlüsse: Pressluft, Strom, (aufbereitetes) Wasser, Abwasser

Da die Geräte unter 1. auch kein Sonderangebot sind, die Aufbereitungszeit trotzdem stark vom Autoklaven abhängig sind, war für mich der DAC universal das Gerät der Wahl.

Die freundlichen Mitarbeiter von Dental-Depot meines Vertrauens stellten das Teil auf, schlossen es an und wiesen die Helferinnen ein. Läuft. Und das schon seit 4 Wochen problemlos, was in der heutigen Zeit im Dentalbereich definitiv nicht Standard ist.

Jetzt ist die Geschichte noch nicht zu Ende.
Stellen Sie sich vor, man kauft so ein Gerät, und das wär’s.
Die Übertragungsinstrumente halten länger, weil so ein Automat die besser schmieren kann, als eine Helferin und die Hitze mehrmals am Tag (im Gegensatz zur früheren Wischdesinfektion) ist der Haltbarkeit ja auch zuträglich….
Sie würden Geld aus geben, und könnten dafür an anderer Stelle Sparen?
Das geht, aber dann sind sie nicht Zahnarzt in Deutschland.
Hier investieren Sie, damit sie an anderer Stelle NICHT sparen.

Was braucht das Gerät ausser Strom, demin. Wasser und Pressluft noch zum Betrieb?

  • pro Durchlauf einen Comply Sterigage-Idikator 1000 Stück ca. 400,-
  • alle 40-50 Zyklen eine Reinigungstablette 100 Stück ca. 30,-
  • Nitram Oil zum Schmieren 6 x 200 ml ca. 350,-
  • Luftfilter 1 x pro Monat, 6 Stück ca. 40,-

und selbstverständlich doch noch:

  • das gute alte KaVo-Spray für die tägliche Spannzangen-Pflege, denn die schafft der DAC wohl dann doch nicht ohne Helferin (wir erinnern uns, das war die Fachkraft, die so viel schlechter als der Automat aufbereitet, dass das Verfahren nicht mehr zulässig ist).

und was man noch in Erwägung ziehen sollte, wenn der Durchlauf in der Praxis höher ist, wie etwa bei zwei Behandlern, oder Übertragungsinstrumente nicht in großer Überzahl in der Praxis vorrätig sei sollten:

  • einen zweiten Deckel/Instrumententräger
    Dann kann die Zykluszeit wirklich auf ungefähr 15 min gebracht werden, denn die frisch autoklavierten Winkelstücke und Turbinen zieht niemand sicher ohne eine Verbrennung hin und wieder ab.
    Kosten: Deckel ca. 500,- und je ca 100,- für die 6 Adapter.

Ach ja, Validierung…
Die kommt ja auch noch dazu.

Bis jetzt läuft alles störungsfrei. Ich werde berichten..

Kessel innen

Kessel innen

Filter

Reinigungstabletten

Reinigungstabletten

Deckel/Instrumententräger

Intikatoren

Intikatoren

DAC universal

Nitrom Öl

45 Gedanken zu „Wieder ein Gerät mehr

  1. Hallo Christian,
    danke für Deinen Testbericht!
    Ich habe mich damals gehen das Gerät entschieden, da die Übertragungsinstrumente zwahr in einen Arbeitsgang gereinigt, gepflegt und sterilisiert werden, eine Verpackung aber fehlt und damit eine Aufbewahrung im sterilisierten Zustand nicht möglich erschien. Steril ist das im DAC aufbereitete Übertragungsinstrument nur beim „sofortigen Gebrauch“.
    Gerade für die Endo als kritischer Eingriff wird doch aber auch von den Übertragungsinstrumenten Sterilität gefordert.
    Hast Du für dieses Dilemma eine Lösung finden können?
    Ich möchte ja morgens ohne Aufbereitungszyklus starten können.
    Stephan Gäbler

  2. Nicht vergessen: die Ölmenge im Winkelstück bei Dac Pflege soll nur für 30min Nutzung ausgelegt sein, also entweder nachölen oder Winkelstück tauschen… Wäre es vielleicht möglich hier ein Link zu dieser Änderungpflicht zu veröffentlichen, aus unserer Praxis waren zwei Damen erst Ende 2013 bei so einer Veranstaltung zur manuellen Aufbereitung der Übertragungsinstrumente und da wurde selbstverständlich gesagt, dass das für den Gesetzgeber absolut ausreicht…

    DANKE und Gruß,

    Gregor

  3. Christian, schönen Dank für die weiteren Angaben zu Verbrauchsmaterialen für den DAC Universal, die ich in meine Vollkostenrechnung zum Vergleich DAC Universal (Sirona) mit dem iCare+ (NSK) übernommen habe, ein Tabellenkalkulationsblatt, hier abrufbar:
    http://www.logies.de/DAC_versus_iCare.xls
    Für Korrekturen mir bitte eine Email schicken oder hier melden!
    Wir reden hier über ca. 4000-5000 € pro Jahr (je nach Instrumentenmenge) bzw. je Instrument von Kosten von 1,5-0,7 €.
    Zum Fachlichen: Es ist etwas komplizierter (und strittig), will ich hier nicht im Detail ausführen. Semikritisch B-Instrumente müssen nur desinfiziert werden, dafür würde das iCare+ schon reichen, Autoklavieren abschließend nur für kritisch B. Konservierende Behandlung, dazu zähle ich die Endodontie, gehört für mich bezüglich der Winkelstücke zu semikritisch B, denn man schiebt die Übertragungsinstrumente nicht unter die Schleimhaut, apikal treten allenfalls die vormals sterilisierten Bohrer aus.
    Die Krinko-Kommission („Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“, 2012) möchte semikritisch B „bevorzugt“ und kritisch B „grundsätzlich“ maschinell gereinigt sehen. Das zu diskutieren, würde hier den Rahmen sprengen.

  4. Also liebe Leute vor Kavo muss ich warnen. Quattrocare clean läuft überhaupt nicht. Es gibt massenhaft Rücksendungen und Stornierungen. Ich habe das Gerät gekauft und hatte nach dem Aufbau schon den ersten Systemfehler. Gerät zurück, erst auf Anfrage Leihgerät und nach einer Ewigkeit war das Gerät repariert. Nach 4 Monaten wieder Systemfehler, Riß in der Rückwand, da der Kunststoff des Gerätes die Hitzebelastung auf Dauer nicht verträgt. Wieder zurück an Kavo, kein Leihgerät, da keine mehr vorrätig. Ich habe jetzt die Nase voll und eine Gutschrift verlangt.
    Der DAC währe also eine Option für mich. Was kostet denn das gute Stück?
    Beste Grüße

  5. Ich würde Übertragungsinstrumente für die Endodontie auch nicht in vorauseilendem Gehorsam nach kritisch B einstufen, sondern gehe d´accord mit der Auffassng von Herrn Logies, dass sie semikritisch B sind. Mir waren und sind diese Geräte – von wem auch immer – vom Kosten-, Zeit-, Validierungs-, Wartungs- und Platzaufwand eher suspekt. Wir haben für das Geld lieber Hand- und Winkelstücke angeschafft, und alles was 134 °C aushält kommt in den Steri.

  6. Hi Miles,

    wie ist das Wartungsintervall von Sirona angegeben? Und das Ding hat keine Schnittstelle zur Prozessdatenübermittlung? WLAN? Bluetooth? Weboberfläche? Papierlose Praxis und so? Wo bekommst Du das Wasser her für den DAC?

    LGO

    • Hallo Oscar,

      Wartung:
      intern: wöchentlich, monatlich und vierteljährlich
      extern: jährlich und zweijährlich oder alle 3.000 Zyklen
      bei uns läuft er 6-8 mal am Tag

      RS 232 Schnittstelle

      Wasser über Enthärtung in der Praxis 9° dGH, danach ins Meladem

      LG
      Christian

      • Christian, RS 232, also eine serielle Schnittstelle von Anfang der 1960iger Jahre, die bei Neugeräten sonst fast schon ausgestorben ist (http://de.wikipedia.org/wiki/RS-232), gefällt mir am DAC Universal nicht. Das iCare+ schreibt seine Prozeßdaten laufend intern u. zusätzlich auf einen USB-Stick.
        Meladem ist Melag, und Melag verkauft hinsichtlich der Wasserqualität m. W. nicht so anspruchsvolle Geräte wie das DAC Universal. Mein China-Steri (Vacusteam ST-B16) braucht nur unterhalb von 10 Microsiemens Leitfähigkeit, der DAC Universal aber unterhalb von 3 Microsiemens. Ich glaube gerne, daß ein Kartuschensystem anfangs unterhalb von 3 Microsiemens schafft, aber meiner Erfahrung nach fällt die Entkalkungsleistung rasch in etwas höhere Bereiche zurück, dann könnte es für den DAC Universal problematisch werden. Wird die Leitfähigkeit noch zusätzlich überwacht? Was sichert Melag für das Meladem an Leitfähigkeit zu? Danke!

        • Entweder ist die RS 232 der kleinste gemeinsame Nenner, oder ein „Exclusivprodukt“, die keine Nutzung von Fremdherstellern zulässt.
          Leitfähigkeit überwache ich momentan nicht.

          Liebe Grüße, Christian

          • rs232 ist eine bewährte Schnittstelle und wahrscheinlich schon komplett zertifiziert, reguliert und was die Firmen sonst noch alles damit tun. Und für die Datenmenge der Prozessparameter sicher ausreichend ;-) es gibt gute rs232-usb-umsetzer, die ohne Probleme plug´n´play funktionieren, deswegen kein Beinbruch ;-)))
            Eine letzte Frage noch, Miles: wirst Du die gestiegenen Kosten auf die Patienten umlegen?

            LGO

          • Oscar, ich vermute, der DAC Universal ist in der Konzeption einfach so alt, daß damals die serielle Schnittstelle noch opportun erschien. Eine Änderung in der Elektronik könnte eine Revalidierungsnotwendigkeit beim Hersteller nach sich ziehen. Meiner Erfahrung nach sind Adapter von seriell auf USB sind nicht so gut, ich fand das relativ unzuverlässig (für einen Thermologger, der in Echtzeit seine Daten auf einen PC überspielen sollte). Außerdem nützt einem der Adapter nichts, wenn man keine Software hat, die die gelieferten Daten aufbereiten kann. Es gibt eine solche Software für den DAC. Ist die kostenlos dabei oder kostet die extra? Mein Vacusteam ST-B16, der auf USB-Stick mitschreibt (und parallel auf Thermopapier druckt), hat kostenlos eine Software dabei, die das Einlesen vom USB-Stick in eine Datenbankanwendung erlaubt. Das gleiche gilt für das iCare+.

          • Christian, seriell ist für geringe Datenmengen an sich bewährt, aber neuere PCs haben die Schnittstelle nicht mehr (stattdessen USB2/USB3), das ist das Hauptproblem. Ich hatte auch schon Probleme, mit einem neuen PC, der eine serielle Schnittstelle hatte, ein älteres, serielles Gerät anzusprechen (eine Euracomtelefonanlage).
            Der DAC Universal verlangt weniger als 3 microsiemens Leitfähigkeit. Ich habe früher diverse Male auf meiner Mailing-Liste lesen können, daß bei Wasser mit einer höheren Leitfähigkeit der DAC mit einer Störungsmeldung den Dienst einstellte. Lese ich in letzter Zeit nicht mehr. Mehrere Möglichkeiten: Entweder das Gerät braucht jetzt nicht mehr so weiches Wasser für seine maximale Lebensdauer, das Wasser ist jetzt überall perfekt oder aber das Gerät zeigt eine Leitfähigkeit, die ihm langfristig schadet, erst ab einem höheren Grenzwert an. Ich würde auf jeden Fall ab und dann messen, wobei man dafür ein Leitfähigkeitsmeßgerät für den niedrigen Bereich braucht (für Reinstwasser, RW). Ich habe das „Greisinger GLF 100RW Leitfähigkeitsmessgerät“, bei http://www.conrad.de, ca. 250 €.

          • Wir benutzen einen Meladest und der produziert laut dem selben Leitfähigkeitsmessgerät gute 1,5 microsiemens, deutlich besser als das was wir aus der Apotheke bekamen!

          • Hallo Michael, kann ich so nicht nachvollziehen. ich habe einen RS-232 umsetzet auf USB, mit dem ich Steuersignale von meiner Einheit abgreife. Funktioniert sofort und ohne Probleme! Das gleiche am Steri, Thermologger läuft bei uns über USB ;-)

            Beste Grüsse
            Oscar

          • Hab mich nochmal mit dem Depot kurzgeschlossen:
            Sirona stellt nur eine universelle Schnittstelle „zur Verfügung“, „Rest ist egal“.
            Dokumentation ist „outgesourct“ an comcotec und die Sego-Soft Software, wie auch angeblich bei Miele.
            Kosten:
            Umsetzer Seriell auf USB ca. 750,-
            Netzwerklösung ca. 1.100,-
            Sirona-Lösung mit kleinem Drucker an die Serielle Schnittstelle ca. 660,-

            LG
            Christian

          • solange Sirona keine Geheimprotokolle über die Schnittstelle schickt sondern sich an Datenübertragungsstandards hält, ja. ;-) für den Preis lohnt sich ein Versuch…. und wenn ja, bist Du der Held der Hygiene-Szene…. ob dann nicht die Depot-Schwadron vorbeikommt um mit Dir den Sachverhalt sehr innig und tiefgehend zu erörtern, kann ich Dir aber nicht versprechen…

            LGO

          • Hallo an alle DAC Nutzer,

            zum Punkt Datenübertragung:
            -Umsetzer von Seriell auf LAN funktioniert einwandfrei, relativ kostengünstig (ca. 120€)
            -secosoft ist eine sehr teure Anwendung, die alle zwei Jahre einen neuen Freischaltcode braucht, gegen Aufpeis (ca. 100,-€ od. mehr)

            zum Punkt Wasser:
            -3µS/cm ist richtig, es werden aber, wie bei Hr. Dr. Danzl, Wasseraufbereitungsanlagen nachgeschalten.
            Das heisst: Eine Wasseraufbereitung versorgt den B-Steri, von der Versorgung wird für den DAC abgezweigt, auf eine zweite Wasseraufbereitung. Deshalb werden die Wasserpatronen besser ausgenützt.

            Grüsse

            Wolfsberger Thomas
            Servicetechniker für Hygiene- u. Sterilisationsgeräte

  7. Seit wir die DAC haben, sind unsere KaVo-Winkelstücke deutlich häufiger in Reparatur! Und das betrifft auch Winkelstücke, die gerade mal ein Jahr alt sind! NSK-Prophylaxe-Winkelstücke dürfen z.B. gar nicht in die DAC (nicht freigegeben von NSK!). Ich glaube kaum, das ich dieses oder ein ähnliches Gerät nochmal erwerben würde.

  8. Ich habe bei der Firma GKE (http://www.gke.de/) wegen eines Indikators (statt des SteriGage) für den DAC Universal nachgefragt und eine ausführliche Antwort bekommen, die bei mir per Email abgefragt werden kann. Der GKE-Indikator ist deutlich billiger, ca. 1/4. Das ist der „GKE Steri-Record, Chemo-D-P-2,5/5/20“, 500 Stück kosten 55 €, 2000 Stück 190 €, plus 19% (Artikelnummer 211-241 (2.000er-Pack) bzw. 211-242 (500er-Pack) bzw. 211-243 (250er-Pack)).

  9. Wasser auf die „Diskussionsmühlen“: Werner et al. Proteinbelastungen von Hand- und Winkelstücken nach Nutzung in der zahnärztlichen Praxis und nach praxisüblichen Aufbereitungsmethoden. HypMed 2013 38 [12]: 518-525 -> NSK Care 3 Plus, KaVo Quattro Care und W&H Assistina 301 Plus sind nicht nach DIN EN ISO 15883 validierbar und die Reinigungsleistung sei zu gering, weshalb nachfolgende Desinfektion und Sterilisationsprozesse gefährdet werden!!! Nur der Sirona DAC Universal als komplettes Aufbereitungssystem war in diesem Vergleich gut… nur blöd das es auf dem Markt wohl nur dieses eine Produkt gibt, und keine Konkurrenz… Warum gibt es nicht im unserem Sektor eine „Aufwrackprämie“ damit die Kosten nicht weglaufen? Abwracken tun viele Neuerungen doch von alleine :D!

    • Ja, ich habe den Artikel vorliegen. Das iCare+ wurde leider nicht mitgetestet. Wenn ich von NSK nicht zeitnah die Meldung anläßlich des erstmaligen Inverkehrbringens des Gerätes bekomme, frage ich bei der fürs iCare+ zuständigen Behörde, Landesdirektion Sachsen, nach, ob die Leistungsversprechen für das iCare+ dort akzeptiert worden sind. DIN EN ISO 15883 ist übrigens nicht verpflichtend. Der Hersteller kann davon abweichen, wenn er „gleiche Sicherheit“ nachweisen kann. Läßt sich beim BMG nachlesen: http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/M/Medizinprodukte/Medizin_Produkte_Marktzugangsvoraussetzungen_fuer_Medizinprodukte.pdf

      • Ich habe mittlerweile von NSK die DIMDI-Anmeldung zum erstmaligen Inverkehrbringen des iCare+ als „Desinfektionsgerät“ in der Kategorie „Zahnärztliche Produkte“ (Medizinprodukt Klasse IIb, Registrierdatum bei der zuständigen Behörde: 24.10.2013, Registriernummer dort DE/CA84/73-20-13) und auch die Anmeldebestätigung des Landesdirektion Sachsen. Das Gerät ist dort am 21.10.2013, also 3 Tage vorher, angemeldet worden. Offenkundig findet eine Prüfung von Medizinprodukten bei den Behörden nicht statt, sondern nur eine Registrierung. Ich sehe jetzt aktuell rechtlich nichts, was dem Einsatz des Gerätes, wie von NSK beschrieben, entgegen stehen würde.

    • „weshalb nachfolgende Desinfektion und Sterilisationsprozesse gefährdet werden“ Das steht zwar so im Artikel, wird dort allerdings nicht mit einem empirischen Beleg unterfüttert. M. E. ist diese allgemeine Behauptung in diesem Fall Unsinn, weil es jede Menge Literatur zur thermischen Desinfektion und Sterilisation von Übertragungsinstrumenten gibt, wo Anschmutzungen, aus dem laufenden Betrieb oder auch vorsätzlich ins Innere eingebracht, ohne jede Reinigung steril wurden. Ich habe die ältere Literatur vor ein paar Jahren hier referiert: http://www.logies.de/DZW_28_29_06_06.pdf
      Der Patient bekommt also bei autoklavierten Instrumenten, die nicht perfekt innengereinigt sind, u. U. ein paar Dutzend Mikrogramm steriles Fremdprotein in den Mund. Der Grenzwert von 100 Mikrogramm je Übertragungsintrument verhält sich zur sonstigen Aufnahme von Fremdprotein durch den Mund, nämlich 100 g Eiweiß pro Bundesbürger und Tag, wie 1:1.000.000. Da kann man die Relevanz dieser eher mikroskopischen Restverschmutzung m. E. bezweifeln.
      Anders u. kritischer sieht es m. E. aus, wenn nicht thermisch desinfiziert wird. Deshalb ist hinsichtlich des iCare+, das nur chemisch arbeitet, eben spannend, ob es tatsächlich leistet, was es soll, also Wiederverwendung von Übertragungsinstrumenten semikritisch B nach 14 min nach nur chemischer Reinigung/Desinfektion.

      • Danke für die Ausführung! Ich frage mich immer wieder, wo derartige „Neuanforderungen“ an die Aufbereitung herkommen: besonders bei Weiterbildungen zum Thema Hygiene wird immer wieder postuliert, das nur eine MASCHINELLE Reinigung und Desinfektion eine anschließende STERILISATION ermöglicht… Habe vorher keine Desinfektion stattgefunden, könne die Sterilisation im Steri nicht funktionieren. Untersuchungen zeigen aber sehr wohl, das eine Sterilisation (thermische Desinfektion) im Steri sehr wohl stattfindet.

        Kennt einer das Produkt „Orolin Intra“ von Oroclean? Laut den Papieren scheint das ja zu funktionieren und den Anforderungen zu entsprechen, aber über Erfahrungsberichte oder kritische Meinungen würde ich mich sehr freuen…

        Danke und Gruß,

        Gregor

        PS: Herr Logies, schade das ein Babyflaschendesinfektor nicht mehr reicht! Ich hatte mich schon gefreut den Kostensteigerungen ein Schnippchen schlagen zu können!

        • Gregor, mein Vortrag zum Kochschen Dampftopf/Babyflaschendesinfektor ist immer noch online: http://www.logies.de/dampftopf.zip
          Das Verfahren ist natürlich nach wie vor sicher, muß aber sehr engmaschig überwacht werden (s. Vortrag), weil das nicht wie bei modernen Autoklaven per eingebauter Elektronik funktioniert. Neben Thermologging haben wir noch eine detaillierte Checkliste für den Ablauf. Ob man damit durch eine Begehung durch eine Gewerbeaussicht käme, z. B. in Kombination mit einer Assistina 3*3 für die vorherige, validierte Außen wie Innenreinigung, kann ich nicht abschätzen. M. E. ist das Verfahren validierbar.

  10. Das Aufbereitungsverfahren mit Alpro clean und cid erfüllt auch die Aufbereitungsanforderungen bei semikritischen Übertragungsstücken. Die anschliessende thermische Desinfektion wird nur empfohlen ist aber keine Pflicht.
    Die MAZI-Studie hat dafür sehr gute Ergebnisse geliefert.
    Die Gewerbeaufsicht erkennt das bei Begehungen (in Sachsen/Anhalt) auch an.

    • Ob das manuelle Alpronverfahren anerkannt wird, scheint regional sehr unterschiedlich zu sein. Ja, ich habe das Verfahren auch im Einsatz, gefolgt von thermischer Desinfektion. Wenn man es gewissenhaft manuell machen will, bindet es aber viel Arbeitszeit. Außerdem ist es eine nervtötende und durch die Chemie und das Öl vielleicht eher unangenehme Tätigkeit, deren richtige Durchführung ich als Praxisinhaber auch schlecht kontrollieren kann. Ich möchte hier Maschinen zum Einsatz bringen und kompensatorisch mittelfristig Personalstunden abbauen.

  11. Hallo Herr Wolfsberger, ich schrieb auf zahnmed@yahoogroups.de am 6.2.14:
    „Ich hatte heute ein Telefonat mit Herrn Rensch (1).
    Der hat mir erzählt, daß der DAC Universal heute bis 10 microsiemens Leitfähigkeit des Wassers akzeptiere. In den Anfangsjahren habe man die akzeptierte Leitfähigkeit mit 3 microsiemens sehr niedrig eingestellt, weil die älteren Übertragungsinstrumente noch zur Korrosion geneigt hätten.
    Ich habe ihn gebeten, das doch bitte in die offiziellen Kanäle (Webseiten, Gebrauchsanweisung) einfließen zu lassen. Ich würde mir das beim Kauf schriftlich geben lassen.“ (…)

    Meine Empfehlung wäre deshalb heute, destilliertes Wasser aus dem Supermarkt zu kaufen, ca. 2,6 € je 5 l Kanister, das liegt meinen Meßwerten nach bei 3-5 microsiemens. Man spart dadurch die Arbeit mit den Enthärtungskartuschen und eliminiert ein bakteriologisches Problem, denn die Kartuschen werden bakteriell besiedelt. Außerdem zeigen Kartuschen immer einen Leistungsabfall im Zeitverlauf. Auch unter Qualitätsgesichtspunkten ist daher industriell entmineralisiertes Wasser besser. Durch das günstige Supermarktwasser ändern sich die Kosten für den DAC. Ich habe deshalb meine oben genannte Kalkulation angepaßt.

    Der von Oscar genannte Adapter seriell/USB „Digitus DA-70156 USB Seriell Adapter USB 2.0“ für ca. 11 € funktioniert auch bei mir sehr gut, so daß ich jetzt meine Dampftöpfe mit Echtzeitlogging ausstatten konnte (die Assistina 3*3 geht die nächsten Tage bei mir in Betrieb). Dafür habe ich einen alten Win XP-Laptop reaktiviert und auf ein Brett im Aufbereitungsraum gestellt. Neben dem Echtzeitlogging werden die Daten des Thermologgers (Voltcraft K204, 4 Kanäle, bei http://www.conrad.de) auch auf dem Gerät gespeichert und müssen ca. 2mal wöchentlich manuell ausgelesen werden, was jetzt im Aufbereitungsraum geht, die Daten gehen dann über WLAN auf den Server. Mit dem Thermologger und seinen Drahtmeßsonden lassen sich auch RDG oder Geschirrspüler gelegentlich in ihrem Zyklus thermisch überwachen. Beim Autoklaven gehen die Drähte leider nicht an der Gummidichtung der Autoklaventür vorbei, ohne diese undicht werden zu lassen.

    (1)
    Dieter Rensch
    Dieter.Rensch (at) sirona.com
    Leiter Produktmanagement
    Geschäftsbereich Instrumente
    Sirona Dental Systems GmbH
    Phone: +49 6251 16 2408
    Mobile: +49 172 7788 912

        • Der weitaus häufigste Fall ist semikritisch B. Insofern wird m. E. das iCare+ uninteressant (im Vergleich zur in Anschaffung und Betrieb weitaus günstigeren Assistina 3*3), wenn auch in diesem Fall danach autoklaviert werden muß. Nur präferiert die KRINKO-Empfehlung eindeutig die thermische Desinfektion/Sterilisation. Insofern kann ich mir diese Forderung vorstellen, obwohl ich sie medizinprodukterechtlich nicht nachvollziehen kann: Die Gewerbeaufsicht am Ort der Geräteproduktion ist für die Zulassung des Gerätes zuständig – was hat Bayern dann den Anwendern Auflagen zu machen? Der richtige Weg wäre m. E., daß die Gewerbeaufsicht Bayern ihre Bedenken der zuständigen Gewerbeaufsicht meldet und die ihre Zulassung prüft.

    • Eine „verbindliche“ Auskunft kann nur die für Dich zuständige Gewerbeaufsicht geben. Ich würde dort nachfragen, am besten schriftlich. „Verbindlich“ in Anführungszeichen, weil im Streitfall letztlich das Verwaltungsgericht entscheiden müßte. Aber auf einen solchen Rechtsstreit sollte man es vielleicht nicht unbedingt anlegen, es sei denn, man sucht ein neues Hobby.

      • Hallo. Nein… ein neues Hobby brauche ich derzeit nicht :-)

        Vielen Dank euch. Es bleibt also nur die Entscheidung Injektorwagen oder DAC.

        Eine Frage habe ich noch. Was genau ist mit wrapped ready beim DAC gemeint. Ist dadurch die verpackte Sterilisation im Autoklaven hinfällig?

        Liebe Grüße

        Stefan

        • Hallo,

          mit dem Wrapped ready führte Sirona einen Deckel zur Sterilisation von verpackten, massiven Instrumentarien ein. Für Übertragungsinstrumente ehrlich gesagt ungeeignet. Der Zielmarkt wird hier außerhalb Deutschlands liegen.

          Ich habe hier auch gerade etwas über das validierte Verfahren bei der Assitina 3×3 gelesen. Bitte vorsicht walten lassen, das Gerät hat keine Schnittstelle irgendeiner Art. Der Erfolg der Aufbereitung wird nirgends geloggt, zumindest wenn sich seit meinem letzten Gespräch nichts geändert hat.

          • Logging ist m. W. nirgends vorgeschrieben. Außerdem erledigt die Assistina 3*3 nur einen Teilschritt der Gesamtaufbereitung: die valdierte Innen- und Außenreinigung. Selbst wenn die versagen sollte, gibt es bei folgender, thermischer Desinfektion kein Infektionsrisiko. Dazu gibt es genug ältere Studien (http://www.logies.de/DZW_28_29_06_06.pdf).

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